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Audio & Sound

Sony WF-1000XM5 im Test: Warum das alte Flaggschiff plötzlich der bessere Kauf ist

Thomas Ramisch/ / 8 Min. Lesezeit / 20 Quellen
frau mit in ear kopfhörer ki generiert
Symbolbild KI generiert

Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Kaufst du darüber ein, kostet dich das keinen Cent extra – hilft uns aber enorm, weiterhin unabhängige Tests wie diesen zu recherchieren. Danke dafür!

Zum Marktstart im Juli 2023 kosteten die Sony WF-1000XM5 rund 320 Euro. Heute, im Sommer 2026, listen die Preisvergleiche sie ab etwa 165 bis 180 Euro. Fast die Hälfte weg – und das liegt nicht daran, dass die Ohrhörer schlechter geworden wären. Sondern daran, dass Sony im Februar 2026 die WF-1000XM6 nachgeschoben hat, für 299 Euro UVP. Genau dieser Preisrutsch macht die XM5 im Jahr 2026 zu einem der spannendsten Kopfhörer überhaupt: Sie sind technisch veraltet und trotzdem in vielen Punkten kaum zu schlagen.

Wir haben 18 Testberichte und Vergleiche aus 16 Redaktionen ausgewertet – von ComputerBase, HIFI.DE, STEREO GUIDE und Stiftung Warentest bis What Hi-Fi, SoundGuys und Tom’s Guide. Was dabei auffällt: Über den Klang sind sich fast alle einig. Über das Noise Cancelling überhaupt nicht.

Kurzfassung für Eilige

Die WF-1000XM5 sind winzig, extrem bequem und klingen für In-Ears außergewöhnlich sauber und detailreich. Beim ANC reicht die Bandbreite der Urteile von „das effektivste aller True-Wireless-Modelle“ bis „durchschnittlich“ – die Wahrheit hängt stark davon ab, wie gut die Ohrstöpsel bei dir abdichten. Zum aktuellen Straßenpreis sind sie das bessere Geschäft als der Nachfolger.

Kaum zu spüren – aber auch kaum zu greifen

Sony hat die Ohrhörer gegenüber den XM4 um rund 25 Prozent geschrumpft und um etwa 20 Prozent erleichtert. HIFI.DE beziffert das Gewicht auf 5,9 Gramm pro Ohrhörer statt der vorher üblichen sieben. In der Praxis ist das der Punkt, an dem sich praktisch alle Tester einig sind: Der Tragekomfort gehört zum Besten, was es in dieser Klasse gibt. audiovision beschreibt die Hörer als kaum daumennagelgroß und im Ohr fast nicht wahrnehmbar, STEREO GUIDE nennt schlicht den besten Tragekomfort.

Der Haken ist die Oberfläche. Die Seiten der Ohrhörer sind glänzend lackiert, und SoundGuys ärgert sich offen darüber, dass Sony die matte Optik der Vorgänger aufgegeben hat – die Buds fühlen sich dadurch rutschig an. What Hi-Fi und HIFI.DE beschreiben unabhängig voneinander dasselbe Problem: Aus dem magnetischen Case bekommt man sie mit trockenen Fingern nur mit etwas Fummelei heraus. Wer das kennt und die Hörer eher zu sich hin zieht als sie zu greifen, kommt klar. Auf dem Bahnsteig ist es trotzdem ein Moment, in dem man kurz die Luft anhält.

Das Case selbst ist kleiner und runder als beim Vorgänger geworden – ein Detail, das in den Vergleichstests zum XM6 auffällig oft zugunsten der XM5 ausfällt. Tom’s Guide bemängelt beim Nachfolger ausdrücklich das seltsam gewachsene Ladeetui. Die Verpackung ist übrigens plastikfrei, und für die Gehäuse verwendet Sony recycelten Kunststoff, wie likehifi anmerkt.

Klang: mehr Auflösung, weniger Rummel

Im 8,4-Millimeter-Treiber „Dynamic Driver X“ steckt laut Sony der Grund für die bessere Basswiedergabe. Die Tests bestätigen das größtenteils. ComputerBase attestiert den XM5 hervorragende Dynamik, klare Stimmen und einen differenzierten Bass, der sich nicht in den Vordergrund drängt – und stellt sie in Auflösung und Abdichtung sogar über die Apple AirPods Pro 2. What Hi-Fi geht noch weiter und beschreibt eine Offenheit und Texturschärfe, die man von kabellosen In-Ears in dieser Preisklasse bis dahin nicht kannte, mit klarem Abstand zu Bose und zu den eigenen Vorgängern.

