INIU 20.000 mAh (22,5W) im Test: Günstig, aber wie ehrlich ist die Kapazitätsangabe?
18.248 mAh im besten Fall, sagt der eine Test. Rund 70 Prozent der versprochenen Kapazität, also etwa 14.000 mAh, sagt ein anderer. Und ein dritter Test bemängelt schlicht, dass die Powerbank bei höherer Last mehrfach die Leistung drosselt, ohne eine konkrete Zahl zu nennen. Alle drei sprechen von derselben INIU-Powerbank mit 20.000 mAh und 22,5 Watt. Das ist kein Vertrauensbruch, sondern typisch für Budget-Powerbanks: Kapazitätsmessungen hängen stark von Methode, Umgebungstemperatur und Ladeprofil ab. Trotzdem lohnt sich der Blick auf diese Spannbreite, denn sie zeigt genauer als jede einzelne Zahl, was man von einer 20-Euro-Powerbank realistisch erwarten kann.
Die Kurzfassung für Eilige: Die INIU 20.000 mAh (22,5W) ist eine solide, sehr günstige Powerbank für Smartphones und Tablets, die im Zwei- oder Drei-Geräte-Alltag zuverlässig funktioniert, aber keine Laptops laden kann. Bei der tatsächlich nutzbaren Kapazität gehen die Testergebnisse spürbar auseinander, und unter höherer Last berichten Tests von Leistungsdrosselung. Wer eine ehrliche Basis-Powerbank ohne Schnickschnack für unter 30 Euro sucht, bekommt hier trotzdem ein rundes Gesamtpaket.
Verarbeitung: viel Kunststoff, wenig Prunk
INIU setzt bei der BI-B5, wie das Modell intern heißt und je nach Markt auch unter anderen Bezeichnungen wie P512 verkauft wird, auf ein komplett aus Kunststoff gefertigtes Gehäuse. Der überwiegende Teil ist leicht gummiert und liegt dadurch angenehm in der Hand, auf der Oberseite sitzt ein einfaches Display, das ausschließlich den aktuellen Ladestand in Prozent anzeigt, mehr nicht. Mit rund 134 mal 70 mal 26 Millimetern und einem Gewicht zwischen 340 und 350 Gramm ist die Powerbank für ihre Kapazitätsklasse überdurchschnittlich leicht und angenehm kompakt, auch wenn TechRadar sie im direkten Handling trotzdem als spürbar dick empfindet. Ein Kritikpunkt, der in mehreren Tests auftaucht: Die Soft-Touch-Beschichtung sieht gut aus, zieht aber schnell Fingerabdrücke und Flecken an, ein bei diesem Beschichtungstyp bekanntes Problem, das man beim Kauf realistisch einkalkulieren sollte.

22,5 Watt: genug fürs Handy, zu wenig fürs Notebook
Die Ausstattung ist bewusst schlank gehalten: ein USB-C-Port, der sowohl als Eingang wie auch als Ausgang mit bis zu 20 Watt über Power Delivery 3.0 fungiert, dazu zwei USB-A-Ports mit Unterstützung für Quick Charge 4 Plus und Samsungs Adaptive Fast Charging. In der Summe kommt die Powerbank auf 22,5 Watt, ein Wert, der für moderne Smartphones völlig ausreicht, für Tablets in Ordnung ist, für Laptops aber schlicht zu wenig Leistung liefert. Wer regelmäßig ein Notebook unterwegs laden will, ist bei diesem Modell falsch, dafür gibt es in der INIU-Produktfamilie mittlerweile auch Varianten mit deutlich höherer Wattzahl.
Heise online bestenlisten hat bei seinem Test der baugleichen Iniu B5 einen Punkt bemängelt, der bei INIU-Powerbanks öfter auftaucht: Der Hersteller gibt den unterstützten PPS-Bereich, also die feinere Spannungsregelung für kompatible Samsung-Geräte, nirgends konkret an. Die Redaktion musste die tatsächlichen Werte selbst per PD-Messgerät ermitteln, was für eine transparente Kaufentscheidung eigentlich nicht nötig sein sollte. Zusätzlich beobachtete der Test bei höherer Belastung wiederholte Leistungsdrosselungen, ein Verhalten, das in den mehr auf Alltagstauglichkeit fokussierten englischsprachigen Tests nicht erwähnt wird.
