Xiaomi Watch S5 im Test: Warum diese 180-Euro-Uhr die teure Konkurrenz nervös macht

Alle paar Monate taucht ein Gerät auf, bei dem sich die Tester auffällig einig sind – und die Xiaomi Watch S5 ist so ein Fall. Kaum eine Redaktion, die nicht irgendwann den Satz fallen lässt, dass diese Uhr eigentlich zu gut für ihren Preis ist. Wir haben elf deutsche und internationale Testberichte durchgearbeitet und schauen uns an, was hinter dem Lob steckt, wo die Uhr wirklich glänzt und an welchen Stellen Xiaomi spürbar gespart hat.

Denn so viel vorweg: Die Watch S5 ist kein makelloses Gerät. Sie ist ein sehr bewusst kalkuliertes – und genau das macht sie interessant.

Erst mal das Wichtigste in Kürze

Für alle, die es eilig haben, hier die Kernpunkte aus den Tests, bevor wir ins Detail gehen. Die Watch S5 kostet ab 179,99 Euro, läuft mit Xiaomis eigenem HyperOS 3 statt mit Googles WearOS, hält im Alltag deutlich über eine Woche durch und bringt ein Edelstahlgehäuse mit, das man in dieser Preisklasse so kaum erwartet. Der Haken sitzt in der Software – dazu später mehr.

Design: teurer, als der Preis vermuten lässt

Fangen wir mit dem an, worüber sich praktisch alle Tester einig sind. Das runde 46-Millimeter-Gehäuse besteht aus 316L-Edelstahl, kombiniert matte Flächen mit polierten Kanten und wird von einer Lünette aus geschmiedetem Carbon eingefasst, die je nach Lichteinfall ein eigenes Muster zeigt. In den Tests fällt immer wieder das Wort „erwachsen“ – und das trifft es ganz gut. Wo frühere Xiaomi-Wearables schnell nach Fitness-Tracker mit großem Display aussahen, wirkt die S5 wie eine klassische Armbanduhr, die zufällig auch smart ist.

Mit rund 46 Gramm ohne Armband und einer Bauhöhe von knapp elf Millimetern bleibt sie trotz des großen Akkus angenehm flach. Zum Vergleich, den mehrere Outdoor-Tester ziehen: Eine Apple Watch Ultra bringt bei 49 Millimetern rund 95 Gramm auf die Waage – fast das Doppelte.

Einen Kritikpunkt gibt es aber, und der taucht in mehreren Tests auf: Xiaomi verbaut nur Mineralglas, kein kratzfestes Saphirglas, und zwar auch nicht gegen Aufpreis. Wer die Uhr im Gelände, beim Klettersteig oder bei der Gartenarbeit trägt, sollte das im Hinterkopf behalten. Ein weiterer Abschied betrifft Fans der Vorgänger: Die austauschbare Lünette der älteren S-Modelle ist weggefallen.

Display: hier hat Xiaomi geklotzt, nicht gekleckert

Das 1,48 Zoll große AMOLED-Display löst mit 480 × 480 Pixeln auf (323 ppi) und erreicht eine Spitzenhelligkeit von bis zu 2.500 Nits. Diese Zahl ist deshalb bemerkenswert, weil sie in mehreren Tests sogar über der teureren Schwester Watch 5 liegt, die es „nur“ auf 1.500 Nits bringt. In der Praxis heißt das: Selbst bei praller Mittagssonne, auf dem Rad oder beim Laufen bleibt der Bildschirm ablesbar. Das ist genau der Punkt, an dem viele günstigere Smartwatches scheitern, und die S5 macht es richtig.

Akku: die eigentliche Paradedisziplin

Wenn es einen Bereich gibt, in dem die Watch S5 in den Tests durchweg abräumt, dann ist es die Laufzeit. Im Inneren steckt ein 815-mAh-Akku – fast doppelt so viel wie die 486 mAh des Vorgängers S4. Xiaomi wirbt mit bis zu 21 Tagen bei leichter Nutzung, aber interessanter sind die realen Alltagswerte der Tester, und die gehen etwas auseinander: connect kam mit durchgehender Gesundheitsmessung, Benachrichtigungen und Schlaftracking auf rund 9 Tage, andere Redaktionen berichten von 14 bis 16 Tagen im normalen Alltag. Der Unterschied erklärt sich vor allem durch das Always-on-Display, das die Laufzeit spürbar drückt.

