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Audio & Sound

Bose QuietComfort Ultra Earbuds (2. Gen.) im Test: Wenn Weltklasse zur Gewohnheit wird

Thomas Ramisch/ / 8 Min. Lesezeit / 17 Quellen
kopfhörer ki generiert
Symbolbild KI generiert

Zwei Labore, dasselbe Ohr, zwei Zahlen: SoundGuys misst bei der zweiten Generation der Bose QuietComfort Ultra Earbuds eine Reduktion des Außenlärms um 85 Prozent – beim Vorgänger waren es in derselben Testreihe rund 90 Prozent. Trotzdem schreiben nahezu alle Redaktionen, das Noise Cancelling sei besser geworden. Genau an dieser Reibung entscheidet sich, ob diese Ohrhörer für rund 300 Euro ein Upgrade sind oder nur ein Modellpflege-Häkchen.

Wir haben 15 unabhängige Tests aus Deutschland, der Schweiz, Großbritannien und den USA ausgewertet – vom Messlabor bis zum Langzeitbericht nach vier Wochen Alltag. Selbst getestet haben wir nicht; wir gewichten und führen zusammen, was die Fachpresse herausgefunden hat.

Kurzfassung für Eilige

Die QuietComfort Ultra Earbuds der zweiten Generation sind nach Einschätzung fast aller Tester die stärksten ANC-In-Ears am Markt, ergänzt um endlich brauchbare Telefonie und ein Ladecase, das jetzt kabellos lädt. Der Fortschritt gegenüber dem Vorgänger ist dabei so klein, dass mehrere Redaktionen offen zum älteren Modell raten, solange es im Angebot ist. Und der Akku bleibt die alte Wunde.

Das Gehäuse ist geblieben – und genau daran scheiden sich die Geister

Bose hat am Formfaktor praktisch nichts verändert. Trusted Reviews fand als einzigen sichtbaren Unterschied einen kleinen Schutz an den Ohrstöpseln, der Ohrenschmalz fernhalten soll, wo früher eine Vertiefung saß. Ansonsten: gleiche Form, gleiche Größe, gleiche Stabilisierungsbügel.

Ob das gut ist, hängt offenbar stark vom Ohr ab. Trusted Reviews nennt die Earbuds die bequemsten Bose-Kopfhörer, die der Tester bislang getragen hat. Delamar bescheinigt hohen Tragekomfort auf Premium-Niveau. TechGearLab dagegen hält fest, dass die Form nie besonders komfortabel war und Bose an dem, was viele Nutzer als klobig und abstehend empfinden, nichts geändert hat. TechRadar formuliert es diplomatischer: Die Gehäuse sind weiterhin eine Spur zu groß und im Ohr deutlich sichtbar.

Wer kleine Ohren hat oder empfindlich auf Druck reagiert, sollte also nicht blind bestellen. Erschwerend kommt hinzu, dass What Hi-Fi? nur drei Ohrstöpselgrößen bemängelt – bei einem Kopfhörer dieser Preisklasse ist das dünn, gerade weil die Abdichtung direkt darüber entscheidet, wie gut das ANC arbeitet.

Das Ladecase hat den größten sichtbaren Sprung gemacht: Es lädt jetzt kabellos, meldet seinen eigenen Ladestand in der App und wird per USB-C versorgt. Groß ist es trotzdem geblieben. Digitec nennt es weiterhin recht sperrig, HotHardware findet es weniger wertig als das Konkurrenzprodukt von Apple – der einzige Teil des Pakets, der sich nicht nach 300 Euro anfühlt.

ANC: unbestritten vorn, umstritten im Fortschritt

Beim Thema Lärmunterdrückung sind sich alle einig, dass Bose vorne liegt. Heise nennt das ANC schlicht perfekt, TechRadar sieht es weiterhin an der Spitze der Klasse, StereoGuide beschreibt bereits beim Vorgänger eine nahezu vollständige akustische Abschottung.

Uneinig ist man sich, wie groß der Zugewinn gegenüber Generation eins ausfällt. Mark Ellis berichtet nach mehreren Flugreisen von spürbar weniger Motorendröhnen. TechGearLab misst eine leicht bessere Sperrwirkung. Heise spricht von abermals besserem Noise Cancelling. SoundGuys kommt in einem direkten Vergleich beider Generationen zum gegenteiligen Schluss: Verkehr, Flugzeugtriebwerke und Büroplauderei würden praktisch identisch gedämpft, der kleine Vorteil im Hochtonbereich sei im Alltag zu vernachlässigen.

