Suunto Race S im Test: Kleiner, günstiger, und trotzdem kaum Kompromisse
349 statt 449 US-Dollar, dazu ein um 28 Prozent leichteres Gehäuse als beim großen Suunto Race – und trotzdem soll kaum etwas fehlen. Ein bekannter Sportuhren-Tester bringt es auf den Punkt: Suunto habe „genau zugehört, was die Kunden wollen“. Fast jeder ausgewertete Test bestätigt diesen Eindruck, auch wenn sich die Akkuangaben zwischen den Redaktionen deutlich unterscheiden – ein Punkt, der einen genaueren Blick verdient.
Für diesen Artikel wurden 13 unabhängige Testberichte aus deutschen und internationalen Quellen ausgewertet.
Kurzfassung für Eilige
Die Suunto Race S packt ein helles AMOLED-Display, präzises Dual-Frequenz-GPS und kostenlose Offline-Karten in ein kompaktes, leichtes Gehäuse zu einem für die Ausstattung fairen Preis. Schwächer schneidet die Uhr bei der Herzfrequenzmessung während des Laufens sowie bei klassischen Smartwatch-Funktionen wie NFC-Bezahlung ab.
Design: Deutlich kompakter als der große Bruder
Mit 45 Millimetern Durchmesser und rund 60 bis 63 Gramm Gewicht (die Angaben schwanken leicht je nach Test und Armband) ist die Race S spürbar kleiner und leichter als die reguläre Suunto Race mit 49 Millimetern. Das Gehäuse besteht aus Edelstahl und Fiberglas-Verbundmaterial, verzichtet aber im Gegensatz zum großen Modell auf Saphirglas und setzt stattdessen auf Gorilla Glass – ein bewusster Kompromiss, um den Preis zu senken. Mehrere Tests loben das Ergebnis als „elegant“ und alltagstauglich, auch für schmalere Handgelenke geeignet, für die die große Race schlicht zu wuchtig wirkte. Das 22-mm-Armband lässt sich werkzeuglos wechseln, farblich stehen mehrere Varianten zur Wahl.
Bei rund 11,4 Millimetern Bauhöhe wirkt die Uhr laut mehreren Tests trotz robuster Sportausrichtung angenehm flach am Handgelenk, was gerade für alltägliches Tragen rund um die Uhr – inklusive Schlaftracking – als klarer Vorteil gegenüber wuchtigeren Outdoor-Uhren gewertet wird. Getestet wurde die Verarbeitung unter anderem bei Trailläufen, Mountainbike-Touren und im Alltag über mehrere Wochen, ohne dass Gehäuse oder Glas sichtbare Gebrauchsspuren zeigten.
Display: Helles AMOLED mit exzellenter Ablesbarkeit
Das 1,32-Zoll-AMOLED-Display mit 466 x 466 Pixeln und rund 1.000 Nits Spitzenhelligkeit wird in praktisch allen Tests als „hell und lebendig“ beschrieben, mit sehr guter Ablesbarkeit sowohl bei direktem Sonnenlicht als auch in Dunkelheit. Nutzer können zwischen permanentem Always-on-Modus mit automatischer Dimmung bei gesenktem Handgelenk und einer rein gestengesteuerten Aktivierung zur Akkuschonung wählen. Ein Test hebt besonders hervor, dass trotz intensiver Always-on-Nutzung über Monate hinweg keine Einbrennspuren aufgetreten seien.

Akku: Große Unterschiede zwischen den Testangaben
Hier zeigt sich einer der interessantesten Widersprüche in der Testlandschaft. Suunto selbst gibt bis zu 5 Tage im Alltagsmodus und bis zu 40 Stunden GPS-Tracking mit höchster Genauigkeit an, in einem Test sogar bis zu 120 Stunden im sparsameren GPS-Modus. In der Praxis kommen mehrere Tester mit aktivem Always-on-Display und rund einer Trainingsstunde täglich nur auf 3 bis 4 Tage – spürbar weniger als beim großen Race-Modell, das eine ganze Woche durchhält. Ein anderer Test wiederum bestätigt 5 bis 7 Tage im reinen Alltagsmodus ohne Training. Die ehrlichste Einordnung liefert ein Test, der die reinen GPS-Werte ohne Navigation als sehr genau und nah an der Herstellerangabe bestätigt, während die Always-on-Displaynutzung im Alltag der eigentliche Akkufresser ist. Immerhin lädt die Uhr schnell: Eine volle Ladung dauert rund zwei Stunden, 80 Prozent sind nach einer Stunde erreicht.
GPS & Sport: Starke Ortung, schwächelnde Pulsmessung beim Laufen
Das Dual-Frequenz-GNSS liefert laut mehreren Tests eine Genauigkeit auf Augenhöhe mit Garmin und Apple Watch, auch in schwierigen Umgebungen wie zwischen hohen Gebäuden oder unter dichtem Blätterdach. Bei Freiwasserschwimmen zeigt sich gegenüber der ursprünglichen Race eine „massive Verbesserung“, wenn auch laut einem Test noch nicht ganz auf Garmin-Niveau. Deutlich kritischer fällt die Bewertung der optischen Herzfrequenzmessung beim Laufen aus: Ein Test beschreibt die Werte als teils „wild nach oben oder unten abweichend“ im Vergleich zum Brustgurt, während dieselbe Sensorik beim Radfahren und Krafttraining zuverlässiger arbeitet. Über 95 Sportmodi, TrainingPeaks-Integration, VO2-Max-Schätzung und Wettkampfzeit-Prognosen runden das Sportpaket ab, dazu kommt die neue Climb-Guidance-Funktion für Anstiege bei Trailläufen. Einschränkend merken mehrere Tests an, dass sich pro Sportprofil nur zwei zusätzliche Datenfelder-Apps hinzufügen lassen und keine zwei Sensoren desselben Typs gleichzeitig gekoppelt werden können.
