TicWatch Pro 5 Enduro im Test: Bis zu 45 Tage Akku – aber schon beim Kauf technisch veraltet
Ein Wear-OS-Uhr mit 45 Tagen Akkulaufzeit im Energiesparmodus klingt nach einer Sensation. Fast jeder Test bestätigt: Genau das liefert die TicWatch Pro 5 Enduro dank ihres cleveren Dual-Display-Systems tatsächlich. Der große Wermutstropfen liegt an anderer Stelle – die Uhr läuft bis heute auf Wear OS 3.5, obwohl die Version 4 schon lange vor dem Marktstart verfügbar war. Ein Tester bringt es drastisch auf den Punkt: „Diese Smartwatch ergibt einfach keinen Sinn.“
Für diesen Artikel wurden 12 unabhängige Testberichte aus deutschen und internationalen Fachmedien ausgewertet.
Auf einen Blick
Die TicWatch Pro 5 Enduro bietet dank Dual-Display-Technologie eine der besten Akkulaufzeiten unter allen Wear-OS-Smartwatches, dazu Saphirglas und solide Sport- und Gesundheitssensorik. Der große Bremsklotz ist die veraltete Software, die schon zum Marktstart hinter der Konkurrenz zurücklag und ohne klare Update-Perspektive bleibt.
Design: Robust, aber kaum verändert zum Vorgänger
Mit 50,15 x 48 x 11,95 Millimetern und einem Gehäuse aus 7000er-Aluminium bleibt die Enduro nur minimal schlanker als ihr Vorgängermodell – ein Test beschreibt den Unterschied als „verschwindend gering“. Neu ist eine Saphirglas-Scheibe anstelle von Gorilla Glass, die die Kratzfestigkeit spürbar verbessert, dazu kommen eine größere, griffigere Krone und eine glattere Seitentaste. Erhältlich ist die Uhr nur in einer Größe und einer Farbe (Obsidian) – für Nutzer, die eine kleinere Version oder mehr Farbauswahl suchen, fällt die Enduro damit von vornherein raus. Das strukturierte Armband soll laut Hersteller die Luftzirkulation beim Training verbessern, was in Tests positiv, aber nicht überragend bewertet wird.
Bei 45 Gramm Gewicht bleibt die Uhr auch für längeres Tragen angenehm, wenngleich das große 50-mm-Gehäuse für schmalere Handgelenke optisch dominant wirkt. Mehrere Tests loben die insgesamt hochwertige Verarbeitung, die trotz des überschaubaren Preises keinen Kunststoff-Charakter aufkommen lässt – ein Punkt, in dem sich Mobvoi klar von vielen günstigeren Konkurrenzmodellen abhebt.
Display: Das Dual-Display-System bleibt der Trumpf
Das Herzstück der Enduro ist unverändert das Dual-Display-Konzept: Ein 1,43-Zoll-AMOLED-Panel mit 466 x 466 Pixeln übernimmt die vollen Smartwatch-Funktionen, während ein zusätzliches, extrem stromsparendes monochromes LCD-Display darunterliegt und dauerhaft grundlegende Infos wie Uhrzeit, Schritte oder Herzfrequenz anzeigt. Genau diese Kombination ist laut mehreren Tests der Grund, warum die Uhr so viel länger durchhält als vergleichbare Wear-OS-Modelle mit reinem AMOLED-Display. Praktisch beim Sport: Die Hintergrundfarbe des Low-Power-Displays wechselt automatisch je nach aktueller Herzfrequenzzone, was mehrere Tester als cleveres, unterschätztes Feature hervorheben.

Akku: Einer der stärksten Werte im gesamten Wear-OS-Feld
Im Essential-Modus, bei dem nur das Low-Power-Display aktiv ist, erreicht die Enduro laut Hersteller bis zu 45 Tage Laufzeit, im normalen Smart-Modus mit vollem AMOLED-Zugriff bis zu 90 Stunden. In der Praxis kommen mehrere Tester bei gemischter Nutzung inklusive GPS-Workouts auf rund vier Tage, bevor ein Nachladen nötig wird – ein Wert, den kaum eine andere Wear-OS-Uhr mit vollwertigem AMOLED-Display erreicht. Der tägliche Akkuverbrauch liegt bei 20 bis 30 Prozent im gemischten Betrieb, mit durchgehend aktivem AMOLED-Display steigt er auf 45 bis 50 Prozent. Kritisiert wird in mehreren Tests das Fehlen von kabellosem Laden – ein Komfortfeature, das bei der Konkurrenz zunehmend Standard wird.
Sport & Gesundheit: Solide Sensorik, konsolidierte App
Beschleunigungsmesser, Gyroskop, Herzfrequenzsensor, SpO2-Sensor und ein Hauttemperatursensor bilden die Basis. Die überarbeitete TicHealth-App bündelt sämtliche Gesundheitsdaten direkt auf der Uhr, was in Tests als deutliche Verbesserung gegenüber früheren, fragmentierten Lösungen gewertet wird. Bei der GPS- und Herzfrequenzgenauigkeit zeigt sich die Enduro im direkten Vergleich mit einer Garmin Epix Pro erstaunlich nah dran – Abweichungen von nur 2 bis 4 Schlägen pro Minute werden in einem Test gemessen. Schlaf- und Blutsauerstoffwerte stimmen laut demselben Test gut mit Referenzgeräten wie Oura und Garmin überein. Kritisch merkt ein Tester an, dass tiefere Gesundheitsauswertungen teils hinter einem kostenpflichtigen Abo verborgen sind – ein Vorgehen, das er als unnötige Einschränkung empfindet.
