Ecovacs Deebot T90 Pro Omni im Test: Mittelklasse-Saugroboter mit Flaggschiff-Allüren
Zwei Testredaktionen, zwei fast entgegengesetzte Erfahrungen: Während der eine Test dem Deebot T90 Pro Omni eine der besten Hinderniserkennungen seiner Preisklasse bescheinigt, stößt er bei einem anderen Tester regelmäßig gegen Stuhl- und Tischbeine. Genau zwischen diesen beiden Polen bewegt sich Ecovacs‘ neues Mittelklasse-Flaggschiff, und genau das macht ihn zu einem der spannenderen Saugroboter dieses Jahres. Für diesen Artikel haben wir 15 unabhängige Tests aus Deutschland, den USA, Skandinavien und Australien ausgewertet, dazu Nutzerstimmen aus einschlägigen Foren.
Kurzfassung für Eilige: Der T90 Pro Omni liefert mit seiner breiten Ozmo-Walze eines der besten Wischergebnisse der Mittelklasse, saugt mit 30.000 Pa auch hartnäckigen Teppichschmutz und Tierhaare zuverlässig weg, und kostet dabei deutlich weniger als vergleichbare Flaggschiffe. Wer clevere Navigation um jeden Preis will oder viele Hochflorteppiche und Kabelchaos im Haus hat, sollte die Erfahrungsberichte zur Hinderniserkennung aber genau lesen, bevor er zuschlägt.
Design: Flach, kameragestützt, ohne Laserturm
Ecovacs verzichtet beim T90 Pro Omni bewusst auf den klassischen Lidar-Turm und bringt den Roboter dadurch auf eine Bauhöhe von rund 9,5 Zentimetern. Das reicht in der Praxis, um unter niedrige Couchtische und Sideboards zu fahren, die für viele andere Modelle tabu sind. Anstelle von Lidar setzt Ecovacs auf ein Kamera- und Sensorpaket namens AIVI 3D 4.0, ergänzt um 3D-Structured-Light, eine LED-Zusatzbeleuchtung für dunkle Ecken und Kantensensoren. Auf eine schwenkbare Seitenbürste verzichtet der Hersteller ebenfalls, dafür lässt sich die vorhandene Bürste ausfahren und anheben. Wer schon andere Ecovacs-Modelle kennt, erkennt die Formsprache sofort wieder – neu ist vor allem, was unter der Haube steckt.
Saugleistung und Teppichreinigung: Klare Stärke
Mit 30.000 Pa Saugleistung positioniert sich der T90 Pro Omni auf dem Papier über dem Vorgänger X8 Pro Omni, der noch mit 18.000 Pa auskam. In der Praxis bestätigt sich das: Mehrere Tests loben die Teppichreinigung als nahezu perfekt, besonders bei Tierhaaren. Die neue ZeroTangle-4.0-Bürste erzielte im harten 18-Zentimeter-Haarverhedderungstest von Vacuum Wars ein Ergebnis von 0 Prozent Verhedderung, gegenüber einem Kategoriedurchschnitt von 26 Prozent – ein Wert, den sonst nur wenige Konkurrenzmodelle erreichen. Beim Tiefenreinigungstest auf Teppich erzielte der Roboter 81 Prozent. Einziger Wermutstropfen: Der Staubbehälter im Roboter selbst fällt mit rund 250 Millilitern kleiner aus als bei vielen Konkurrenzmodellen. Weil die Station aber häufig automatisch entleert und der Staubbeutel dort bis zu 2,5 Liter beziehungsweise rund 90 Tage Schmutz fasst, fällt das im Alltag kaum ins Gewicht.
