Samsung Galaxy Watch 9 im Test: Der größere Akku, der nichts bringt
Der Akku der kleinen Galaxy Watch 9 ist um ein Fünftel gewachsen. Die Laufzeit ist es nicht. Genau
an diesem Widerspruch entscheidet sich, ob Samsungs neue Standard-Smartwatch für dich die richtige
Uhr ist – denn sonst macht sie fast alles richtig. Wir haben 17 Testberichte, Praxis-Eindrücke und
Analysen aus dem deutschen und internationalen Raum ausgewertet, und das Bild ist erstaunlich
einheitlich: viel Lob, ein wunder Punkt.
Die Kurzfassung für Eilige
Die Galaxy Watch 9 ist eine der besten kompakten Android-Smartwatches, die man derzeit kaufen kann:
präzise Sensoren, ein sehr helles Display, ein spürbar schnellerer Qualcomm-Chip und fünf Jahre
Software-Updates. Bezahlen muss man dafür einen Aufpreis gegenüber dem Vorgänger – und die Bereitschaft, die Uhr faktisch jeden Tag ans Ladegerät zu legen.
Ein Gehäuse, das man vergisst
Am Design hat Samsung praktisch nichts verändert. Das „Squircle“-Prinzip, also ein rundes Display in
einem weich abgerundeten, fast rechteckigen Gehäuse, bleibt. Man erkennt eine Galaxy Watch weiterhin
auf zwei Meter Entfernung, und das ist in einem Markt voller austauschbarer schwarzer Kreise kein
Nachteil.
Interessanter ist, was das in der Praxis bedeutet. Die connect-Redaktion hat die 40-Millimeter-Version
inklusive Armband mit 45 Gramm gewogen, bei einer Bauhöhe von rund 8,6 Millimetern. Das ist wenig, und
mehrere Tester beschreiben unabhängig voneinander denselben Effekt: Nach ein paar Stunden nimmt man die Uhr am Handgelenk kaum noch wahr. Netzwelt hebt zusätzlich das überarbeitete Silikonarmband hervor und zählt die Watch 9 zu den bequemsten Smartwatches des Jahres. Wer schmale Handgelenke hat, bekommt hier eine der wenigen Flaggschiff-Uhren, die nicht wie ein Fremdkörper aussehen.
Der Preis dafür: Samsung setzt beim Standardmodell auf gebürstetes Aluminium statt Titan wie bei der
teureren Ultra 2. Das hält die Uhr leicht, macht sie aber anfälliger für Kratzer. Beim Wasserschutz
gilt IP68 und 5 ATM plus MIL-STD-810H – Duschen, Regen und Schwimmen sind kein Problem, Sprünge ins
Wasser und Sporttauchen bleiben der Ultra vorbehalten.
Ein kleines Display, das trotzdem alles kann
Die 40-Millimeter-Variante hat ein 1,3 Zoll großes OLED-Panel mit 438 x 438 Pixeln, das 44er-Modell
kommt auf 1,5 Zoll und 480 x 480 Pixel. Samsung gibt bis zu 3.000 Nits Spitzenhelligkeit an, im
connect-Testlabor waren es unter Messbedingungen etwa 2.000 Nits – immer noch ein sehr guter Wert, der
in der Praxis dafür sorgt, dass Trainingsdaten auch in praller Sonne lesbar bleiben.
Die Einschränkung ist eine Frage der Fläche, nicht der Qualität: Wer Nachrichten per Bildschirmtastatur
beantworten will, braucht beim kleinen Modell sehr spitze Finger. Für Benachrichtigungen, Widgets und
Trainingsanzeigen reicht der Platz problemlos.
Der Chipwechsel ist die eigentliche Neuerung
Samsung verabschiedet sich beim Standardmodell vom eigenen Exynos W1000 und setzt auf Qualcomms neuen Snapdragon Wear Elite, gefertigt im 3-Nanometer-Verfahren. Vorab durchgesickerte Geekbench-Werte sprachen von rund 56 Prozent mehr CPU- und knapp 47 Prozent mehr GPU-Leistung – solche Zahlen aus Vorserien-Boards sollte man mit Vorsicht genießen, Samsung selbst nennt konservativere Werte.
Im Alltag ist der Unterschied trotzdem messbar spürbar. Animationen laufen flüssig, Apps starten
schnell, und der Wechsel zwischen Navigation, Sportaufzeichnung und Sprachassistent bringt die Uhr
nicht mehr ins Stocken. Besonders auffällig ist das bei Gemini: Der Assistent lässt sich auf Wunsch
allein durch Anheben des Handgelenks starten, reagiert zügig und kann auch Einstellungen per Sprache
ändern. Gemini gab es schon auf der Watch 8 – neu ist nicht die Funktion, sondern dass sie sich nicht
mehr zäh anfühlt.
