CMF Buds Pro 2 im Test: 18 Testberichte, ein Drehrad und viel Streit ums ANC
Es gibt Kopfhörer, über die sich die Fachpresse einig ist. Und es gibt die CMF Buds Pro 2. Bei
denen schreibt Netzwelt sinngemäß, für knapp 60 Euro sei das Gebotene schlicht großartig –
während TechRadar zum selben Produkt urteilt, man werde es bereuen, nicht ein paar Euro mehr
ausgegeben zu haben. Zwei Redaktionen, dasselbe Paar In-Ears, zwei völlig gegensätzliche Fazits.
Genau solche Fälle machen es interessant, viele Tests nebeneinanderzulegen.
Wir haben 18 unabhängige Testberichte aus Deutschland, Großbritannien, den USA und Indien
ausgewertet – von Messlaboren wie SoundGuys über klassische Tech-Redaktionen bis zu
HiFi-Spezialisten. Herausgekommen ist ein erstaunlich klares Bild: Die Buds Pro 2 sind besser,
als ihr Preis vermuten lässt, aber schlechter, als ihr Datenblatt verspricht.
Kurzfassung für Eilige
Die CMF Buds Pro 2 bieten für rund 50 bis 60 Euro eine Ausstattungsliste, die man sonst bei
doppelt so teuren Modellen sucht: LDAC, Dual-Treiber, Spatial Audio, IP55 und ein Drehrad am
Ladecase, das es so bei keinem Konkurrenten gibt. Der Klang ist bassbetont und für die Klasse
gut, die aktive Geräuschunterdrückung dagegen der Punkt, an dem sich die Tester am heftigsten
widersprechen. Wer viel telefoniert oder ein wirklich ruhiges Ohr braucht, sollte weiterlesen.
Das Drehrad: die beste und die schlechteste Idee zugleich
Das auffälligste Merkmal sitzt nicht in den Ohrhörern, sondern oben links am Ladecase: ein
22 Millimeter großes Metallrädchen, das CMF „Smart Dial“ nennt. Damit lassen sich Lautstärke
regeln, Titel springen, ANC umschalten und Anrufe annehmen – ohne das Smartphone
herauszuholen und ohne die fummeligen Touchflächen an den Stielen zu treffen. Belegbar ist
das Rad in der App, inklusive Einfach-, Doppel-, Dreifach- und Halte-Druck.
GSMArena beschreibt das haptische Feedback als richtig gut gelöst und wünscht sich, mehr
Hersteller würden so etwas bauen. Smartzone lobt die Metallausführung, weil sie auch nach
vielen Umdrehungen halten dürfte. Exhibit Tech nennt es ausdrücklich kein Design-Gimmick,
sondern ein funktionierendes Bedienelement.
Und dann kommt TechRadar. Dort war das Rad im Test der größte Kritikpunkt: In der Hosentasche
löste es ständig ungewollte Eingaben aus, im vollen Bus reichte offenbar schon ein Anrempeln
von Passanten. Dazu kam eine spürbare Verzögerung zwischen Drehen und hörbarer Änderung, was
das Justieren zum Ratespiel machte. Beides ist plausibel – und beides hängt schlicht davon
ab, ob man das Case in der Tasche mit sich herumträgt oder auf dem Schreibtisch liegen hat.
Wer es überwiegend am Laptop nutzt, bekommt eine kleine Fernbedienung geschenkt. Wer es
einsteckt, bekommt gelegentlich Techno statt Podcast.
Klang: bassbetont, laut, mit einer Delle in der Mitte
Technisch fahren die Buds Pro 2 zweigleisig: ein 11-Millimeter-Basstreiber plus ein
6-Millimeter-Mikroplanar-Hochtöner pro Seite, dazu LDAC mit bis zu 990 kbit/s und eine
Abstimmung von Dirac. Trusted Reviews merkt zu Recht an, dass das auf dem Papier weit über
Einsteigerniveau liegt.
In der Praxis loben fast alle Tests dieselbe Stärke: Die Dinger klingen voluminös, spielen laut
und schieben im Bass ordentlich nach. PC Games Hardware beschreibt den Klang als sauber und mit
aktiviertem Ultra-Bass regelrecht partytauglich, schränkt aber ein, dass man kristallklaren
Sound wie oberhalb der 100-Euro-Marke nicht erwarten darf. GSMArena spricht von der bekannten
V-Abstimmung der Nothing-Produkte und empfiehlt, im Equalizer auf das Dirac-Opteo-Profil zu
wechseln – das sei die mit Abstand beste der mitgelieferten Voreinstellungen.