Die Kapazitätsfrage: 91, 70 oder irgendwo dazwischen
Hier zeigt sich die größte Uneinigkeit zwischen den Quellen. Techtest.org maß in seinem Test die reale Kapazität mit bestenfalls 18.248 mAh, umgerechnet gut 91 Prozent der Herstellerangabe, ein für eine 20.000-mAh-Powerbank ordentliches Ergebnis, wie der Test selbst festhält. Der unabhängige Testblog mega-testberichte.de kommt bei einer eigenen, von einem Nutzer eingesendeten Nachmessung dagegen nur auf rund 70 Prozent nutzbare Kapazität, ein Wert, der schon deutlich unter dem für gute Powerbanks üblichen Bereich von 80 bis 90 Prozent läge. CleverHiker wiederum, das mit Multimeter und einer definierten Lastwiderstand-Entladung arbeitet, stuft die INIU als eine der effizientesten 20.000-mAh-Powerbanks im gesamten Testfeld ein, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass die Effizienz bei kälteren Temperaturen spürbar nachlässt.
Diese drei Ergebnisse lassen sich nicht einfach zu einem Mittelwert verrechnen, dafür unterscheiden sich Testaufbau und Lastprofil zu stark. Realistisch bedeutet das für Käufer: Wer die Powerbank bei Zimmertemperatur und mit moderater Last nutzt, landet vermutlich näher an den optimistischeren 85 bis 90 Prozent. Wer sie im Winter draußen oder mit voller Dauerlast über beide Ausgänge gleichzeitig nutzt, wie es die Drosselungsbeobachtung von heise nahelegt, sollte eher mit weniger rechnen. Das ist kein Grund, das Produkt schlechtzureden, aber ein guter Grund, die Werbeaussage „20.000 mAh“ mit der gebotenen Vorsicht zu lesen.
Ladezeit der Powerbank selbst
Die INIU lädt über den USB-C-Port mit bis zu 20 Watt Power Delivery. Der unabhängige Test von mega-testberichte.de protokollierte für den kompletten Ladevorgang von 1 auf 100 Prozent über ein 20-Watt-PD-Ladegerät eine Zeit von 4 Stunden und 35 Minuten. Für eine Powerbank dieser Preisklasse ist das ein akzeptabler, aber kein besonders schneller Wert, wer schnelleres Wiederaufladen braucht, muss in eine höherpreisige Klasse mit stärkerer Eingangsleistung wechseln.
Alltagstauglichkeit: solide, unspektakulär, ehrlich günstig
In der Praxis überzeugt die Powerbank vor allem dort, wo es um einfache, wiederholbare Aufgaben geht. TechRadar nahm das Gerät mit auf ein Musikfestival und maß unter anderem die Ladezeit für ein iPhone 13 Pro, das in 128 Minuten von leer auf voll kam, ein Wert, den der Test selbst als „hätte schlimmer sein können“ einordnet, ohne begeistert zu sein. Ukprepperhub bestätigt die Herstellerangabe von 61 Prozent Ladung in 30 Minuten bei voller 22,5-Watt-Leistung als realistisch und hebt hervor, dass sich mit den drei Ports gleichzeitig drei Geräte laden lassen, praktisch etwa bei einem Stromausfall, wenn Smartphone, Tablet und das Handy des Partners gleichzeitig Strom brauchen. Ältere Geräte ohne Schnellladestandard funktionieren ebenfalls problemlos, die Powerbank handelt dann automatisch die passende, langsamere Geschwindigkeit aus.
Unser Fazit
Für den Preis, den INIU hier aufruft, meist zwischen 20 und 30 Euro, ist diese Powerbank ein bemerkenswert rundes Gesamtpaket, solange man ihre Grenzen kennt. Sie lädt zuverlässig bis zu drei Geräte, kommt mit den gängigen Schnellladestandards für Smartphones klar und ist angenehm leicht für ihre Kapazitätsklasse. Wer allerdings genau wissen will, wie viel von den versprochenen 20.000 mAh tatsächlich ankommt, bekommt je nach Testquelle eine andere Antwort, und wer regelmäßig unter Volllast beide Ausgänge gleichzeitig nutzt, sollte die von heise beobachtete Drosselung im Hinterkopf behalten. Für die reine Handy- und Tablet-Versorgung im Alltag oder auf Reisen ist das kein Ausschlusskriterium, für alle, die maximale Transparenz bei der Kapazität erwarten, schon eher ein Punkt, den man kennen sollte, bevor man kauft.
Wie seht ihr das?
Verlasst ihr euch bei Powerbank-Kapazitäten eher auf die Herstellerangabe oder sucht ihr aktiv nach unabhängigen Nachmessungen? Und wie wichtig ist euch bei einer günstigen Powerbank ein detailliertes Display, oder reicht euch eine einfache Prozentanzeige völlig aus? Schreibt es uns in die Kommentare.
