Razer BlackShark V3 Pro im Test: Das schnellste Headset hat ein Mikrofon-Problem
Ein Headset mit 10 Millisekunden Wireless-Latenz, das Profis wie NiKo und Shotzzy mitentwickelt haben – und trotzdem ist der Punkt, über den sich fast alle Tester am meisten streiten, ausgerechnet das Mikrofon. Genau da wird es beim Razer BlackShark V3 Pro interessant. Wir haben zwölf deutsche und internationale Testberichte durchgearbeitet, um herauszufinden, ob der Nachfolger des vielgelobten V2 Pro sein Versprechen hält.
Vorab so viel: In fast jeder Disziplin legt das V3 Pro spürbar zu. Nur an einer Stelle gibt es einen Rückschritt, den mehrere unabhängige Redaktionen unabhängig voneinander bemängeln.
Erst mal das Wichtigste in Kürze
Das Razer BlackShark V3 Pro kostet je nach Ausführung zwischen 199 und 270 Euro, bietet als weltweit erstes Headset die HyperSpeed-Wireless-Gen-2-Technologie mit nur 10 Millisekunden Latenz und kombiniert erstmals gleichzeitige 2,4-GHz- und Bluetooth-Verbindung mit aktiver Geräuschunterdrückung. Klang, Komfort und Verbindung überzeugen in den Tests fast durchweg. Die größte Schwäche: das neue Mikrofon klingt in mehreren Tests schlechter als beim Vorgänger.
Design: mehr Pilotenhelm als Lifestyle-Headset
Optisch bleibt sich Razer treu. Mehrere Tester beschreiben das ovale, an Fluglinien-Kopfhörer erinnernde Design als kaum vom V2 Pro zu unterscheiden – auf den ersten Blick jedenfalls. Das BlackShark V3 Pro greift das grundlegende Design des direkten Vorgängers auf, mit großzügigen ovalen Ohrmuscheln, die über dünne Metallbügel in das Kopfband übergehen. Auf Schnickschnack und auffälliges RGB wird bewusst verzichtet, das Gerät wirkt eher zweckmäßig als glamourös.
Beim genaueren Hinsehen gibt es aber durchaus Unterschiede zum Vorgänger. Die Ohrmuscheln haben nun austauschbare Faceplates bekommen, mit denen sich das Headset individualisieren lässt, und die Polsterung fällt deutlich großzügiger aus – rund zwei Zentimeter dick sind die weichen Stoffpolster sowohl an den Ohrmuscheln als auch am Kopfband. Statt reiner Kunstlederpolster setzt Razer diesmal auf einen Memory-Schaum-Hybrid, was gerade bei längeren Sessions das Schwitzen reduzieren soll. Ein Tester berichtete, im gesamten Testzeitraum keine Feuchtigkeit in den Ohrmuscheln bemerkt zu haben.
Beim Tragekomfort sind sich die Redaktionen ungewöhnlich einig: Ein Reviewer nannte es das komfortabelste Headset, das er bislang getestet hat, dank großzügiger Größenverstellung und geringem Gewicht. Auch für Brillenträger gibt es gute Nachrichten – der verstärkte Bügel bewegt sich beim Anpassen leicht, sitzt danach aber fest genug, dass er nicht gegen die Brillenbügel drückt. Mit knapp 366 Gramm ist es allerdings kein Leichtgewicht und spürbar schwerer als viele Konkurrenzmodelle.
Sound: kräftiger Bass, aber Höhen mit Nebenwirkungen
Klanglich zeigt sich in den Tests ein gemischtes, aber überwiegend positives Bild. Die neuen 50-mm-Razer-TriForce-Bio-Cellulose-Treiber der zweiten Generation sorgen für satteren Bass als beim Vorgänger, kombiniert mit präziser Ortung – ein Pluspunkt, den praktisch jeder Test hervorhebt, gerade für kompetitive Shooter. In Runden von Counter-Strike 2 lobte ein Tester die sehr präzise Ortung von Schritten und entfernten Schüssen, während die Musikwiedergabe von einem angenehm breiten Klangbild profitiert.
Ein technisches Detail sorgt allerdings für geteilte Meinungen: SoundGuys bemängelt in seiner Messung zu viel Höhenverzerrung in der Standardabstimmung, die Musik und manche Ingame-Effekte auf Dauer ermüdend machen kann. Andere Tester empfanden den Klang dagegen als schon fast zu hell für ihren persönlichen Geschmack, was auf dasselbe Grundproblem hindeutet – nur unterschiedlich stark gewichtet. Kopfhoerer.de beschreibt die Abstimmung insgesamt als ausgewogen mit klaren Stimmen und detailreichen Höhen, sieht beim Bass aber noch Luft nach oben.