Der Rest der Ausstattung ist Vollprogramm: 2 GB RAM, 32 GB Speicher, Bluetooth 6.0, WLAN in beiden
Bändern, NFC, Dual-Band-GPS auf L1 und L5 sowie optional LTE per eSIM. Bezahlt wird wahlweise über
Samsung Wallet oder Google Wallet.
Gesundheit: starke Messwerte, fragwürdige Noten
Hier wird es spannend, weil sich die Tests nicht einig sind – und zwar auf eine Weise, die etwas über
den ganzen Wearable-Markt aussagt.
Bei den reinen Messungen ist das Urteil eindeutig positiv. connect verglich die optische Pulsmessung
mit einem Polar-Brustgurt und fand im Alltag wie im Training nur geringe Abweichungen, auch bei kurzen
Belastungsspitzen. Das Dual-Band-GPS zeichnete Lauf- und Radstrecken sauber auf, Schrittzähler und
Barometer arbeiteten zuverlässig, das Schlaftracking erkannte Dauer und nächtliche Wachphasen korrekt.
Netzwelt kommt bei den Gesundheitswerten zum gleichen Ergebnis.

Die Frage ist, was Samsung aus diesen Daten macht. Neu sind vier Auswertungen: „Vital-Werte“ bildet über
sieben Nächte eine persönliche Basislinie aus Puls, Herzfrequenzvariabilität, Atemfrequenz, Hauttemperatur
und Sauerstoffsättigung und meldet Abweichungen davon. Dazu kommen ein Heart-Health-Score, ein täglicher Cardio-Load-Wert für die Trainingsbelastung und der Fitness-Index, der Körperzusammensetzung, Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit auf einer Skala bis 100 einordnet – im Vergleich mit anderen Samsung-Nutzern derselben Altersgruppe.
Und genau hier gehen die Meinungen auseinander. Die Digital-Health-Redakteurin von Woman & Home nutzte die Uhr eine Woche lang und hält vor allem Vitals und Cardio Load für gelungen; sie konnte damit ihr
Training tatsächlich umstellen, weil ihr der Index zu viel Ausdauer und zu wenig Beweglichkeit
attestierte. Tech Advisor sieht im Fitness-Index das spannendste neue Feature überhaupt. Netzwelt
dagegen konnte mehrere Bewertungen schlicht nicht nachvollziehen – ausgerechnet die Beweglichkeit
wurde dort auf eine Weise eingestuft, die sich im Test nicht erklären ließ.
Unsere Lesart: Die Sensorik ist verlässlich, die daraus abgeleiteten Noten sind es noch nicht durchgängig.
Wer solche Scores als grobe Tendenz liest, hat Freude daran. Wer sie für eine Messung hält, wird sich
ärgern. Immerhin verlangt Samsung dafür kein Abo – ein Punkt, den the5krunner ausdrücklich als
Kampfansage an Whoop und ähnliche Anbieter mit Monatsgebühr wertet.
Ein alter Ärger bleibt: EKG und Blutdruckmessung funktionieren weiterhin nur zusammen mit einem
Samsung-Smartphone. Mit einem Pixel oder einem Xiaomi-Handy bleiben diese Funktionen gesperrt, obwohl die Hardware sie beherrscht.
Der Akku: der Punkt, an dem es kippt
Samsung hat den Akku der 40-Millimeter-Version von 325 auf 390 mAh vergrößert, ein Plus von rund 20
Prozent. Beim 44er blieb es bei einem kleinen Sprung auf 445 mAh. Die offizielle Angabe für die
Laufzeit mit aktiviertem Always-on-Display liegt trotzdem weiterhin bei bis zu 30 Stunden, ohne
Always-on bei bis zu 40 Stunden. Das mehr an Kapazität ist also von vornherein als Reserve gedacht,
nicht als längere Laufzeit.
In der Praxis fällt das Ergebnis ernüchternd aus. connect maß im Alltagstest im smarten Modus ohne
Sport rund 35 Stunden, also nicht einmal anderthalb Tage; mit aktivem GPS waren 8:20 Stunden
Sportaufzeichnung drin. Netzwelt kommt auf etwas mehr als einen Tag. Der Tester von PC-WELT beschreibt
es am praktischsten: Im besten Fall reichte es für gut einen Tag, wer aber früh am Morgen loswollte,
lud sicherheitshalber über Nacht.
