Samsung Galaxy Z Fold 8 im Test: Warum das billigere Modell dem Ultra die Show stiehlt
Acht Generationen lang war die Sache klar: Wer das beste Falt-Smartphone von Samsung wollte, kaufte das teuerste. In diesem Jahr passiert etwas Merkwürdiges. Samsung hat die Fold-Reihe aufgeteilt – in ein großes Ultra-Modell und ein 200 Euro günstigeres Basismodell mit völlig neuem Format. Und beim Lesen der Testberichte fällt auf, dass auffällig viele Redaktionen genau das billigere Gerät zum interessanteren erklären.
Wir haben 19 deutsche, schweizerische und internationale Tests durchgearbeitet. Das Ergebnis ist ein Gerät, das in einem Punkt fast jeden überzeugt – und in einem anderen fast jeden ärgert.
Das Wichtigste in Kürze
Das Galaxy Z Fold 8 ist so breit und kurz wie ein Reisepass, wiegt 201 Gramm und hat innen ein 7,6-Zoll-Display im 4:3-Format. Es startet in Deutschland bei 1.999 Euro und ist ab Anfang August im Handel. Der große Haken: Es gibt keine Telekamera mehr, keinen S Pen und keinen Staubschutz.
Der neue Formfaktor: kurz, breit, überraschend gut
Fangen wir mit dem an, was diesen Test überhaupt spannend macht. Samsung hat das lange, schmale Format der bisherigen Folds über Bord geworfen. Zusammengeklappt misst das Fold 8 laut Netzwelt 81,9 × 123,9 × 9,7 Millimeter und setzt beim 5,5-Zoll-Außendisplay auf ein Seitenverhältnis von 10:16 – also breiter als hoch gedacht, statt in die Länge gezogen.
Netzwelt zieht dafür eine Parallele, die man in dieser Form selten liest: Zwischen 2012 und 2014 haben LG und BlackBerry mit fast quadratischen Handys experimentiert und sind damit gescheitert. Jetzt versucht es Samsung erneut – und diesmal funktioniert es offenbar.
Warum? Weil sich das Nutzungsverhalten geändert hat. Hochkant-Videos auf TikTok, Instagram und YouTube passen deutlich besser auf ein breites Außendisplay. Und aufgeklappt sorgt das 4:3-Format dafür, dass die schwarzen Balken beim Filmeschauen schmaler ausfallen als beim größeren Fold 8 Ultra mit seinem 8-Zoll-Panel. Engadget bringt es auf den Punkt: Als reines Gerät zum Konsumieren von Inhalten sei das Basismodell dem Ultra schlicht überlegen. Für echtes Multitasking mit zwei vollwertigen App-Fenstern bleibt das Ultra dagegen die bessere Wahl.
Mit 201 Gramm ist das Fold 8 nach Angaben von Tom’s Guide das leichteste Book-Style-Foldable der Welt. Mehrere Tester beschreiben unabhängig voneinander denselben Moment: Sie waren vom Format überzeugt, sobald sie das Gerät einmal in der Hand hatten. Dominic Preston von The Verge erzählte im Vergecast, dass er als ausgesprochener Skeptiker zum Hands-on-Termin gekommen sei – und nach zwei Minuten seine Meinung geändert habe.
Display: heller, matter – und die Sache mit der Falte
Das Innendisplay misst 7,6 Zoll, erreicht 3.000 Nits Spitzenhelligkeit und hat eine neue entspiegelnde Beschichtung. Genau die wird in den Tests fast noch häufiger gelobt als die Falte, weil sie draußen einen sichtbaren Unterschied macht. Tom’s Guide nennt sie den eigentlich wichtigeren Fortschritt gegenüber dem Fold 7.
Und dann ist da die Knickfalte, um die Samsung im Vorfeld viel Marketing betrieben hat. Die Technik heißt „Flex Titanium“: eine Titanlegierungs-Folie kombiniert mit einer mikroperforierten Titanplatte, damit der Displaystapel praktisch ohne Luftspalt aufliegt.