Für PC-Nutzer gibt es THX Spatial Audio mit 7.1.4-Surround-Unterstützung, PlayStation-Nutzer bekommen volle Tempest-3D-Audio-Kompatibilität und die Xbox-Version unterstützt Windows Sonic. Zwölf voreingestellte Profi-Soundprofile für E-Sport-Titel sind an Bord, dazu lassen sich bis zu neun eigene EQ-Profile direkt auf dem Headset speichern.
Die große Schwäche: das Mikrofon
Hier wird es spannend, weil sich hier der klarste Kritikpunkt über mehrere unabhängige Tests hinweg zieht. Eurogamer.de bringt es im Titel seines Tests direkt auf den Punkt: Verbesserungen an praktisch jeder Stelle, nur beim Mikrofon gab es einen kleinen, aber verkraftbaren Rückschritt. Auch ProSettings.net berichtet, dass mehrere unabhängige YouTube-Reviews das neue Mikrofon im direkten Vergleich zum V2 Pro schlechter bewerteten – ein Befund, der den Tester selbst überraschte, da er in seinem eigenen Höreindruck einen guten Klang wahrgenommen hatte.
Das ist bemerkenswert, weil das Mikrofon beim V2 Pro branchenweit als eines der besten seiner Klasse galt. Objektiv nachvollziehen lässt sich der Rückschritt in den ausgewerteten Tests nicht lückenlos – es bleibt bei Höreindrücken statt Messwerten –, aber die Häufigkeit, mit der das Thema auftaucht, spricht dafür, dass an dieser Stelle tatsächlich etwas nachgegeben wurde. Wer das Headset primär für Discord, Teamspeak oder Streaming nutzt, sollte das im Hinterkopf behalten. Für reine Gaming-Kommunikation unter Freunden dürfte die Qualität weiterhin völlig ausreichen.
Verbindung und Latenz: hier spielt das V3 Pro in einer eigenen Liga
Die technisch größte Neuerung ist die HyperSpeed-Wireless-Gen-2-Technologie. Razer hat die Wireless-Latenz auf nur 10 Millisekunden gedrückt, was das Headset zu einem der bestperformenden Geräte des Jahres macht – ein Wert, der sich laut Hersteller um rund ein Drittel von vergleichbaren Top-Produkten absetzt. Mehrere Tester bestätigen, dass sich dieser Vorteil in schnellen Titeln tatsächlich spürbar bemerkbar macht.
Die zweite große Neuerung: Erstmals lassen sich 2,4-GHz-Wireless und Bluetooth gleichzeitig nutzen, inklusive Audio-Mixing aus beiden Quellen. Tom’s Hardware hebt das als das entscheidende Feature gegenüber dem Vorgänger hervor – endlich muss man nicht mehr zwischen Gaming-Sound und einem eingehenden Handyanruf wählen. Insgesamt bringt das Headset vier Verbindungsarten mit: 2,4-GHz-Wireless, Bluetooth 5.3, USB-C sowie einen klassischen 3,5-mm-Klinkenanschluss.

ANC: gut gegen tiefe Töne, schwächer als bei dedizierten Kopfhörern
Aktive Geräuschunterdrückung ist bei Gaming-Headsets noch immer selten, umso mehr wird sie in den Tests honoriert. SoundGuys hat die Dämmleistung gemessen und kam auf einen Wert von 77 Prozent durchschnittlicher Gesamtdämpfung, wobei die ANC vor allem tieffrequente Störgeräusche zwischen 50 und 300 Hertz zuverlässig herausfiltert – klassische Störquellen wie Klimaanlagen oder dumpfe Trittgeräusche werden so deutlich leiser.
In der Praxis zeigen sich aber auch Grenzen. Derselbe Test berichtet von Problemen, das Headset so anzupassen, dass die Dichtung nicht beeinträchtigt wird – selbst bei guten Messwerten waren gedämpfte Gespräche im Büro noch hörbar. Auch mehrere deutsche Tests bestätigen diesen Eindruck: Testberichte.de attestiert eine eher schwache Geräuschunterdrückung, und Kopfhoerer.de sieht sowohl beim ANC als auch beim Ambient-Modus Nachholbedarf gegenüber der Konkurrenz. Wer unterwegs vorbeifahrende Autos oder einfahrende Züge komplett ausblenden will, wird beim BlackShark V3 Pro nicht fündig – dafür bräuchte es dedizierte Noise-Cancelling-Kopfhörer.