Uneinigkeit gibt es darüber, ob die Watch 9 damit sogar schlechter dasteht als ihr Vorgänger. In
deutschen Foren wird ein Test zitiert, nach dem die Laufzeit trotz größerem Akku unter der der Watch 8
liegt – die Erklärung wäre der höher taktende Snapdragon. Gegenargument aus derselben Diskussion: Neue
Wear-OS-Uhren verbrauchen in den ersten Ladezyklen erfahrungsgemäß deutlich mehr, weil das System sich
erst auf das Nutzungsverhalten einstellt. Woman & Home wiederum ordnet die 40 Stunden ohne Always-on
als branchenüblich ein und verweist auf Apple Watch und Pixel Watch, die ähnlich kurz durchhalten.
Was davon bleibt: Die Laufzeit ist bestenfalls Mittelmaß, und sie kollidiert mit dem, was Samsung
selbst bewirbt. Eine Uhr, die nachts Vitalwerte sammeln und tagsüber Sport aufzeichnen soll, muss
zwischendurch fest eingeplant ans Ladepad. Wenn dein Handgelenk es zulässt, ist die 44-Millimeter-
Version deshalb die vernünftigere Wahl – zu diesem Schluss kommt auch connect am Ende des Tests.
Preis, Support und Konkurrenz
Samsung hat die Preise erhöht. Die 40-Millimeter-Version startet in Deutschland bei 409 Euro
(Bluetooth) beziehungsweise 459 Euro (LTE), das 44er-Modell beginnt bei 439 Euro. In den USA sind es
379 statt zuvor 349 Dollar. Das ist etwa ein Zehntel mehr als beim Vorgänger, und es trifft
ausgerechnet die kleine Variante, die bisher das Preisargument auf ihrer Seite hatte. Zum Vergleich:
Googles Pixel Watch 4 in 41 Millimetern kostet 399 Euro. Ein Classic-Modell mit drehbarer Lünette hat
Samsung dieses Jahr nicht vorgestellt. (Alle Preise: Stand Anfang August 2026.)
Dafür gibt es ein Argument, das in den meisten Kurztests untergeht: Die Watch 9 startet mit Wear OS 7
und One UI 9 Watch und bekommt laut Samsung fünf große Betriebssystem-Updates plus fünf Jahre
Sicherheits-Patches, also Support bis 2031. Das ist eine Generation mehr als bei allen bisherigen
Galaxy Watches und deutlich mehr als die drei Jahre der Pixel-Watch-Reihe. Wer eine Smartwatch lange
tragen will, sollte diesen Punkt gegen den Aufpreis gegenüber einer rabattierten Watch 8 rechnen.
Unser Fazit
Die Galaxy Watch 9 ist ein sehr gutes Gerät mit einer schlecht gewählten Prioritätenliste. Samsung hat
in dieser Generation den Chip getauscht, die Software-Zusagen verlängert und vier neue
Gesundheitsauswertungen eingebaut – und ausgerechnet das Problem nicht gelöst, das Galaxy Watches seit
Jahren begleitet. Der größere Akku hätte die Gelegenheit dazu geboten; stattdessen frisst der schnellere
Prozessor den Zugewinn auf.
Wer von einer Watch 6 oder älter kommt, macht trotzdem wenig falsch: Tempo, Display und Messgenauigkeit sind auf einem Niveau, das im Android-Lager schwer zu schlagen ist, und der lange Update-Zeitraum rechtfertigt den Preis über die Nutzungsdauer. Wer eine Watch 7 oder 8 trägt, hat keinen zwingenden Grund zu wechseln – die neuen Auswertungen sind interessant, aber nicht so belastbar, dass sie ein Upgrade tragen. Und wer als wichtigstes Kriterium eine Uhr sucht, die drei oder vier Tage ohne
Steckdose auskommt, ist bei Samsung schlicht falsch.
Ein Hinweis in eigener Sache: Ein Teil der ausgewerteten Berichte sind Praxistests nach wenigen Tagen.
Ob sich der Akkuverbrauch nach mehreren Ladezyklen einpendelt und ob der Fitness-Index über Wochen
plausibler wird, lässt sich seriös erst in einigen Monaten sagen.
Wie seht ihr das?
Ist eine Laufzeit von rund anderthalb Tagen für euch ein Ausschlusskriterium – oder habt ihr das
tägliche Laden längst zur Routine gemacht wie beim Smartphone? Und was haltet ihr von
Fitness-Scores, die euch mit anderen Nutzern vergleichen: hilfreiche Einordnung oder Zahlenspielerei?
Schreibt es in die Kommentare.