Symbolbild KI generiert

Wir halten das nicht für einen Widerspruch, den man wegdiskutieren muss. Die neue Generation nutzt laut Bose einen KI-gestützten Algorithmus, der plötzliche Geräuschspitzen flüssiger abfängt – Sirenen, quietschende Bremsen, zuschlagende Türen. Genau das misst man mit einem konstanten Rauschsignal im Labor nicht, wohl aber im Zug. What Hi-Fi? bestätigt diesen Eindruck: Harte, scharfe Geräusche würden im Moment ihres Auftretens weicher gezeichnet, während tieffrequentes Grummeln durchgehend draußen bleibt.

Ein kleiner Makel bleibt: SoundGuys hört ein leises Eigenrauschen der ANC-Elektronik, das auch dann nicht verschwindet, wenn man die Stärke in der App auf null zieht. Bei Rock und Pop fällt das nicht auf, in Pausen oder bei leiser Klassik schon eher – StereoGuide hatte dieses Rauschen schon beim Vorgänger als dessen größte Schwachstelle benannt.

Klang: Bass mit Ansage

Bose hat an den Treibern nichts geändert, und die meisten Tester finden das richtig. Mark Ellis beschreibt eine breite Bühne mit guter Trennung, warme Mitten und Höhen mit Glanz ohne Schärfe. StereoGuide lobt die Intensität und den satten, punchigen Bass, der sich trotzdem ins Klangbild einfügt – akustisches Schlagzeug klinge so, wie der Autor es aus seinem Stammjazzclub kennt.

Neutral ist diese Abstimmung nicht. SoundGuys ordnet den Klang klar als bass- und höhenbetont ein und rechnet damit, dass er den meisten Hörern gefällt, einem Teil aber gar nicht. Digitec beschreibt die Höhen als klar, aber zurückhaltend. Wer gegensteuern will, stößt schnell an eine Grenze: Der Equalizer in der Bose-Music-App hat nur drei Bänder. HIFI.DE nennt das den Punkt, an dem audiophile Käufer eher zu Technics EAH-AZ100, Bowers & Wilkins PI8 oder Sennheiser Momentum True Wireless 4 greifen. Auch TechRadar und Rtings kritisieren die dürftigen Eingriffsmöglichkeiten.

Neu ist der Kinomodus, ein Preset mit besonders weiträumigem Klang und fixiertem 360-Grad-Head-Tracking. StereoGuide beschreibt ihn als überraschend überzeugendes Werkzeug fürs Filmschauen unterwegs. HIFI.DE dagegen nutzte den immersiven Modus im Test nur kurz und sah wenig Mehrwert. Auch hier gilt: Geschmackssache, kein Messwert.

Der Akku bleibt die Bremse

Hier wird es unübersichtlich, und das liegt nicht an den Testern. Bose gibt sechs Stunden an. HIFI.DE liest das als sechs Stunden mit eingeschaltetem ANC plus 18 Stunden aus dem Case. Delamar nennt sechs Stunden pro Ladung, aber nur vier Stunden mit aktiviertem 360-Grad-Sound. Das Datenblatt bei nextpit dreht die Logik um und führt sechs Stunden ohne ANC gegen vier Stunden mit ANC. HotHardware hat schlicht gemessen und kam mit Immersive Audio und ANC auf gut fünf Stunden.

Die praktische Lesart: Sechs Stunden sind realistisch, wenn man das ANC normal nutzt und auf den Raumklang verzichtet. Wer immersiv hört, landet bei vier bis fünf. Das Case liefert drei volle Ladungen nach, macht rund 24 Stunden insgesamt.

Im Wettbewerb ist das zu wenig. Tom’s Guide rechnet vor, dass die meisten Konkurrenten acht Stunden schaffen, und führt das auf das dauerhaft aktive ANC zurück. HotHardware verweist auf die Herstellerangaben von Sony (acht Stunden) und Apple (zehn Stunden). TechGearLab nennt die Laufzeit eine der kürzesten im Testfeld. Heise formuliert am schärfsten: Bis auf die Akkuleistung gebe es keine echte Schwäche.

Telefonie, Verbindung und was fehlt

Die deutlichste echte Verbesserung steckt in den Mikrofonen. Bose verbaut acht davon und schaltet eine KI-Filterung namens SpeechClarity davor, die Wind und Umgebungslärm aus der Stimme rechnen soll. What Hi-Fi? führt exzellente Sprachverständlichkeit bei Anrufen als Pluspunkt. HIFI.DE sieht zum Top-ANC endlich auch eine gute Anrufqualität. Digitec bescheinigt klare Sprachwiedergabe – allerdings ausdrücklich erst nach einem Firmware-Update.