Das niedrig auflösende Zusatzdisplay erweist sich beim Sport als praktischer Nebeneffekt der Dual-Display-Technik: Auch nach dem Ende einer AMOLED-Sitzung bleiben grundlegende Trainingsdaten wie aktuelle Herzfrequenz und verstrichene Zeit dauerhaft sichtbar, ohne dass der Nutzer extra das Handgelenk drehen und den Bildschirm aktivieren muss. Mehrere Tester bezeichnen das als unterschätzten Alltagsvorteil gegenüber reinen AMOLED-Konkurrenten, bei denen das Display nach kurzer Zeit komplett abschaltet.
Software: Der entscheidende Schwachpunkt
Hier liegt der zentrale Kritikpunkt praktisch aller ausgewerteten Tests: Die TicWatch Pro 5 Enduro läuft bis heute auf Wear OS 3.5, obwohl Wear OS 4 bereits seit August 2023 verfügbar war – also noch vor dem eigentlichen Marktstart der Enduro. Eine Beta von Wear OS 4 wurde zwar angekündigt, ein verbindlicher Zeitplan für ein finales Update fehlt jedoch weiterhin. Mehrere Tester werten das als besonders ärgerlich, weil die Hardware selbst – Snapdragon W5+ Gen 1, solide Sensorik, gutes Display – eigentlich deutlich mehr hergeben würde. Zusätzlich fehlt Unterstützung für iOS komplett, die Uhr funktioniert ausschließlich mit Android-Smartphones, und auch Mobilfunk-Konnektivität bietet sie nicht.
Ein Test bringt die Konsequenz auf den Punkt: Ohne verbindliche Update-Zusage müssen Käufer davon ausgehen, dass die Enduro über ihre gesamte Nutzungsdauer auf dem Software-Stand von 2023 verharrt, während Konkurrenten wie Samsung oder Google regelmäßig neue Wear-OS-Versionen mit Sicherheitsupdates und neuen Funktionen ausrollen. Für sicherheitsbewusste Käufer oder alle, die Wert auf ein aktuelles App-Ökosystem legen, ist das ein Ausschlusskriterium, das die ansonsten starke Hardware deutlich relativiert.
Preis: Kein Schnäppchen für eine veraltete Softwarebasis
Mit rund 349,99 US-Dollar beziehungsweise knapp 400 Euro bewegt sich die Enduro preislich auf Augenhöhe mit der Samsung Galaxy Watch 7 und aktuellen Google-Pixel-Watch-Modellen – Konkurrenten, die aber eine deutlich modernere Softwarebasis und klarere Update-Zusagen mitbringen. Gegenüber dem eigentlichen Vorgängermodell bedeutet das einen Aufpreis von rund 80 Euro, für den mehrere Tests zu wenig handfeste Neuerungen sehen.
Mehrere Tester erwarten zudem, dass der Preis im Laufe der Zeit fallen wird, wie es bei Mobvoi-Modellen in der Vergangenheit häufiger der Fall war. Wer ohnehin nicht sofort zuschlagen muss, könnte also mit etwas Geduld ein deutlich besseres Preis-Leistungs-Verhältnis erzielen, sofern sich an der Softwaresituation bis dahin nichts Grundlegendes ändert.
Unser Fazit
Rekord-Akku dank Dual-Display, aber eine Software, die schon beim Kauf hinterherhinkt.
Die TicWatch Pro 5 Enduro ist ein Paradebeispiel für eine Smartwatch mit hervorragender Hardware und enttäuschender Software-Unterstützung. Wer maximale Akkulaufzeit unter allen Wear-OS-Uhren sucht und mit einer inzwischen zwei Jahre alten Softwarebasis leben kann, bekommt hier tatsächlich Bestwerte. Wer dagegen Wert auf aktuelle Software, regelmäßige Updates und eine zukunftssichere Investition legt, sollte angesichts der ungeklärten Update-Situation eher zur Konkurrenz greifen – so gut die Akkulaufzeit auch sein mag.
Am Ende bleibt die Enduro ein Sonderfall: Für eine kleine, klar definierte Zielgruppe – Outdoor- und Ausdauersportler, denen Akkulaufzeit über alles geht – ist sie fast konkurrenzlos gut. Für alle anderen, die eine ausgewogene, zukunftssichere Smartwatch suchen, überwiegen die Softwarebedenken die beeindruckenden Hardware-Vorzüge.
Wer sich dennoch für die Enduro entscheidet, sollte das bewusst als Kompromiss verstehen: hervorragende Akkulaufzeit und solide Sensorik gegen eine Software, die schon am Tag des Kaufs nicht mehr aktuell war. Ob sich das lohnt, hängt am Ende davon ab, wie viel Wert die eigene Nutzung tatsächlich auf regelmäßige Systemupdates legt.
Was denkt ihr?
Ist euch maximale Akkulaufzeit wichtiger als eine aktuelle Softwarebasis, oder würdet ihr für Wear OS 4 oder 5 auf ein paar Tage Laufzeit verzichten? Und: Würdet ihr eine Smartwatch kaufen, deren Betriebssystem beim Marktstart schon veraltet ist?
