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Smartphones

Nothing Phone (4a) Pro im Test: Wenn Design plötzlich wichtiger wird als der Preis

Thomas Ramisch/ / 8 Min. Lesezeit / 14 Quellen
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Ein Smartphone-Hersteller, der sein bekanntestes Markenzeichen einfach über Bord wirft – das passiert selten, und wenn, dann meist mit Bauchschmerzen bei den Fans. Nothing hat genau das getan: Die durchsichtige Rückseite, die die Marke seit dem ersten Phone geprägt hat, ist beim (4a) Pro verschwunden. Stattdessen: ein Aluminium-Unibody, wie man es eher von einem Flaggschiff erwartet. Mehrere Tester schreiben unabhängig voneinander, dass sie zunächst skeptisch waren – und am Ende trotzdem überzeugt.

Und noch etwas eint fast alle ausgewerteten Tests: Sie beginnen mit derselben Frage. Lohnt sich der Aufpreis gegenüber dem günstigeren Nothing Phone (4a), oder zahlt man am Ende nur für den Namen?

Erst mal das Wichtigste in Kürze

Für alle, die es eilig haben: Das Nothing Phone (4a) Pro kostet zum Marktstart ab 479 Euro, bringt ein Metallgehäuse mit auffälligem Kamera-Ring samt Glyph Matrix mit, einen hellen 6,83-Zoll-AMOLED-Bildschirm und eine für die Preisklasse überdurchschnittlich gute Akkulaufzeit. Die Kamera überzeugt in den meisten Tests, in einem wichtigen Test aber nur mit Einschränkungen – dazu später mehr. Software-seitig gilt Nothing OS weiterhin als eine der aufgeräumtesten Android-Oberflächen überhaupt.

Design: Nothing wird erwachsen – ob das jedem gefällt, ist eine andere Frage

Mit 163,7 x 76,6 x 8,0 Millimetern und 210 Gramm ist das (4a) Pro kein kleines Telefon, dafür mit 7,95 Millimetern das bislang dünnste Smartphone der Marke. Statt der gewohnten Transparenz setzt Nothing erstmals konsequent auf ein mattes Aluminium-Unibody-Gehäuse, das in mehreren Tests als bisher hochwertigste Verarbeitung des Herstellers beschrieben wird. Digitec bringt es auf den Punkt: Der neue Design-Weg wirkt geradezu unaufgeregt für ein Nothing-Smartphone – fast schon langweilig im Vergleich zu früheren Modellen, dafür aber sichtbar wertiger.

Verspielt bleibt nur noch der Bereich um die Kamera: Dort sitzt die charakteristische Glyph Matrix, eine kreisförmige Dot-Matrix-LED-Anordnung, die schon vom Phone 3 bekannt ist und in den Tests durchweg gelobt wird – als nützliches Feature für Benachrichtigungen und kleine Spielereien, nicht nur als Lichtshow. Erhältlich ist das Gerät in Schwarz, Silber und einem zurückhaltenden Pink. Wasser- und staubgeschützt ist es nach IP65, Nothing gibt zusätzlich eine kurzzeitige Wasserfestigkeit an, ohne dafür eine höhere IP-Klasse auszuweisen – ein Detail, das man laut Digitec nicht überstrapazieren sollte.

Display: viel Fläche, viel Helligkeit, ein kleiner Haken bei den Lautsprechern

Das 6,83 Zoll große AMOLED-Panel löst mit 1260 x 2800 Pixeln auf und schafft eine adaptive Bildwiederholrate von 30 bis 144 Hertz. Nothing wirbt mit einer Spitzenhelligkeit von 5.000 Nits – eine Zahl, die laut PC-WELT nur in engen HDR-Bereichen erreicht wird. Im eigenen Test maß die Redaktion draußen realistischere 1.600 Nits, bei deaktivierter automatischer Helligkeit rund 800 Nits. Für den Alltag reicht das locker, auch im Sommer draußen bleibt der Screen gut ablesbar.

Bei der Farbtreue gibt es in mehreren Tests Lob, mit dem Hinweis, dass der werkseitige „Alive“-Farbmodus für natürliche Töne eher ungeeignet ist – wer es realistisch mag, sollte das im Menü anpassen. Einen kleinen Wermutstropfen gibt es beim Klang: Die Stereolautsprecher liefern zwar klare Trennung, wirken aber im direkten Vergleich zur Konkurrenz eher leise und bassarm.

