Xiaomi Watch S4 im Test: Für 130 Euro fast zu gut, um wahr zu sein – wäre da nicht ein Haken
Ein 2.200-Nits-Display, austauschbare Lünette, bis zu 15 Tage Akku und das für rund 130 bis 160 Euro – auf dem Papier liest sich die Xiaomi Watch S4 wie ein Preisbrecher. Fast jeder Test bestätigt das erste, positive Bauchgefühl auch in der Praxis. Genauso einig sind sich die Tester aber bei der Kehrseite: Wer ambitioniert trainiert, stößt an die Grenzen des Pulssensors und der fehlenden Smartwatch-Tiefe.
Für diesen Test wurden 11 unabhängige Testberichte aus deutschen und internationalen Quellen ausgewertet.
Kurz gesagt
Die Watch S4 bietet für kleines Geld ein hochwertiges Design mit austauschbarer Lünette, ein sehr helles AMOLED-Display und eine Akkulaufzeit, die viele teurere Modelle alt aussehen lässt. Wer aber ernsthaft mit Puls-Zonen trainiert oder eine vollwertige Smartwatch mit App-Store sucht, wird an mehreren Stellen enttäuscht.
Design: Austauschbare Lünette als Alleinstellungsmerkmal
Mit 47,3 Millimetern Durchmesser und rund 44 bis 70 Gramm Gewicht (je nach Messmethode und Armband) tritt die Watch S4 in gebürstetem Aluminium mit poliertem Edelstahl-Look an. Das besondere Designmerkmal: eine austauschbare Lünette, die in mehreren Tests explizit gelobt wird – bis zu acht verschiedene Stil-Varianten lassen sich ohne Werkzeug wechseln, ein Feature, das man sonst nur von deutlich teureren Uhren kennt. Die drehbare Krone ersetzt die früher übliche Top-Taste und wird in Tests als intuitiv beschrieben. Kritisch merkt ein Tester an, dass die Größe für manche Handgelenke beim Schlafen störend sei – wer die Uhr auch nachts fürs Schlaftracking tragen will, sollte das vorher ausprobieren.
Die Verarbeitungsqualität wird in mehreren Tests als überraschend hochwertig für die Preisklasse beschrieben, mit einem hochglänzenden PVD-Finish, das optisch durchaus mit deutlich teureren Modellen mithalten kann. Wasserdicht ist die Uhr bis 5 ATM, also rund 50 Meter, was für Schwimmen und Duschen mehr als ausreicht, für ambitionierte Taucher aber nicht gedacht ist. Erhältlich ist die Watch S4 in Schwarz und Silber, jeweils mit Aluminiumgehäuse.
Display: 2.200 Nits für unter 200 Euro
Das 1,43-Zoll-AMOLED-Panel mit 466 x 466 Pixeln bleibt technisch auf dem Niveau der Vorgängerin, die Helligkeit wurde aber massiv gesteigert – von 600 Nits bei der Watch S3 auf bis zu 2.200 Nits. Mehrere Tests bestätigen, dass die Uhr dadurch auch bei praller Sonne hervorragend ablesbar bleibt, ein Wert, mit dem sich die Watch S4 preislich weit über ihrer Klasse einordnet. Die Farbdarstellung wird durchweg als „gestochen scharf“ und „lebendig“ beschrieben, wenn auch nicht ganz auf dem Niveau der Premium-Konkurrenz von Apple oder Samsung.

Akku: Herstellerangabe versus Praxis
Xiaomi wirbt mit bis zu 15 Tagen Laufzeit – in der Praxis kommen die Tests auf unterschiedliche, aber durchweg gute Werte: Ein Test misst rund 7 Tage bei normaler Nutzung, ein anderer fast 9 Tage im Alltag. Besonders effizient zeigt sich die Uhr beim Sport: Eine 16-stündige GPS-Aufzeichnung verbrauchte in einem Test nur 15 Prozent der Akkukapazität, ein anderer Test kommt auf über 33 Stunden reine GPS-Laufzeit. Mit durchgehend aktivem Always-on-Display sinkt die Laufzeit dagegen spürbar, teils auf nur 2 bis 3 Tage bei zusätzlich aktiver Dauerüberwachung. Insgesamt bleibt die Watch S4 aber eine der ausdauerndsten Uhren ihrer Preisklasse.
Sport & Gesundheit: Gute Basis, aber ungenau bei intensivem Training
Über 150 Sportmodi, Dual-Frequenz-GNSS für präzise Standortbestimmung, 24-Stunden-Herzfrequenzmessung, SpO2-Tracking, Stressmessung und Schlafanalyse – die Ausstattung liest sich umfangreich, und die GPS-Positionierung wird in Tests als „sehr präzise“ gelobt. Der wiederkehrende Schwachpunkt liegt beim optischen Pulssensor: Mehrere Tests messen bei intensivem Training Abweichungen von 10 bis 20 Schlägen pro Minute gegenüber Referenzgeräten – für lockeres Training unproblematisch, für strukturiertes Intervall- oder Wettkampftraining aber ein echtes Manko. Blutdruckmessung und EKG fehlen der Uhr komplett, ein Kritikpunkt, den mehrere Tests explizit gegenüber teureren Konkurrenzmodellen anmerken.
