Roborock QV 35A im Test: Budget-Saugroboter mit Flaggschiff-Ambitionen
Zwei Tests, ein Roboter, zwei völlig unterschiedliche Wohnzimmer: Der eine Tester lässt den Roborock QV 35A bedenkenlos über einen simulierten Hundehaufen rollen und beobachtet, wie er Bücher quer durch den Raum schiebt. Der andere bescheinigt demselben Gerät, dass es zuverlässig um Möbel und durch enge Passagen navigiert, ohne je die Orientierung zu verlieren. Für diesen Artikel haben wir 11 unabhängige Tests aus Deutschland und den USA ausgewertet, dazu Nutzerstimmen aus Foren – und genau dieser Widerspruch bei der Hinderniserkennung zieht sich wie ein roter Faden durch fast alle Berichte.
Kurzfassung für Eilige: Der QV 35A packt für unter 500 Euro ein komplettes All-in-one-Dock, LiDAR-Navigation und 8.000 Pa Saugkraft in ein Gerät, das eigentlich im Budgetsegment spielt. Bei Ecken, Kanten und der Hinderniserkennung zeigt er aber genau die Kompromisse, die man bei diesem Preis erwarten würde.
Design und Ausstattung: Viel Dock fürs Geld
Mit Maßen von 350 × 353 × 96,5 Millimetern für den Roboter und 340 × 487 × 519 Millimetern für die Dockingstation ist klar, dass hier nicht in erster Linie der Roboter selbst zählt, sondern das Gesamtpaket samt Station. Die Bauhöhe von rund 9,65 Zentimetern erlaubt es dem QV 35A, unter die meisten Möbel mit entsprechendem Bodenabstand zu fahren, an sehr flachen Sofas scheitert er aber wie die meisten Lidar-Modelle mit Navigationsturm. Die Station übernimmt automatische Staubentleerung in einen 2,7-Liter-Beutel, Mopp-Waschen, Wasser-Nachfüllen aus einem 4-Liter-Frischwassertank und Trocknung – allerdings ausschließlich mit Kaltluft. Der Staubbehälter im Roboter selbst fällt mit 330 Millilitern kleiner aus als bei manchen Konkurrenten, was durch die automatische Entleerung im Alltag aber kaum auffällt.
Saugleistung und Bürsten: Solide, mit einer Schwäche
Mit 8.000 Pa HyperForce-Saugkraft liegt der QV 35A deutlich über dem Vorgänger Qrevo S mit 5.500 Pa und positioniert sich damit zwischen Budget- und Premiumklasse. Auf Hartboden überzeugt er in mehreren Tests bei feinem Staub, größeren Krümeln, Sand und Reis gleichermaßen. Bei Teppichen und Tierhaaren wird das Bild gemischter: Ein Test lobt die asymmetrische, SGS-zertifizierte Anti-Verfilzungsbürste mit einer Haarverwicklungsrate von 0 Prozent ausdrücklich, ein anderer kritisiert genau das Gegenteil – die Hauptbürste kommt ohne Borsten aus, was die mechanische Schmutzaufnahme reduziere, gerade in Kombination mit der im Vergleich zu Flaggschiffen begrenzten Saugkraft auf Teppichböden. In der Praxis dürfte das stark davon abhängen, wie viel und welche Art von Tierhaar im Haushalt anfällt: Reddit-Nutzer mit mehreren Hunden berichten von Problemen, weil die automatische Entleerung bei großen Haarmengen verstopfte, während Nutzer mit weniger Fellanfall durchweg zufrieden sind.
Wischen: Überraschend gut, mit klaren Kompromissen an Kanten
Die Wischfunktion war bei günstigen Saugrobotern lange eine Schwachstelle – beim QV 35A setzt Roborock auf zwei rotierende Wischpads, dieselbe Technik, die auch in der Oberklasse verwendet wird. Im Praxistest wischten die Pads sowohl Kaffeesahne als auch Ketchup zuverlässig weg, bei stärker klebenden Flecken wie Ketchup empfiehlt sich ein zweiter Durchgang. Aus Kostengründen verzichtet Roborock allerdings auf Heißwasserreinigung und Warmlufttrocknung: Die Pads werden nur mit kaltem Wasser befeuchtet und in der Station mit kalter Luft getrocknet, was regelmäßiges manuelles Nachreinigen und gelegentliches Waschen der Pads in der Waschmaschine sinnvoll macht. Zum Schutz von Teppichen hebt der Roboter die Pads automatisch um rund einen Zentimeter an. Weil die Wischpads nicht seitlich ausfahren können, bleibt an Rändern und in Ecken laut mehreren Tests ein Streifen von etwa zwei Zentimetern ungereinigt – Kantenreinigung bleibt bei diesem Modell also Handarbeit. Positiv fällt dagegen auf, dass der QV 35A beherzt auf Teppiche auffährt und dabei an keiner Kante hängen bleibt, was selbst deutlich teureren Modellen gelegentlich nicht gelingt.