Ein Detail, das gegen den Trend läuft: TechGearLab bekam in Live-Telefonaten gute Rückmeldungen von beiden Seiten, im standardisierten Laborverfahren mit Kunstkopf und Störgeräusch klangen die Stimmen dagegen verzerrt und teilweise abgehackt. Die Redaktion hat sich am Ende auf die reale Erfahrung verlassen. Wer sehr viel im Lärm telefoniert, sollte das im Hinterkopf behalten.

Ansonsten: Bluetooth 5.3, Multipoint für zwei Geräte, AAC, SBC und aptX Adaptive, IPX4 gegen Spritzwasser, 7,7 Gramm pro Ohrhörer. Kein LDAC, bemängelt TechRadar. Kein Auracast, vermisst heise. Kein geführter Hörtest zur individuellen Anpassung, wie ihn andere Hersteller inzwischen anbieten. Rtings notiert außerdem gelegentliche Verbindungsabbrüche und eine empfindliche Touchbedienung – Letzteres kritisiert auch digitec.

Preis und Konkurrenz

Die UVP liegt bei 299 Euro, unverändert gegenüber der ersten Generation. What Hi-Fi? rechnet Bose das ausdrücklich als Verdienst an, weil andere Hersteller im selben Zeitraum die Preise angehoben haben. Im Handel ist die zweite Generation längst günstiger: Heise fand zum Testzeitpunkt alle vier Farbvarianten für 265 Euro, Preisvergleiche listeten zuletzt ab rund 240 Euro (Stand: August 2026, Preise ändern sich schnell).

Und damit kommt der unbequeme Ratschlag, den gleich mehrere Redaktionen geben: SoundGuys hält das Upgrade für so gering, dass es kaum der Rede wert sei, und empfiehlt Besitzern der ersten Generation ausdrücklich, beim alten Modell zu bleiben. TechGearLab schlägt in dieselbe Kerbe – je nach Angebot spare man mit Generation eins Geld, ohne viel zu verlieren.

7,7 von 10
Gesamtnote

Bose QuietComfort Ultra Earbuds (2. Gen.)

Wenn Weltklasse zur Gewohnheit wird

Geräuschunterdrückung 10,0 / 10
Klang 8,0 / 10
Tragekomfort & Verarbeitung 8,0 / 10
Akkulaufzeit & Laden 6,0 / 10
Ausstattung & App 7,0 / 10
Preis-Leistung 7,0 / 10

Die Gesamtnote basiert auf unserer redaktionellen Auswertung von 17 unabhängigen Testberichten und eigener Recherche.

Unser Fazit

Wer maximale Ruhe im Zug, im Flugzeug oder im Großraumbüro sucht und dafür bereit ist, beim Akku Kompromisse zu machen, findet hier das derzeit überzeugendste Gesamtpaket. Das ANC ist nicht nur stark, es ist unaufdringlich stark: Es arbeitet, ohne dass man es bemerkt, und genau das unterscheidet Bose von vielen Konkurrenten, die mit Zahlen werben und dann bei plötzlichen Geräuschen pumpen.

Trotzdem fällt es uns schwer, den vollen Preis zu empfehlen. Bose hat mit dieser Generation zwei alte Ärgernisse abgeräumt – Telefonie und Ladecase – und ein drittes einfach stehen lassen. Sechs Stunden sind 2026 kein Premium-Wert mehr, sondern eine Ansage an den Nutzer: Plan deinen Tag um diese Ohrhörer herum, nicht umgekehrt. Wer viel unterwegs ist und selten ans Case kommt, wird das merken.

Zwei klare Empfehlungen ergeben sich daraus. Wer die erste Generation besitzt, hat keinen Grund zum Wechsel. Wer neu einsteigt und den Straßenpreis abwartet, bekommt für rund 240 Euro Ohrhörer, die in ihrer Kerndisziplin niemand schlägt – solange die Bauform ins Ohr passt. Das sollte man vor dem Kauf ausprobieren, nicht danach.

Wie seht ihr das?

Ist euch beim Kopfhörerkauf die Akkulaufzeit wichtiger als die letzten zehn Prozent Geräuschunterdrückung – oder nehmt ihr die Ladepause in Kauf, wenn dafür im Flugzeug wirklich Ruhe herrscht? Und falls ihr die erste Generation habt: Habt ihr im Alltag jemals gedacht, dass das ANC besser sein müsste?

Ausgewertete Quellen 17

Thomas Ramisch

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