Die Kritik trifft ziemlich einheitlich die Mitten. Trusted Reviews formuliert es besonders
deutlich und bemängelt die Mittenwiedergabe trotz insgesamt vier Sternen. Nextpit nennt die
Klangsignatur unausgewogen und hält die Ultra-Bass-Funktion angesichts der ohnehin
basslastigen Grundabstimmung für übertrieben. Stimmen und Podcasts wiederum gelingen laut
nextpit sehr gut – ein Widerspruch nur auf den ersten Blick, denn Sprache profitiert von der
angehobenen Präsenz, während ein dichter Rockmix davon eher leidet.
Ein praktisches Detail, das im Marketing untergeht: Stuff berichtet, dass die
Dirac-Klangabstimmung bei aktivem LDAC nicht mehr verfügbar ist. Man muss sich also entscheiden
– hochauflösende Übertragung oder das beste EQ-Profil. Dazu kommt, dass der eigene Equalizer
laut GSMArena nur drei Bänder bietet, weniger als bei den teureren Nothing Ear.
Die große Streitfrage: Wie gut ist das ANC wirklich?
CMF wirbt mit bis zu 50 dB Dämpfung. Genau daran scheiden sich die Geister.
Auf der Pro-Seite steht SoundGuys, die als eine der wenigen Redaktionen tatsächlich messen: Die
wahrgenommene Lautstärke von Außengeräuschen sinkt dort um rund 81 Prozent, besonders im
Tieftonbereich. Nextpit nennt die Unterdrückung überraschend effektiv und hebt hervor, dass
sich die Stärke manuell in mehreren Stufen einstellen lässt. Stuff spricht ebenfalls von
wirksamem ANC.

Auf der Contra-Seite stehen TechRadar mit „schwacher Geräuschunterdrückung“ und Trusted
Reviews mit dem bissigen Urteil, das „NC“ im ANC komme hier zu kurz. Scarbir, ein auf
True-Wireless-Kopfhörer spezialisierter Tester, liefert die vermutlich beste Auflösung des
Widerspruchs: Konstante Geräusche – Kühlschrankbrummen, Reifenrauschen, Verkehr – verschwinden
zuverlässig. Plötzliche Geräusche wie zuschlagende Türen, Tastaturklappern oder Gesprächsfetzen
im Büro bleiben deutlich hörbar. Nextpit beschreibt exakt dasselbe Muster.
Übersetzt heißt das: Im Zug oder Flugzeug funktioniert das ANC überraschend gut für die
Preisklasse. Im Großraumbüro tut es das nicht. Beide Lager haben also recht, sie haben nur in
unterschiedlichen Umgebungen gehört. Erschwerend kommt hinzu, dass ANC-Leistung stark vom Sitz
abhängt – und TechRadar bemängelt ausdrücklich den mäßigen Halt im Ohr, während nextpit und
GSMArena mit den Standardaufsätzen keinerlei Probleme hatten. Headphonecheck weist darauf hin,
dass die mitgelieferten Silikonaufsätze im Vergleich zur Konkurrenz recht klein ausfallen.
Wer größere Gehörgänge hat, sollte Ersatzaufsätze einplanen.
Akku: Herstellerangabe knapp verfehlt, LDAC kostet richtig
CMF verspricht 6,5 Stunden mit aktivem ANC und insgesamt 43 Stunden mit Ladecase. GSMArena kam
im Test auf gut 6 Stunden 15 Minuten bei halber Lautstärke mit allen Zusatzfunktionen an,
SoundGuys landete bei praktisch demselben Wert. Das ist nah genug an der Werksangabe, um es
durchgehen zu lassen.
Wer LDAC einschaltet, zahlt allerdings kräftig drauf: GSMArena misst dann nur noch etwa
4 Stunden 15 Minuten, Caschys Blog nennt rund 4,3 Stunden. Scarbir geht noch weiter und rät
generell von LDAC ab, weil die Verbindung dort instabil werde und die Videowiedergabe
asynchron laufe. Das ist ein bemerkenswerter Befund für ein Feature, mit dem CMF prominent
wirbt.