Performance & Software: solide Mittelklasse mit sehr aufgeräumter Oberfläche

Unter der Haube arbeitet ein Snapdragon 7 Gen 4, wahlweise mit 8 oder 12 GB LPDDR5X-RAM und 128 oder 256 GB UFS-3.1-Speicher. PC-WELT bestätigt Nothings Angabe von rund 27 Prozent mehr CPU-Leistung gegenüber dem Vorgänger und sieht das Gerät bei der Prozessorleistung auf Augenhöhe mit dem Google Pixel 10a – an ein iPhone 17e kommt es aber nicht heran. Bei der Grafikleistung liegt das (4a) Pro laut demselben Test zwar deutlich vor dem regulären Phone (4a), fällt gegenüber Pixel und iPhone jedoch spürbar zurück. Für Alltag, Multitasking und aktuelle Spiele reicht die Leistung nach übereinstimmender Einschätzung mehrerer Tester dennoch problemlos, unter anderem dank einer größeren Vapor-Chamber-Kühlung.

Softwareseitig läuft das Handy mit Android 16 und Nothing OS 4.1 obendrauf. Mehrere internationale Tester heben hervor, dass sich die Oberfläche angenehm nah am cleanen Pixel-Erlebnis anfühlt – aufgeräumt, ohne unnötigen Ballast, mit eigenständigen aber nicht aufdringlichen Widgets. Nothing verspricht drei Jahre Android-Updates und sechs Jahre Sicherheitspatches. Das ist solide, reicht aber nicht an das heran, was Google oder Samsung inzwischen bei ihren Mittelklasse-Modellen bieten – und Nothing landet bei neuen Android-Versionen erfahrungsgemäß nicht als Erster.

Kamera: gelobt, aber nicht überall gleich überzeugend

Hier zeigt sich der interessanteste Widerspruch zwischen den Tests. Das Kamerasystem besteht aus einer 50-Megapixel-Hauptkamera mit optischer Bildstabilisierung, einer 50-Megapixel-Periskop-Telelinse mit rund 3,5-fachem optischen Zoom sowie einer 8-Megapixel-Ultraweitwinkelkamera. Die meisten Tester sind angetan: Consumer Reports zählt die Hauptkamera zu den besten in ihrem Testfeld, mit sehr guten Werten bei Farbe, Belichtung, Schärfe und Bildrauschen. Android Police und Techgoondu loben die Vielseitigkeit der Kamera für den Preis, und der Zoom wird mehrfach als überraschend detailreich beschrieben.

TechRadar zeichnet dagegen ein kritischeres Bild: Die Farbwiedergabe wirkt im Test verhaltener als bei den besten Geräten am Markt, und die Belichtung sei bei einzelnen Aufnahmen ungleichmäßig ausgefallen – als einer der wenigen echten Schwachpunkte des Geräts genannt. Beide Einschätzungen schließen sich nicht zwingend aus: Für Schnappschüsse und den Alltag scheint die Kamera absolut tauglich, wer aber konsequent gleichbleibende Ergebnisse erwartet, sollte laut TechRadar die Erwartungen etwas herunterschrauben.

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Akku und Laden: gut im Alltag, aber die Testwerte schwanken enorm

Verbaut ist ein 5.080-mAh-Akku (in Indien wird laut mehreren Quellen eine Variante mit 5.400 mAh verkauft – ein Unterschied, für den keiner der ausgewerteten Tests eine offizielle Begründung findet). Geladen wird kabelgebunden mit bis zu 50 Watt, kabelloses Laden gibt es wegen des Metallgehäuses nicht, was mehrere Tester als nachvollziehbaren, aber spürbaren Verzicht einordnen. Android Police maß beim Laden mit einem Anker-Netzteil rund 20 Minuten bis 50 Prozent und knapp unter einer Stunde bis zur vollen Ladung.

Bei der reinen Laufzeit gehen die Zahlen der Tests allerdings deutlich auseinander, und das lohnt einen genaueren Blick: CNN Underscored kommt im eigenen Dauerlast-Test mit durchgehender 4K-Videowiedergabe auf rund 24 Stunden und 23 Minuten. Consumer Reports nennt in seinem standardisierten Verfahren rund 54 Stunden Laufzeit. Techgoondu wiederum misst mit dem PCMark-Work-3.0-Benchmark bei aktivierter adaptiver Bildwiederholrate etwa 19,5 Stunden. Diese Differenzen erklären sich vor allem durch unterschiedliche Testmethoden – Dauervideo, synthetischer Benchmark und Laborverfahren sind schlicht nicht direkt vergleichbar. Für die Praxis aussagekräftiger sind die Alltagsberichte: Mehrere Tester kommen bei gemischter bis intensiver Nutzung über den ganzen Tag mit noch 20 bis 30 Prozent Restladung am Abend aus, was für ein Mittelklasse-Handy ein sehr komfortabler Wert ist.