Navigation und Hinderniserkennung: Der große Streitpunkt
Hier widersprechen sich die ausgewerteten Tests am deutlichsten, und das benennen wir lieber offen als es zu glätten. Die erste Kartierung verläuft in mehreren Berichten reibungslos und ist nach rund zehn Minuten abgeschlossen; ein Test bescheinigt dem QV 35A, sich im Raum stets zuverlässig zu orientieren und im Normalbetrieb sicher um Möbel und durch enge Passagen zu navigieren. Ein anderer Test kommt zu einem deutlich kritischeren Ergebnis: Trotz aktivierter Sensibilitätseinstellung in der App erkennt der Roboter Gegenstände auf dem Boden zu spät oder gar nicht, rollt bedenkenlos über einen simulierten Hundehaufen und verschiebt Bücher sowie kleinere Objekte quer durch den Raum – ein Kritikpunkt, den der Test explizit als einen der größten am gesamten Gerät benennt. Eine US-Quelle ordnet das ähnlich ein und beschreibt, dass die verbaute Reactive-Tech-Hinderniserkennung besonders auf dunklen Böden ins Stolpern gerät, wo die Sensorik schlechter funktioniert. Ein weiterer deutscher Test relativiert die Kritik, ordnet Navigationsschwächen in stark verwinkelten Wohnungen mit engen Möbelabständen, herumliegenden Kabeln oder kleinen Gegenständen aber als generelle Grenze dieser Geräteklasse ein, nicht als spezifischen Fehler des QV 35A. Wer also viel Kleinkram, Kabel oder Tierhinterlassenschaften auf dem Boden hat, sollte die App-Einstellungen zur Objekterkennung vor dem ersten unbeaufsichtigten Lauf genau prüfen.
Akku und Lautstärke: Lange Laufzeit, geteilte Meinung beim Geräusch
Mit einem 5.200-mAh-Akku erreicht der QV 35A eine Laufzeit von bis zu 180 Minuten beziehungsweise rund drei Stunden – in einem US-Test schaffte er damit ein rund 200 Quadratmeter großes Zuhause in einem Durchgang und kehrte mit noch etwa 20 Prozent Restladung zur Station zurück. Ist der Akku leer, fährt der Roboter selbstständig zur Basisstation, lädt nach und setzt die Reinigung an der unterbrochenen Stelle fort. Bei der Lautstärke gehen die Einschätzungen auseinander: Ein US-Test misst im Standardmodus rund 45 Dezibel und bezeichnet den QV 35A als eines der leisesten Geräte seiner Preisklasse, deutlich leiser als viele Konkurrenzmodelle. Ein anderer Test warnt dagegen, dass die Betriebslautstärke leichte Schläfer stören könne, und auch in aggregierten Nutzerbewertungen taucht „laut“ als wiederkehrender Kritikpunkt auf. Die Station selbst erzeugt beim Entleeren und Moppwaschen einen kurzen, deutlich hörbaren Schub, der aber seltener auftritt als der eigentliche Reinigungslauf.
App und Wartung im Alltag
Die Roborock-App gehört laut mehreren Tests zu den ausgereiftesten am Markt, mit Bewertungen von 4,6 bis 4,8 Sternen in den App Stores. Sie bietet Raumaufteilung, virtuelle Wände, No-Go-Zonen, individuelle Saug- und Wassereinstellungen pro Raum, Zonen- und Spot-Reinigung, einen Kantenmodus sowie flexible Zeitpläne. Sprachsteuerung funktioniert über Alexa, Google Home und Siri, für Home-Assistant-Nutzer gibt es zusätzlich Community-Integrationen. Ein Test berichtet von gelegentlichen Verbindungsproblemen, die Nachjustierung erfordern, und weist darauf hin, dass die Trocknungszeit der Mopp-Pads in der Station mindestens sechs Stunden beträgt – bei intensiver Doppelnutzung an einem Tag kann das knapp werden. In Reddit-Diskussionen loben Nutzer durchgehend den günstigen Ersatzteilpreis und den als vorbildlich beschriebenen Kundenservice, der in einem Fall eine Rückerstattung auch außerhalb der regulären Rückgabefrist ermöglichte, nachdem der Roboter mit der Haarmenge eines Mehrhundehaushalts überfordert war.
Unser Fazit
Der QV 35A ist ein Roboter, der auf dem Papier eine 800-Euro-Ausstattung zum Preis knapp unter 500 Euro verspricht – und dieses Versprechen bei Saugleistung, Dock-Automatisierung und App auch weitgehend einlöst. Die Kompromisse sitzen dort, wo man sie bei diesem Preis erwarten würde: an Kanten, in Ecken, bei der Kaltwasser-Wischtechnik und vor allem bei der Hinderniserkennung, die je nach Testumgebung zwischen „zuverlässig“ und „übersieht sogar deutlich sichtbare Objekte“ schwankt. Genau diese Schwankung sollte man vor dem Kauf ernst nehmen, denn sie hängt sichtbar davon ab, wie unaufgeräumt der eigene Boden im Alltag tatsächlich ist.
Du hast überwiegend Hartboden, wenig Kleinkram auf dem Boden und willst vor allem Zeit sparen: Der QV 35A liefert hier ein Preis-Leistungs-Verhältnis, das in dieser Klasse schwer zu schlagen ist.
Du hast mehrere Haustiere mit viel Fellanfall oder häufig Gegenstände auf dem Boden: Die widersprüchlichen Erfahrungen bei Hinderniserkennung und Haarmanagement solltest du einkalkulieren, notfalls mit Rückgaberecht kaufen und die App-Sensibilität vor dem ersten Lauf genau einstellen.
Dir ist randnahe Sauberkeit ohne Nacharbeit wichtig: Hier stößt der QV 35A an die physikalischen Grenzen seiner nicht ausfahrbaren Wischpads – wer das nicht akzeptieren will, muss zu einem teureren Modell mit Kantenmechanik greifen.
Wie seht ihr das?
Habt ihr selbst Erfahrung mit dem Roborock QV 35A – rollt er bei euch eher souverän um Hindernisse herum, oder erkennt ihr das Verhalten aus dem kritischeren Test wieder? Und: Wie wichtig ist euch bei einem Saugroboter in dieser Preisklasse Heißwasser-Wischtechnik, oder reicht euch ein gutes Ergebnis auch mit kaltem Wasser? Schreibt es uns in die Kommentare.