Selbst der konservativste gemessene Wert schlägt die meisten WearOS- und Apple-Watch-Konkurrenten aber um ein Vielfaches – die kämpfen sich oft von Tag zu Tag. Wer die Uhr durchgehend mit GPS beim Sport nutzt, kommt auf etwa 12,5 Stunden am Stück, was für die allermeisten Trainingseinheiten locker reicht und erst bei mehrtägigen Touren mit lückenloser Aufzeichnung zum Thema wird.

Ein kleiner Dämpfer bleibt beim Laden: Kabelloses Qi-Laden gibt es nicht, geladen wird über ein magnetisches Pad mit zwei Kontaktpins. In dieser Preisklasse verschmerzbar, aber man sollte das spezielle Ladekabel nicht auf Reisen vergessen.

Gesundheit und Sport: großer Fortschritt, mit einem Sternchen

Smartwatch am Handgelenk zeigt Herzfrequenzmessung mit Puls-Diagramm

Hier wird es spannend, weil die Tests sich an einer Stelle uneinig sind. Xiaomi hat die Sensorik auf der Rückseite überarbeitet – vier LEDs und vier Fotodioden sollen Puls und Sauerstoffsättigung genauer erfassen als beim Vorgänger. Die meisten Tester bestätigen das: Im Alltag, beim Ruhepuls und beim Schlaftracking liefert die Uhr verlässliche Werte. Beim Schlaf lagen die Messungen in einem Test sogar nah an denen des Oura Rings, der als Referenz gilt. Eine Redaktion nennt eine Herzfrequenz-Genauigkeit von 98,4 Prozent.

Aber – und dieses Aber ist wichtig – Netzwelt hat die Pulsmessung mit einem Polar-Brustgurt gegengeprüft und kam zu einem deutlich kritischeren Ergebnis: Der Ruhepuls stimmte, aber Pulsspitzen erkannte die Uhr teilweise nicht richtig, beim Sport zeigte sie zeitweise bis zu 40 Schläge pro Minute zu wenig an. Das ist ein erheblicher Unterschied, und er zeigt, warum man sich nie nur auf einen einzelnen Test verlassen sollte. Unsere Einordnung dazu steht im Fazit.

Neu und in den Tests durchweg gelobt: Die S5 ist die erste Xiaomi-Smartwatch mit HRV-Messung (Herzfrequenzvariabilität), sie bietet über 150 Sportmodi, einen eigenen Fahrradcomputer-Modus mit FTP-Messung und Dual-Band-GNSS mit fünf Satellitensystemen. Gerade das GPS wird häufig hervorgehoben – selbst in dichten Wäldern und zwischen Hochhäusern zeichneten mehrere Tester präzise Strecken auf. Wer navigieren will, kann inzwischen sogar Offline-Karten auf die Uhr laden.

Die große Schwäche: HyperOS statt WearOS

Kommen wir zum Punkt, an dem sich die Geister scheiden und an dem jeder Käufer für sich eine Entscheidung treffen muss. Die Watch S5 läuft nicht mit Googles WearOS, sondern mit Xiaomis geschlossenem HyperOS 3. Das ist der Grund für die tolle Akkulaufzeit – das System ist schlank und effizient. Es ist aber auch der Grund für die größte Einschränkung: Es gibt keinen App-Store. Spotify, Google Maps, WhatsApp als eigenständige App? Fehlanzeige. Was vorinstalliert ist (Wetter, Offline-Karten, Musiksteuerung, Kalender), deckt die Basics ab, mehr geht nicht.