Akku und Alltag: konstant, aber kein echtes Upgrade
Bei der Laufzeit bleibt Razer auf hohem Niveau, verbessert sich aber kaum gegenüber dem Vorgänger. Am PC sind laut Hersteller bis zu 70 Stunden mit einer Ladung möglich, an der Konsole sinkt der Wert auf bis zu 48 Stunden – ein Unterschied von 22 Stunden, den ein Tester als durchaus relevant einstuft, wenn man das Headset primär an Konsole statt am PC nutzt. Trusted Reviews merkt an, dass die Akkulaufzeit gegenüber dem V2 Pro schlicht keinen Fortschritt darstellt.
Geladen wird über USB-C, was zeitgemäß ist. Positiv fällt zudem auf, dass sich der Akku über eine magnetische Faceplate am rechten Ohrhörer austauschen lässt – ein kleiner, aber willkommener Schritt in Richtung Reparierbarkeit, der die Lebensdauer des Headsets verlängern kann.
Software: Synapse überzeugt am PC, die App hakt
Am PC läuft die Konfiguration über Razer Synapse, und hier gibt es in den Tests wenig zu meckern: Equalizer für Mikrofon und Sound, vierstufige ANC-Anpassung und Firmware-Updates sind vorhanden, die Einstellungsmöglichkeiten lassen kaum Wünsche offen. Weniger überzeugend fällt das Urteil zur mobilen Razer-Audio-App aus – ein Tester, der auf Linux setzt und deshalb auf die App ausweichen musste, beschreibt die Verbindung zum Headset als reine Glückssache. Das ist insofern relevant, als Synapse offiziell noch nicht unter Linux läuft – Nutzer dieses Betriebssystems sind also auf die weniger zuverlässige App angewiesen.
Was kostet das Headset – und welche Version ist die richtige?
Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 269,99 Euro für die Farben Schwarz und Weiß, im Handel ist das Headset aber inzwischen für rund 175 bis 200 Euro zu finden, je nach Plattform-Variante und Anbieter. In den USA startet Razer offiziell bei 249,99 US-Dollar. Wichtig: Das V3 Pro gibt es in plattformspezifischen Versionen für PC, PlayStation und Xbox, jeweils mit eigens abgestimmten Klangprofilen – wer zwischen den Systemen wechselt, sollte vorab prüfen, welche Version zur eigenen Hauptplattform passt.
Wer das volle Funktionspaket nicht braucht, findet in der Modellreihe auch die günstigere BlackShark V3 (ohne ANC, mit einfacherem Mikrofon) und die noch preiswertere HyperSpeed-Variante. Für unseren Test war ausschließlich das Topmodell V3 Pro relevant.
Unser Fazit
Das Razer BlackShark V3 Pro ist in fast jeder Hinsicht ein spürbarer Fortschritt gegenüber einem ohnehin schon sehr guten Vorgänger. Die Latenz von 10 Millisekunden ist aktuell Referenzklasse, die gleichzeitige Nutzung von 2,4-GHz und Bluetooth ist ein Feature, das lange gefehlt hat, und beim Tragekomfort gibt es in den ausgewerteten Tests praktisch keine Kritik. Auch klanglich bewegt sich das Headset auf hohem Niveau, auch wenn die Höhenabstimmung nicht jedem gefällt.
Zwei Dinge trüben das Bild aber deutlich. Erstens das Mikrofon: Dass ausgerechnet die Paradedisziplin des Vorgängers in mehreren unabhängigen Tests als Rückschritt wahrgenommen wird, ist ein ernstzunehmendes Signal – gerade für alle, die das Headset zum Streamen oder für Teamkommunikation im Wettkampf nutzen wollen. Zweitens die ANC: Sie ist ein nettes Zusatzfeature, aber kein Ersatz für dedizierte Noise-Cancelling-Kopfhörer, und mehrere Tester bewerten sie explizit als schwächer als bei der direkten Konkurrenz.
Unterm Strich bleibt das BlackShark V3 Pro ein sehr gutes, spezialisiertes Wettkampf-Headset – aber kein Rundum-sorglos-Upgrade für alle. Wer bereits ein V2 Pro besitzt und in erster Linie Klarheit im Mikrofon schätzt, muss den Umstieg gut abwägen. Wer neu einsteigt und Wert auf Latenz, Komfort und flexible Konnektivität legt, bekommt aktuell eines der technisch fortschrittlichsten Headsets am Markt.
Wie seht ihr das?
Uns interessiert eure Einschätzung: Wiegt eine Latenz von 10 Millisekunden für euch schwerer als ein erstklassiges Mikrofon, oder ist gerade Letzteres bei einem Headset für euch das entscheidende Kaufargument? Und falls ihr selbst vom V2 Pro auf das V3 Pro umgestiegen seid: Könnt ihr den Mikrofon-Rückschritt bestätigen, den mehrere Tests beschreiben? Schreibt es in die Kommentare – wir lesen mit.