Geladen wird ausschließlich per USB-C, kabelloses Laden fehlt. Ein voller Ladevorgang von Case
und Hörern dauert laut GSMArena rund 70 Minuten, zehn Minuten am Kabel reichen für mehrere
Stunden Musik.
Telefonie, App und der Rest
Die Mikrofone sind die schwächste Disziplin. GSMArena berichtet von Gesprächspartnern, die die
Stimme selbst in ruhigen Räumen dumpf fanden. Scarbir beschreibt die Übertragung als klar und
laut, aber leicht nasal, und stellt fest, dass Hintergrundgeräusche die Stimme absacken lassen.
Für Videocalls im Homeoffice reicht das, für wichtige Telefonate unterwegs eher nicht.
Die Nothing-X-App bekommt dagegen durchweg gute Noten – Caschys Blog lobt sie als
minimalistisch, schnell und intuitiv und meint, viele etablierte Hersteller könnten sich eine
Scheibe abschneiden. Enthalten sind Ohrpassstück-Test, Trageerkennung, Finde-meine-Hörer,
Low-Lag-Modus fürs Gaming und – in Verbindung mit einem Nothing- oder CMF-Smartphone – ein
ChatGPT-Kurzbefehl.
Ein Detail, bei dem sich die Tests offen widersprechen: Stuff schreibt von
Multipoint-Kopplung, SoundGuys hält ausdrücklich fest, dass es kein echtes Multipoint gebe,
sondern nur die „Dual Connection“-Funktion. Faktisch lassen sich zwei Geräte gleichzeitig
verbinden – ob das im Alltag so nahtlos umschaltet wie echtes Multipoint, hängt offenbar von
Firmware und Geräten ab.
Wichtig für Sportler: Die IP55-Zertifizierung gilt nur für die Ohrhörer, nicht für das
Ladecase. Regen und Schweiß sind kein Problem, ein nasser Rucksackboden schon.
Unser Fazit
Die CMF Buds Pro 2 sind kein Kopfhörer, den man kauft, weil er in einer Disziplin gewinnt. Sie
sind einer, den man kauft, weil er in keiner richtig durchfällt und in einer – dem
Bedienkonzept – etwas macht, das sonst niemand anbietet. Das Drehrad ist genau die Art von Idee,
die man nach zwei Wochen nicht mehr missen möchte, sofern man das Case nicht dauerhaft in der
Hosentasche mit sich herumträgt.
Das Urteil von TechRadar halten wir für zu streng, das von Netzwelt für zu euphorisch. Die
Wahrheit steht bei SoundGuys, Scarbir und Trusted Reviews: solides ANC gegen gleichförmigen
Lärm, unterdurchschnittliches gegen plötzliche Geräusche, bassbetonter Klang mit schwacher
Mitte, mittelmäßige Mikrofone, sehr gute App.
Ein Punkt gehört zur Einordnung dazu: Der Marktstart lag im Juli 2024, inzwischen hat CMF mit
den Buds 2, Buds 2 Plus und Buds 2a nachgelegt. Die Buds Pro 2 sind dadurch nicht schlechter
geworden, sondern günstiger – Stand August 2026 liegen sie im Preisvergleich bei rund 50 Euro
statt der 59 Euro UVP. Genau das verschiebt die Rechnung noch einmal zu ihren Gunsten. Wer
allerdings vor allem Wert auf Geräuschunterdrückung legt, sollte sich die Buds 2 Plus mit
adaptivem ANC ansehen, die inzwischen ähnlich viel kosten.
Klare Empfehlung also für Pendler, Podcast-Hörer und alle, die nicht bereit sind, mehr als 60
Euro für Ohrhörer auszugeben. Keine Empfehlung für Vieltelefonierer und für alle, die im
Großraumbüro Ruhe suchen.
Wie seht ihr das?
Ist ein Drehrad am Ladecase für euch echter Mehrwert – oder eher eine Fehlerquelle in der
Hosentasche? Und wie steht ihr zu LDAC bei Budget-Kopfhörern: nutzt ihr es trotz der halbierten
Akkulaufzeit, oder bleibt der Schalter bei euch dauerhaft aus? Schreibt es uns in die
Kommentare.