Preis: attraktiv positioniert, aber die Pro-Aufpreise variieren je nach Markt

Das Nothing Phone (4a) Pro startet laut connect.de bei 479 Euro für die Version mit 8 GB RAM und 128 GB Speicher, die Top-Ausstattung mit 12 GB RAM und 256 GB Speicher wird mit rund 550 bis knapp 630 Euro angegeben – hier weichen die ausgewerteten Quellen leicht voneinander ab, je nachdem, welcher Händlerpreis zum Testzeitpunkt herangezogen wurde. In den USA ruft Nothing für die vergleichbaren Konfigurationen 499 respektive 599 US-Dollar auf. Zum Vergleich zieht CNN Underscored das iPhone 17e und das Google Pixel 10a heran, die beide ein deutlich kleineres Display bieten – ein Punkt, den mehrere Tester als klaren Vorteil des (4a) Pro werten. Gegenüber dem regulären Phone (4a), das schon ab rund 349 Euro zu haben ist, bleibt der Aufpreis für das Pro-Modell aber ein Faktor, den man laut Digitec und Techgoondu nur zahlen sollte, wenn einem Kamera und Verarbeitung wirklich wichtig sind.

8,2 von 10
Gesamtnote

Nothing Phone (4a) Pro

Design & Verarbeitung 9,0 / 10
Display 9,0 / 10
Performance & Software 8,0 / 10
Kamera 7,0 / 10
Akku & Laden 8,0 / 10
Preis - Leistung 8,0 / 10

Die Gesamtnote basiert auf unserer redaktionellen Auswertung von 15 unabhängigen Testberichten und eigener Recherche.

Unser Fazit

Das Nothing Phone (4a) Pro ist eines der seltenen Mittelklasse-Handys, bei denen sich der Designwechsel tatsächlich auszahlt. Das Aluminiumgehäuse fühlt sich hochwertiger an als der Preis vermuten lässt, das Display ist hell und alltagstauglich, und die Softwareerfahrung mit Nothing OS gehört zu den saubersten im Android-Kosmos. Wer ein Smartphone sucht, das nicht aussieht wie jedes andere Mittelklassegerät und dabei trotzdem zuverlässig funktioniert, bekommt hier ein sehr überzeugendes Gesamtpaket.

Zwei Punkte muss man aber realistisch einordnen. Erstens die Kamera: Der Widerspruch zwischen den Tests – hier Bestnoten für Schärfe und Detailtreue, dort Kritik an inkonsistenter Belichtung – zeigt, dass die Ergebnisse offenbar situationsabhängig schwanken. Für Alltagsfotos und Social Media ist das kein Problem, wer aber konstant verlässliche Belichtung erwartet, sollte das im Hinterkopf behalten. Zweitens der Aufpreis gegenüber dem Phone (4a): Wer nicht auf das beste Kameramodul und das Metallgehäuse angewiesen ist, bekommt beim günstigeren Geschwistermodell laut mehreren Tests ein sehr ähnliches Alltagserlebnis für deutlich weniger Geld.

Unterm Strich ist das (4a) Pro kein Preisbrecher mehr wie frühere Nothing-Modelle, sondern ein bewusst positioniertes Premium-Mittelklasse-Handy – stylisch, ausdauernd und mit einer der besten Softwareerfahrungen seiner Klasse.

Wie seht ihr das?

Jetzt seid ihr gefragt: Ist euch ein außergewöhnliches Design wie beim Glyph-Matrix-Ring so viel wert, dass ihr dafür auf ein günstigeres Schwestermodell verzichtet – oder wäre euch der Aufpreis zum Phone (4a) am Ende egal, solange die Kernfunktionen stimmen? Und falls ihr das (4a) Pro selbst schon fotografiert habt: Deckt sich eure Erfahrung eher mit den Kamera-Lobeshymnen oder mit der kritischeren TechRadar-Einschätzung? Schreibt es in die Kommentare.


Ausgewertete Quellen 14

Thomas Ramisch

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