Hier gehen die Tests auseinander, und zwar deutlich. Netzwelt schreibt, es sei praktisch keine Falte mehr erkennbar. Trusted Reviews beschreibt sie als frontal kaum sichtbar, nur im schrägen Blickwinkel noch erahnbar. The Verge geht noch weiter und nennt die Falte ein Nicht-Thema.
Dem widerspricht ein Nachtest von Tom’s Guide, und das ziemlich unmissverständlich: In den ersten 36 Stunden sah das Display makellos aus – nach sieben Tagen täglicher Nutzung war die Falte wieder sichtbar, dokumentiert mit Fotos. Die Einordnung des Autors: Das sei kein Defekt, sondern schlicht Physik, und er habe dasselbe bei jedem Foldable beobachtet.
Wer also mit der Erwartung „faltenfrei für immer“ kauft, sollte die Erwartung um eine Stufe herunterdrehen. Der Fortschritt ist real, die Werbeaussage nicht.

Leistung und Akku: viel Dampf, verwirrende Laufzeiten
Im Inneren steckt der Snapdragon 8 Elite Gen 5 for Galaxy mit 12 oder 16 GB RAM und 256 GB bis 1 TB Speicher – dieselbe Basis wie im Fold 8 Ultra. In den Geekbench-Messungen von Tom’s Guide liegt das Fold 8 im Multicore-Bereich vor dem iPhone 17 Pro Max und nur knapp hinter dem Galaxy S26 Ultra. Ausgeliefert wird ab Werk mit Android 17 und One UI 9, Samsung verspricht sieben Jahre Updates – also Versorgung bis 2033.
Der Akku ist mit 4.800 mAh gegenüber den 4.400 mAh des Fold 7 gewachsen, ohne dass das Gerät dicker geworden wäre. Möglich macht das eine Silizium-Carbon-Zelle, die Samsung hier erstmals in einem Handy einsetzt. Geladen wird mit 45 statt bisher 25 Watt, kabellos mit 20 statt 15 Watt. In 30 Minuten waren bei Tom’s Guide 70 Prozent im Akku.
Bei den Laufzeiten muss man allerdings genau hinschauen, weil die Zahlen auf den ersten Blick nicht zusammenpassen: Tom’s Guide misst 12 Stunden und 19 Minuten beim Surfen über 5G, CNN Underscored kommt auf knapp 22 Stunden 4K-Videowiedergabe, Engadget auf über 28 Stunden – allerdings über das kleine Außendisplay. Das sind keine Widersprüche, sondern schlicht drei völlig verschiedene Testszenarien. Praktisch bedeutet das: Das Fold 8 kommt bei gemischter Nutzung gut über den Tag, ist aber kein Ausdauerwunder. Sowohl das Fold 8 Ultra als auch das Motorola Razr Fold hielten in denselben Tests länger durch.
Ein Detail, das mehrere Redaktionen stört: Magnete für Qi2-Zubehör hat Samsung wieder nicht eingebaut. Wer magnetisch laden will, braucht eine passende Hülle.
Kamera und Lücken: hier wird gespart, und man merkt es
Jetzt zum unangenehmen Teil. Das Fold 8 hat nur noch zwei Kameras auf der Rückseite: 50 Megapixel Hauptkamera und 50 Megapixel Ultraweitwinkel. Kein Teleobjektiv. Das Ultra bekommt dagegen einen 200-MP-Hauptsensor und ein 3-fach-Tele.
Die Bildqualität an sich ist unstrittig ordentlich – Tom’s Guide lobt Dynamikumfang und Farben, das neue 50-MP-Ultraweitwinkel ist ein klarer Fortschritt gegenüber den 12 MP des Vorgängers. Aber beim Zoom ist Schluss. Der 10-fach-Digitalzoom lieferte im Vergleich sichtbar unschärfere Ergebnisse als das optische Tele der Konkurrenz. Engadget formuliert die naheliegende Kritik: Wenn schon kein Tele, dann hätte Samsung wenigstens den 200-MP-Sensor des Ultra einbauen können, um Spielraum zum Zuschneiden zu lassen.