Interessant ist die Einschränkung, die What Hi-Fi gleich mitliefert: Auf der Suche nach Auflösung habe Sony ein Stück vom Spaß der XM4 geopfert. Genau daran arbeiten sich andere Tests ab. TechGearLab misst mit Kunstkopf und Analysesoftware eine Abstimmung, die zwar nah an der bevorzugten Zielkurve liegt, im Tiefbass aber Druck und Wärme vermissen lässt – bei Hip-Hop und EDM fällt das auf. benedikt.io wiederum hört genau das Gegenteil und beschreibt einen kräftigen, im Vergleich zu Sennheiser eher bassbetonten Sony-Sound.

Solche Widersprüche sind bei In-Ears normal, und sie haben meist dieselbe Ursache: die Abdichtung. Sitzt der Ohrstöpsel nicht sauber, verschwindet der Bass zuerst. Sony legt vier Größen Schaumstoff-Aufsätze bei, inklusive einer besonders kleinen Variante, und die App bietet einen Passform-Test. Wer das ernst nimmt, hört einen anderen Kopfhörer als jemand, der die Standardgröße drinlässt.

Der große Widerspruch: Wie gut ist das ANC wirklich?

Hier gehen die Urteile am weitesten auseinander, und wir glätten das bewusst nicht.

Auf der einen Seite steht STEREO GUIDE mit der Einschätzung, die XM5 böten das wohl effektivste ANC aller True-Wireless-Modelle. Auch ComputerBase, HIFI.DE und kopfhoerer.de sortieren die Geräuschunterdrückung klar in der Spitzengruppe ein. audiovision hat in Bahn, Homeoffice und auf dem Balkon getestet und beschreibt eine sehr gute Wirkung gegen Zug- und Windgeräusche – mit der ehrlichen Einschränkung, dass Gespräche im Waggon nicht vollständig verschwinden. likehifi hat den Härtefall gesucht, einen unklimatisierten Zug bei geöffneten Fenstern, und kam zu dem Schluss: Die komplette Geräuschkulisse radiert das ANC nicht weg, aber ein Hörspiel bei leicht erhöhter Lautstärke wurde damit möglich.

Auf der anderen Seite steht TechRadar. Dort fiel die Wertung um einen ganzen Stern, weil die Redaktion die Geräuschunterdrückung schlicht für durchschnittlich hielt – zwei direkte Konkurrenten hätten mehr Lärm ausgeblendet. Dazu kamen gelegentliche Verbindungsabbrüche, und zwar bei mehreren Testmustern auf verschiedenen Kontinenten. GSMArena berichtet für dieselbe Generation von völlig stabilen Verbindungen über vier Testgeräte hinweg, was die Vermutung nahelegt, dass es sich um ein Firmware- oder Chargenproblem gehandelt hat.

Unsere Lesart: Das ANC der XM5 ist stark, aber es ist nicht mehr unangefochten. Sony selbst gibt indirekt zu, dass da Luft war – die WF-1000XM6 sollen Umgebungsgeräusche laut Hersteller 25 Prozent effektiver dämpfen.

Symbolbild KI generiert

Akku: gut, aber seit drei Jahren unverändert

Sony nennt acht Stunden mit aktivem ANC und 24 Stunden inklusive Case. Die Messungen streuen: SoundGuys kam auf 9 Stunden 32 Minuten am Stück, GSMArena auf etwa 7,5 Stunden. Beides ist brauchbar, beides ist von den Spitzenwerten der Konkurrenz mit über elf Stunden weit entfernt. Die Schnellladefunktion – drei Minuten für eine Stunde Musik – hielt bei SoundGuys knapp nicht ganz, was Sony verspricht: Es wurden rund 51 Minuten.

Bemerkenswert ist, was HIFI.DE im Vergleich mit dem Nachfolger feststellt: Auch die XM6 bieten exakt dieselben 8 beziehungsweise 24 Stunden und ebenfalls nur IPX4. Nach fast drei Jahren gibt es beim Akku also schlicht kein Upgrade – ein Argument, das direkt für die alte Generation spricht.

Software: mächtig, eigenwillig, teilweise widersprüchlich

Die Ausstattungsliste ist üppig: LDAC für Hi-Res über Bluetooth, DSEE Extreme zum Aufpolieren komprimierter Musik, 360 Reality Audio mit Head-Tracking, Speak-to-Chat, Auto-Pause, ein Passform-Test und ein Equalizer mit eigenem Profil-Assistenten. Multipoint war laut ComputerBase schon zum Verkaufsstart an Bord – anders als bei den XM4, die darauf über ein Jahr warten mussten.