Bei der automatischen Trainingserkennung zeigt sich in einem Test zudem eine gewisse Inkonsistenz – manche Aktivitäten wurden zuverlässig erkannt, andere mussten manuell gestartet werden. Auf dem Laufband braucht der Distanzsensor laut einem weiteren Test eine manuelle Kalibrierung, um wirklich genaue Werte zu liefern. Für Schwimmer bietet die Uhr eigene Auswertungen zu Bahnenzahl und Zugstil, wobei die Genauigkeit hier in den ausgewerteten Tests nicht gesondert geprüft wurde.
Software: HyperOS ohne App-Store
Die Uhr läuft auf HyperOS 2, das in Tests als „flüssig“ und „erwachsener“ als frühere Versionen beschrieben wird, inklusive Gestensteuerung per Handgelenk und intuitiver Bedienung über die drehbare Krone. Die Grenzen zeigen sich aber schnell: Es gibt keinen App-Store, keine Möglichkeit, auf Nachrichten zu antworten, kein LTE und laut mehreren Tests nur eingeschränktes Mobile Payment. Smart-Home-Funktionen sind zudem größtenteils auf Xiaomis eigenes Geräte-Ökosystem beschränkt. Wer ein iPhone nutzt, verliert laut einem Test zusätzlich den Zugriff auf die Musiksteuerung. Mehrere Tester fassen es ähnlich zusammen: Die Watch S4 funktioniert eher wie ein sehr guter, großer Fitness-Tracker als wie eine vollwertige Smartwatch.
Die Animationen und Übergänge im System laufen laut einem Test mit 60 Hertz butterweich, was der Uhr trotz Budget-Preis ein hochwertiges Bediengefühl verleiht. NFC ist zwar an Bord, kontaktloses Bezahlen wird in einem Test aber als in vielen Regionen faktisch nicht nutzbar beschrieben, da die Bank-Unterstützung noch lückenhaft ist. Wer regelmäßig kontaktlos zahlen möchte, sollte das vor dem Kauf für die eigene Bank gezielt prüfen.
Preis: Der eigentliche Trumpf
Zwischen 130 und 160 Euro UVP, je nach Region und Ausstattungsvariante, bewegt sich die Watch S4 deutlich unter Modellen wie der Apple Watch SE oder der Samsung Galaxy Watch FE, die beide bei über 200 Euro starten. Für dieses Geld attestieren mehrere Tests ein Ausstattungsniveau, das man in der Preisklasse selten findet – vor allem Display-Helligkeit und Akkulaufzeit stechen positiv heraus. Ein Test vergibt dafür explizit eine Editor’s-Choice-Auszeichnung als bestes Preis-Leistungs-Modell für Android-Nutzer ohne Xiaomi-Smartphone.
Interessant ist der Vergleich zur Vorgängerin Watch S3: Der Preis blieb trotz deutlich gesteigerter Display-Helligkeit und überarbeiteter Software identisch, was mehrere Tester als seltenes, positives Beispiel für ein Upgrade ohne Preisaufschlag hervorheben. Wer bereits eine Watch S3 besitzt, findet darin allerdings auch ein Argument gegen den Umstieg – die inhaltlichen Verbesserungen bleiben trotz allem eher graduell als revolutionär.
Unser Fazit
Ein günstiger, gut aussehender Fitness-Tracker mit Smartwatch-Optik – aber ohne volle Smartwatch-Tiefe.
Die Xiaomi Watch S4 ist ein Paradebeispiel dafür, wie viel Ausstattung sich inzwischen für kleines Geld realisieren lässt – austauschbare Lünette, helles Display und starker Akku überzeugen fast durchweg. Wer die Uhr aber als ernsthaftes Trainingswerkzeug einsetzen will, muss mit einem ungenauen Pulssensor bei hoher Intensität leben, und wer volle Smartwatch-Funktionalität erwartet, wird von fehlendem App-Store und eingeschränkter Nachrichtenfunktion ausgebremst. Als stylischer Alltagsbegleiter mit soliden Fitness-Basics ist sie dagegen kaum zu schlagen.
Wer zwischen Watch S4 und deutlich teureren Modellen wie der Apple Watch SE oder einer Garmin-Einstiegsuhr schwankt, sollte sich vor allem selbst ehrlich fragen, wie ambitioniert das eigene Training tatsächlich ist. Für gelegentliches Joggen, Krafttraining oder als Alltagsbegleiter mit Gesundheits-Basics reicht die Watch S4 locker – für strukturiertes Herzfrequenz-Training mit klaren Zielzonen lohnt sich der Blick auf ein teureres Modell mit zuverlässigerem Sensor.
Deine Erfahrung?
Reicht euch ein ungenauer Pulssensor bei lockerem Training, oder ist präzise Herzfrequenzmessung für euch ein Ausschlusskriterium? Und: Würdet ihr für austauschbare Lünetten und ein helleres Display auf einen App-Store verzichten?