Dazu kommen drei weitere Streichungen, die je nach Nutzertyp harmlos oder ein Ausschlusskriterium sind:
Kein S Pen. Wer auf dem großen Display Notizen machen oder zeichnen will, muss zum Ultra greifen. Kein Flex-Modus. Das Scharnier des Fold 8 hält nicht mehr im 90-Grad-Winkel – das halb aufgeklappte Aufstellen für Videocalls oder YouTube fällt weg. Engadget schlägt als Behelf vor, das Gerät umgedreht wie ein Zelt aufzustellen. Kein IP68. Es bleibt bei IP48: wasserdicht, aber nicht staubdicht. Bei einem Gerät für 1.999 Euro ist das schwer zu vermitteln, zumal Google Pixel 10 Pro Fold und Motorola Razr Fold hier weiter sind. Ein Samsung-Manager erklärte gegenüber Tom’s Guide, man orientiere sich nicht an Zertifizierungszahlen, sondern an realen Szenarien – worauf der Tester trocken anmerkte, Sand und Staub seien ziemlich real.
Und noch ein Punkt, der Zeit braucht: Viele große Apps sind für das breite Format schlicht noch nicht optimiert. Gmail, TikTok und Spotify nutzen die Fläche gut, Slack, Reddit und X wirken dagegen wie in die Breite gezogene Handy-Ansichten.
Der Preis
1.999 Euro für 256 GB, 2.199 Euro für 512 GB, 2.599 Euro für 1 TB – so die Preise laut Techbook. Das Fold 8 Ultra startet bei 2.199 Euro. Die früher übliche kostenlose Speicherverdopplung für Vorbesteller entfällt.
Immerhin: Es ist das erste Fold seit Jahren, das unter der 2.000-Euro-Marke startet. Netzwelt hält das trotzdem für zu viel und argumentiert, ein Einstiegspreis von 1.699 Euro hätte besser zur jüngeren, content-orientierten Zielgruppe gepasst, die Samsung mit diesem Format ansprechen will. Dem Markt scheint das egal zu sein: Laut PhoneArena verzeichnet die Fold-8-Reihe mehr Vorbestellungen als die Galaxy-S26-Serie.
Unser Fazit
Das Galaxy Z Fold 8 ist der interessanteste Fold seit dem ersten. Nicht weil es technisch das Maximum wäre – das ist es ausdrücklich nicht –, sondern weil Samsung nach sieben Generationen Feintuning endlich die Grundfrage neu gestellt hat: Welche Form braucht ein Falthandy eigentlich? Die Antwort im Reisepass-Format überzeugt in nahezu jedem Test, oft gegen den erklärten Vorbehalt der Tester.
Zwei Dinge muss man aber klar benennen. Erstens die Kamera: Wer regelmäßig zoomt, ist mit diesem Gerät falsch beraten. Kein Tele in einem 2.000-Euro-Smartphone ist 2026 eine Ansage, und sie geht in die falsche Richtung. Zweitens die Falte: Der Fortschritt ist echt, die „faltenfrei“-Erzählung ist es nicht – dafür sorgt der Nachtest von Tom’s Guide nach einer Woche.
Wer eine Uhr an der Wand hat und Handys nach Datenblättern kauft, wird beim Fold 8 stutzen: weniger Kameras, weniger Funktionen, mehr Verzicht als beim Vorgänger. Wer dagegen ein Gerät sucht, das man ständig in der Hosentasche hat, oft aufklappt und hauptsächlich zum Lesen, Schauen und Spielen benutzt, bekommt hier das derzeit stimmigste Foldable am Markt. Es ist kein Alleskönner. Es ist ein sehr durchdachtes Gerät für einen sehr konkreten Nutzertyp – und ehrlicherweise ein teures.
Wie seht ihr das?
Uns interessiert eure Perspektive. Wäre euch ein Handy im Reisepass-Format lieber als das klassische lange Format – oder haltet ihr das für eine Modeerscheinung, die wie damals beim BlackBerry Passport wieder verschwindet? Und die zweite Frage, an der sich vermutlich die Geister scheiden: Ist eine fehlende Telekamera bei 1.999 Euro für euch ein echtes Ausschlusskriterium, oder zoomt ihr am Handy ohnehin kaum? Schreibt es in die Kommentare – wir lesen mit.