Zwei Einschränkungen sollte man kennen. Erstens: aptX gibt es bei Sony grundsätzlich nicht, iPhone-Nutzer bleiben bei AAC und haben von LDAC nichts. Zweitens: Wer den neuen LC3-Codec bevorzugt, verliert dafür Multipoint – benedikt.io hat das in seinem Langzeittest dokumentiert. Und Speak-to-Chat, das die Musik pausiert, sobald man spricht, reagiert auch auf Lachen, Husten und Niesen. Man liebt es oder man schaltet es nach zwei Tagen ab.

Die Telefonqualität ist dagegen fast durchgehend gelobt worden. kopfhoerer.de bescheinigt der Kombination aus Richtmikrofonen, Knochenleitungssensor und KI-Filter eine außergewöhnlich hohe Sprachverständlichkeit selbst bei Wind und Ventilatorlärm, GSMArena bestätigt das für laute Straßen. Nur TechGearLab fällt aus der Reihe: Dort brach die Stimme im Labortest und in echten Anrufen zeitweise weg.

XM5 oder XM6? Die Rechnung ist eindeutig

Der Nachfolger ist besser – das bestreitet niemand. Tom’s Guide hält das Upgrade für lohnend, HIFI.DE hat die XM6 an die Spitze der eigenen Bestenliste gesetzt. Aber die Unterschiede sind Feinheiten: etwas besseres ANC, minimal bessere Anrufqualität, überarbeitete App-Funktionen. Beim Akku und beim Wasserschutz ändert sich nichts, und beim Tragekomfort haben die kleineren XM5 nach Einschätzung von HIFI.DE bei längeren Sessions sogar leicht die Nase vorn. Auch andere Vergleiche kommen zu dem Schluss, dass ein Wechsel von den XM5 auf die XM6 kaum zu rechtfertigen ist.

Bei rund 170 Euro gegen 235 bis 300 Euro ist das keine schwere Entscheidung mehr. (Preise Stand August 2026, sie schwanken deutlich.)

8,3 von 10
Gesamtnote

Sony WF-1000XM5

Warum das alte Flaggschiff plötzlich der bessere Kauf ist

Klang 9,0 / 10
Noise Cancelling 8,0 / 10
Tragekomfort & Verarbeitung 8,0 / 10
Akku & Laden 7,0 / 10
Ausstattung & App 8,0 / 10
Preis-Leistung (Stand August 2026) 10,0 / 10

Die Gesamtnote basiert auf unserer redaktionellen Auswertung von 20 unabhängigen Testberichten und eigener Recherche.

Unser Fazit

Die WF-1000XM5 sind das seltene Produkt, das durch das Erscheinen seines Nachfolgers besser geworden ist – nicht technisch, sondern als Kauf. Wer 2023 rund 320 Euro dafür bezahlt hat, bekam ein sehr gutes Produkt zu einem sportlichen Preis. Wer heute 170 Euro bezahlt, bekommt dasselbe Produkt zu einem Preis, den die aktuelle Mittelklasse kaum unterbietet, ohne beim Klang oder Komfort deutlich zurückzufallen.

Zwei Gruppen sollten trotzdem woanders schauen. Wer ANC als Hauptargument kauft und wirklich jedes Dezibel braucht, findet inzwischen stärkere Optionen – auch von Sony selbst. Und wer viel unterwegs telefoniert oder Sport treibt, sollte bedenken, dass IPX4 nur Spritzwasser abdeckt und dass die glatte Oberfläche in nassen Fingern nicht das beruhigendste Gefühl ist.

Für alle anderen gilt: kleine, unauffällige, klanglich exzellente In-Ears mit gutem ANC und tadelloser App – zu einem Preis, der drei Jahre lang undenkbar war.

Wie seht ihr das?

Kauft ihr Kopfhörer bewusst eine Generation zu spät, um den Preisverfall mitzunehmen – oder ist euch der aktuelle Stand der Technik das Geld wert? Und falls ihr die XM5 nutzt: Wie schlägt sich das ANC bei euch im Alltag, eher auf STEREO-GUIDE- oder eher auf TechRadar-Niveau? Schreibt es in die Kommentare.

Ausgewertete Quellen 20

Thomas Ramisch

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