Wischen: Die eigentliche Stärke des T90 Pro Omni
Hier wird es interessant. Die Ozmo-Walze ist gegenüber dem Vorgänger um 50 Prozent breiter geworden, dazu kommt die TruEdge-3.0-Technologie, die auch an Sockelleisten und Kanten gründlich reinigt. Auf Teppichen hebt die Walze rechtzeitig ab, sodass nichts unnötig befeuchtet wird – ein Punkt, den gleich mehrere Tests unabhängig voneinander bestätigen. Die Station wäscht die Walze mit bis zu 75 Grad heißem Wasser, trennt dabei sauberes von schmutzigem Wasser und trocknet die Walze anschließend mit warmer Luft, damit sie nicht müffelt. Ein Test widerspricht der Herstellerangabe allerdings ausdrücklich: Die versprochenen 75 Grad wurden im eigenen Messaufbau nicht erreicht, auch wenn das Wischergebnis davon augenscheinlich nicht litt. AI Instant Re-Mop 2.0 erkennt zudem Flecken automatisch und reinigt sie mit einem doppelten Kreuzmuster gründlicher als normale Verschmutzungen. In der Summe reicht das mehreren Testern zufolge an manche teurere Flaggschiff-Modelle heran oder übertrifft sie sogar.

Navigation und Hinderniserkennung: Licht und Schatten
Das ist das Kapitel, in dem sich die Testberichte am deutlichsten widersprechen, und wir benennen das lieber offen, als es zu glätten. Zwei US-Tests feiern die Hinderniserkennung als einen der größten Fortschritte der gesamten T-Serie: 23 von 24 Testobjekten wurden zuverlässig erkannt und umfahren, das Zusammenspiel aus Kamera, 3D-Licht, LED-Unterstützung und Kantensensoren wird ausdrücklich gelobt. Ein deutscher Test bestätigt, dass die kamerabasierte Navigation trotz fehlendem Lidar praktisch zuverlässig funktioniert, auch wenn die Karte in der App nicht ganz so millimetergenau wirkt wie bei klassischen Lasersystemen. Ein anderer deutscher Test zeichnet ein anderes Bild: Dort fuhr der Roboter regelmäßig gegen Stuhl- und Tischbeine, während er auf Teppichen tadellos funktionierte. Ein US-Test, der die Erstkartierung begleitet hat, vergibt zwar 9 von 10 Punkten für Hindernisvermeidung und Klettervermögen, berichtet aber auch von einem Sturz über eine rund 6 Zentimeter hohe Stufe, bei der der Roboter hängen blieb – und rät deshalb, die erste Kartierungsfahrt aktiv zu begleiten. Am deutlichsten fällt der Widerspruch bei den Türschwellen aus: Ein skandinavischer Test scheiterte an sämtlichen 2 bis 3 Zentimeter hohen Schwellen im Testhaushalt, wodurch Schlafzimmer und Bad nie vollständig kartiert wurden – kurioserweise auch an der niedrigsten und einfachsten Schwelle im Haus. Ein deutscher Praxistest über vier Wochen kommt dagegen zu dem Schluss, dass der Roboter Hindernisse bis 2,4 Zentimeter in einer Stufe und bis 4 Zentimeter in mehreren Stufen zuverlässig überwindet. Auch in Nutzerforen ist das Bild gemischt: Manche Nutzer bevorzugen bei der reinen Navigation und Kartendarstellung Konkurrenzmodelle, loben aber gleichzeitig die Hindernisvermeidung des T90 Pro Omni im direkten Vergleich als besser.
Akku und Ladezeiten: Genug für große Wohnungen
Der Akku gehört über fast alle Tests hinweg zu den unauffälligen Stärken des Geräts. Im leisen Saugmodus auf Hartboden hält er laut Herstellerangabe rund 140 Minuten durch, im Standardmodus 120 Minuten, beim kombinierten Saugen und Wischen bis zu 350 Minuten. Ein deutscher Test bewältigte damit eine 54 Quadratmeter große Testfläche in 82 Minuten und kehrte mit noch 54 Prozent Restladung zur Station zurück – auch weil der Akku zwischendurch beim Auswaschen der Walze an der Station nachlädt. Genau diese Schnellladefunktion, PowerBoost genannt, lädt den Akku in nur drei Minuten um bis zu 10 Prozent nach, allerdings ausschließlich während dieser routinemäßigen Zwischenstopps – nach Abschluss einer Reinigung lädt der Roboter spürbar langsamer. Laut Hersteller soll der T90 Pro Omni dank dieses Systems am Stück Flächen bis 500 Quadratmeter bewältigen können, eine vollständige Ladung von null auf hundert Prozent dauert an der Station rund zweieinhalb Stunden.