Gesundheit & Navigation: Kostenlose Offline-Karten als Pluspunkt
Schlafanalyse, HRV-Messung mit einer Genauigkeit von rund plus/minus 2 Millisekunden im Vergleich zu Referenzgeräten, Blutsauerstoffmessung und Menstruationszyklus-Tracking gehören zum Funktionsumfang. Ein besonderes Argument gegenüber Garmin: Offline-Karten mit 32 GB Speicher sind bei der Race S ohne Zusatzkosten enthalten, während vergleichbare Garmin-Modelle dafür oft ein Abo oder ein teureres Modell voraussetzen. Kritisiert wird an den Karten allerdings, dass sich Routen nicht neu berechnen lassen und die Darstellung beim starken Herauszoomen ruckelt.
Positiv fällt in mehreren Tests zudem die Kompatibilität mit spezialisierten Drittanbieter-Sensoren auf, etwa Laufkraftmessern wie STRYD, Körpertemperatursensoren oder smarten Sportbrillen. Ein Test hebt außerdem die handgelenksbasierte Leistungsberechnung positiv hervor, die ohne zusätzlichen Sensor auskommt und für Hobbysportler eine brauchbare Annäherung an teurere Powermeter-Lösungen liefert. Fehlende ANT+-Unterstützung bleibt aber ein Kritikpunkt für Nutzer, die bereits in ein entsprechendes Sensor-Ökosystem investiert haben.
Software & Preis: Fair kalkuliert, aber ohne Smartwatch-Extras
Die Suunto-App bringt einen KI-gestützten Coach, individuelle Trainingszonen und Trainingspläne mit, verbindet sich aber nur per Bluetooth – WLAN und NFC fehlen komplett. Mehrere Tests bemängeln entsprechend fehlende kontaktlose Bezahlfunktionen, keine lokale Musikspeicherung und eingeschränkte Smartwatch-Tiefe im Vergleich zu Apple oder Samsung. Preislich positioniert sich die Race S mit rund 260 bis 349 Euro beziehungsweise US-Dollar deutlich unter Garmins vergleichbarem Forerunner 265, bei ähnlichem oder teils größerem Funktionsumfang – ein Vergleich, den mehrere Tests explizit ziehen und als „erstaunlich“ gute Kalkulation bewerten.
Die überarbeitete Bedienoberfläche reagiert laut mehreren Tests spürbar flotter als bei früheren Suunto-Modellen, dazu kommen individuell anpassbare Zifferblätter direkt am Handgelenk und eine deutlich erweiterte Emoji-Auswahl für Nachrichtenreaktionen. Strukturierte Trainingseinheiten laufen über das sogenannte „Suunto Guide“-System, was ein Test als etwas umständlicher beschreibt als bei der direkten Konkurrenz, sich aber nach kurzer Eingewöhnung problemlos im Alltag nutzen lässt.
Unser Fazit
Kompakt, präzise beim GPS und fair kalkuliert – nur die Pulsmessung beim Laufen und fehlende Smartwatch-Extras bremsen.
Die Suunto Race S zeigt, dass ein kompakteres, günstigeres Modell nicht automatisch ein schlechteres Modell bedeuten muss. GPS-Genauigkeit, Display und die kostenlosen Offline-Karten überzeugen auf ganzer Linie, der Preis unterbietet die Konkurrenz spürbar. Wer aber intensiv mit präziser Herzfrequenzmessung beim Laufen arbeitet oder klassische Smartwatch-Funktionen wie NFC-Bezahlung erwartet, sollte die Einschränkungen genau abwägen – hier zeigt sich, wo Suunto den Preis eingespart hat.
Für alle, die ohnehin einen Brustgurt für ernsthaftes Training besitzen oder primär auf Navigation und GPS-Genauigkeit Wert legen, relativiert sich die Pulsmessungs-Schwäche fast vollständig – dann bleibt vor allem ein rundes, günstiges Gesamtpaket übrig, das der großen Konkurrenz in den wichtigsten Disziplinen kaum nachsteht.
Auch im direkten Vergleich mit der großen Suunto Race bleibt die S-Variante für die meisten Käufer die vernünftigere Wahl: Wer nicht zwingend Saphirglas oder die maximale Akkulaufzeit von einer Woche braucht, bekommt mit der Race S nahezu identische Kernfunktionen zu einem spürbar niedrigeren Preis und einem angenehmeren Tragegefühl am Handgelenk. Gegenüber Garmins Einsteiger- und Mittelklasse-Modellen bleibt vor allem die Kombination aus AMOLED-Display und kostenlosen Offline-Karten das schlagende Argument, das man dort meist erst in teureren Modellreihen findet.
Diskutiert mit
Würdet ihr für ein kompakteres Gehäuse und einen niedrigeren Preis auf eine Woche Akkulaufzeit verzichten? Und: Wie wichtig ist euch eine präzise Pulsmessung direkt am Handgelenk, oder greift ihr für ernsthaftes Training ohnehin zum Brustgurt?