Dazu kommt: Ein Sprachassistent fehlt komplett. Auf Nachrichten kann man reagieren, aber nicht antworten – weder per Tastatur noch per Sprache noch mit vorgefertigten Schnellantworten. Gerade Letzteres gehört bei der Konkurrenz eigentlich zum Standard. Mehrere Tester ziehen den direkten Vergleich zur OnePlus Watch 4, die auf WearOS setzt: Die kann mehr Apps, hat die Antwortfunktion und einfachere NFC-Zahlung – zahlt das aber mit deutlich kürzerer Akkulaufzeit. Es ist am Ende ein klassischer Tausch: Ausdauer gegen Flexibilität.

NFC für kontaktloses Bezahlen ist übrigens an Bord (Visa und Mastercard), die Auswahl unterstützter Banken bleibt aber überschaubar.

Was kostet die Uhr – und was bekommt man dafür?

Der Einstiegspreis liegt bei 179,99 Euro für die Varianten mit Fluorkautschuk-Armband (Schwarz, Silber), die schickeren Ausführungen mit Leder- oder Nylonband (Keramik-Blau, Dschungel-Grün) kosten 199,99 Euro. Zum Marktstart war die Uhr teilweise schon für unter 150 Euro zu haben. Zum Vergleich: Die WearOS-Schwester Watch 5 startet bei 299,99 Euro – man spart also grob 120 Euro und bekommt dafür mehr Akku, aber weniger smarte Freiheit.

Unser Fazit

Die Xiaomi Watch S5 ist eine dieser seltenen Uhren, bei denen man ehrlich sagen kann: Für den Preis macht ihr kaum jemand etwas vor. Das Design fühlt sich hochwertig an, das Display gehört zum Hellsten, was man in dieser Klasse bekommt, und die Akkulaufzeit ist schlicht eine andere Liga als bei den meisten WearOS- und Apple-Konkurrenten. Wer eine Uhr sucht, die man auflegt, ein paar Wochen vergisst und die dabei zuverlässig Schritte, Schlaf und Sport mitschreibt, liegt hier goldrichtig.

Zwei Dinge muss man aber ehrlich benennen. Erstens die Software: HyperOS ist schnell und effizient, aber es ist eine Sackgasse, wenn man ein lebendiges App-Ökosystem oder komfortable Nachrichtenfunktionen erwartet. Das ist kein Bug, sondern eine bewusste Design-Entscheidung – man sollte nur wissen, worauf man sich einlässt. Zweitens die Pulsmessung: Der Widerspruch zwischen den Tests (mal 98 Prozent Genauigkeit, mal 40 Schläge daneben beim Sport) zeigt, dass die S5 für ambitioniertes Intervalltraining nicht die erste Wahl ist. Für Alltag, Schlaf und moderaten Sport reicht sie, für ernsthafte Leistungsdiagnostik greift man besser zu Garmin oder einem Brustgurt.

Unterm Strich ist die Watch S5 kein Alleskönner, sondern ein sehr guter Spezialist: schön, ausdauernd, hell – und ehrlich in dem, was sie nicht kann.

netzfazit-Bewertung: 8,2 / 10

netzfazit-Bewertung
Xiaomi Watch S5
8,2
von 10
Design & Verarbeitung9/10
Display9/10
Akkulaufzeit10/10
Gesundheit & Sport7/10
Software (HyperOS)6/10
Preis-Leistung9/10
Redaktionelle Einschätzung auf Basis von 11 ausgewerteten Tests. netzfazit testet nicht selbst, sondern gewichtet und bündelt die Ergebnisse der Fachpresse.

Wie seht ihr das?

Jetzt sind wir neugierig auf eure Meinung. Ist euch eine wochenlange Akkulaufzeit wichtiger als ein voller App-Store – oder wäre das fehlende WearOS für euch ein Dealbreaker? Und falls ihr die Watch S5 selbst schon am Handgelenk hattet: Deckt sich eure Erfahrung mit der Pulsmessung mit unseren Testquellen, oder habt ihr ganz andere Werte gesehen? Schreibt es in die Kommentare – wir lesen mit und sind gespannt auf eure Einschätzungen.

Quellenangaben

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