App, Sprachsteuerung und Wartung im Alltag
Die Ecovacs-Home-App erlaubt es, Räume zu benennen, Saugkraft, Wassermenge und Fahrgeschwindigkeit pro Zone einzustellen, Zeitpläne anzulegen und den Roboter auch von unterwegs zu starten. Der eingebaute Sprachassistent Agent Yiko erkennt zuverlässig auch Haustiere und umfährt sie, was besonders Haushalten mit Hund oder Katze zugutekommt. Im Betrieb ist der Roboter nach mehreren Berichten angenehm leise, lediglich beim automatischen Entleeren an der Station gibt es einen kurzen, deutlich lauteren Moment – wer nachts saugen lassen will, findet dafür einen eigenen leisen Entleerungsmodus in der App. Ein deutscher Langzeittest über vier Wochen bescheinigt dem Gerät zusätzlich einen hohen „Woman Acceptance Factor“: leiser Betrieb, eine leicht zu reinigende Station und ein insgesamt wartungsarmer Alltag. Kritisiert werden dort vor allem die Wassertankgröße, die für sehr große Wohnungen knapp bemessen sein kann, und die Haptik des Reinigungsmitteltanks, die etwas einfach wirkt, ohne dass das die Funktion einschränkt.
Unser Fazit
Der T90 Pro Omni ist kein Gerät, das in jeder Kategorie glänzt – aber in den beiden Kategorien, auf die es vielen Käufern am meisten ankommt, liefert er richtig ab. Wischen und Teppichreinigung gehören zum Besten, was wir aktuell in dieser Preisklasse gesehen haben, und die Ausstattung der Station braucht sich vor manchem teureren Flaggschiff nicht zu verstecken. Der Haken sitzt bei der Navigation: Die lässt sich nicht pauschal bewerten, sondern hängt sichtbar davon ab, wie die eigene Wohnung aussieht. Offene Grundrisse mit überwiegend Hartboden und niedrigen Teppichen scheinen kein Problem zu sein, Wohnungen mit vielen Türschwellen, Kabeln und Möbelbeinen fordern das System dagegen sichtbar heraus.
Du hast überwiegend Hartboden und niedrige Teppiche und willst vor allem top gewischt bekommen: Hier trifft der T90 Pro Omni genau ins Schwarze, gerade zum aufgerufenen Preis.
Du hast Türschwellen über 2 Zentimeter, viele Kabel oder Hochflorteppiche: Die widersprüchlichen Testergebnisse bei der Hinderniserkennung solltest du ernst nehmen und dich vor dem Kauf noch genauer informieren, im Zweifel mit Rückgaberecht kaufen.
Du hast Haustiere oder lange Haare im Haushalt: Die Anti-Verhedderungs-Bürste und die konstant gute Tierhaar-Aufnahme machen den T90 Pro Omni zu einer der besseren Wahlen überhaupt.
Wie seht ihr das?
Habt ihr selbst Erfahrung mit dem Deebot T90 Pro Omni oder einem Modell aus der gleichen Preisklasse – funktioniert die Hinderniserkennung bei euch eher wie im US-Test oder eher wie im deutschen Praxistest mit den Stuhlbeinen? Und: Ist euch beim Saugroboter die Wischleistung wichtiger als die Navigation, oder umgekehrt? Schreibt es uns in die Kommentare.
