Garmin Venu 4 im Test: Die Herzfrequenzmessung, die einen Tester sprachlos machte
„So ein Ergebnis habe ich bei keinem anderen Wearable gesehen“ – mit diesem Satz beschreibt ein Tester die Herzfrequenzgenauigkeit der Garmin Venu 4 beim Laufen, nachdem die Werte praktisch deckungsgleich mit einem Brustgurt ausfielen. Genau diese Präzision zieht sich durch fast alle ausgewerteten Tests: Die Venu 4 ist Garmins Versuch, eine waschechte Sportuhr in ein alltagstaugliches, elegantes Lifestyle-Gehäuse zu packen – und das gelingt laut den meisten Redaktionen erstaunlich gut.
Für diesen Artikel wurden 12 unabhängige Testberichte aus deutschen und internationalen Quellen ausgewertet.
Auf einen Blick
Die Venu 4 kombiniert ein helles AMOLED-Display, hochpräzise Sport- und Gesundheitssensorik sowie eine für die Klasse beachtliche Akkulaufzeit von rund 9 bis 12 Tagen. Der Sprung auf 549 Euro UVP und das Fehlen echter Kartennavigation trüben das runde Gesamtbild aber merklich.
Design: Edelstahl statt Kunststoff-Optik
Die Venu 4 gibt es in zwei Größen, 41 und 45 Millimeter, jeweils mit einem Gehäuse aus Edelstahl. Das sorgt in mehreren Tests für ein spürbar hochwertigeres Tragegefühl als bei der Vorgängerin, optional ist die Uhr auch mit Lederarmband erhältlich. Bei rund 56 Gramm Gewicht loben Tester den „sportlich-eleganten“ Look, der sich sowohl fürs Büro als auch fürs Training eignet. Neu ist eine kleine LED-Taschenlampe am Gehäuserand, praktisch für dunkle Läufe oder das nächtliche Ablesen ohne grelles Displaylicht. Ein Kritikpunkt mehrerer Tests: Die Anzahl physischer Tasten wurde von drei auf zwei reduziert, wodurch mehr Bedienung über den Touchscreen läuft – bei Nässe oder mit Handschuhen ein spürbarer Nachteil gegenüber der Vorgängergeneration.
Im direkten Vergleich zur Vorgängerin wirkt die Venu 4 laut mehreren Tests minimal wuchtiger und schwerer, was aber niemanden ernsthaft stört – die kleinere 41-mm-Version bleibt für schmalere Handgelenke weiterhin eine sinnvolle Option, ohne dabei bei Display oder Akku größere Kompromisse einzugehen als das 45-mm-Modell.
Display: Doppelt so hell wie zuvor
Das 1,4-Zoll-AMOLED-Touchdisplay behält die Auflösung der Venu 3, verdoppelt aber die maximale Helligkeit auf 2.000 Nits. In der Praxis bedeutet das laut mehreren Tests eine deutlich bessere Ablesbarkeit bei direkter Sonneneinstrahlung – ein Bereich, in dem AMOLED-Displays traditionell schwächeln. Farbdarstellung und Bedienung werden durchweg als „hell und knackscharf“ beschrieben, dazu kommen Nachtmodus, variable Textgrößen und Barrierefreiheitsfunktionen, die in Tests positiv auffallen.

Akku: Zwischen 9 und 12 Tagen, je nach Nutzung
Garmin gibt bis zu 12 Tage im Smartwatch-Modus an, in Praxistests mit realistischer Nutzung – inklusive Trainings-Tracking und Benachrichtigungen – kommen mehrere Tester auf 9 bis 10,5 Tage. Mit durchgehend aktivem Always-on-Display sinkt die Laufzeit dagegen deutlich auf rund 4 Tage, ein Wert, den mehrere Tests explizit als „sollte vermieden werden“ einstufen. Damit liegt die Venu 4 zwar leicht unter der Vorgängerin, bleibt aber weiterhin deutlich über dem, was vergleichbare Smartwatches mit ähnlichem Funktionsumfang bieten. Die Ladezeit für eine volle Akkuladung liegt bei rund einer Stunde, allerdings weiterhin über ein proprietäres Kabel statt USB-C – ein Kritikpunkt, der in mehreren Tests auftaucht.
Sport & Fitness: Trainingstools, die bisher der Fenix vorbehalten waren
Die vielleicht wichtigste inhaltliche Neuerung: Die Venu 4 bekommt Trainingsbereitschaft, Trainingszustand und umfangreiche Trainingstools, die bislang den teureren Forerunner- und Fenix-Modellen vorbehalten waren. Dual-Band-GNSS mit SatIQ-Technologie sorgt laut Tests für präzise Streckenaufzeichnung selbst in schwierigem Gelände, dazu kommen über 80 Sportprofile, Mehrsport-Übergänge für Triathleten sowie verbesserte Navigation mit Breadcrumb-Trail und Trackback-Funktion. Genau hier liegt aber auch die größte Einschränkung: Echte Kartennavigation mit Kartenmaterial fehlt der Venu 4 komplett, die einfache Streckenrückverfolgung ohne Karten wird von mehreren Testern als Manko für eine Uhr dieser Preisklasse bewertet. Bei Krafttraining zeigt die Pulsmessung zudem laut einem Test leichte Schwächen, während sie beim Laufen als außergewöhnlich präzise gilt.
Für Schwimmer relevant: Die Venu 4 ist wasserdicht und unterstützt sowohl Frei- als auch Beckenschwimmen mit automatischer Bahnenzählung. In den ausgewerteten Tests schneidet die Schwimmfunktion solide, aber nicht herausragend ab – wer primär Schwimmtraining trackt, findet in spezialisierteren Garmin-Modellen mit größerem Funktionsumfang unter Wasser die bessere Wahl.
Gesundheit: Body Battery, Lifestyle-Log und Health Status
Neben etablierten Garmin-Funktionen wie Body Battery und Schlafanalyse mit Sleep Score bringt die Venu 4 zwei neue Ansätze mit: ein „Lifestyle-Log“ als digitales Tagebuch für Ernährung, Stress und Gewohnheiten, sowie eine neue, als Beta gekennzeichnete „Health Status“-Funktion, die mehrere Biometrie-Werte während des Schlafs überwacht und auf Auffälligkeiten hinweist. Die Schlafdauer wird in einem Test leicht überschätzt, um etwa 10 bis 20 Minuten gegenüber externen Referenzwerten. EKG, Blutsauerstoffmessung und der Herzfrequenzsensor der fünften Generation liefern dagegen in praktisch allen Tests sehr genaue Werte.
Bemerkenswert ist, wie unterschiedlich die einzelnen Tests das Lifestyle-Log bewerten: Während einige Redaktionen es als sinnvolle Ergänzung zu den etablierten Garmin-Metriken loben, weil es Zusammenhänge zwischen Alltagsgewohnheiten und Erholung sichtbar macht, empfinden andere Tester die zusätzliche manuelle Dateneingabe als überflüssigen Mehraufwand, der am Ende doch niemand konsequent nutzt. Wer ohnehin schon Schwierigkeiten hat, Ernährungstagebücher zu führen, wird auch mit dem Lifestyle-Log kaum dauerhaft dranbleiben – wer dagegen gerne Daten sammelt, bekommt ein zusätzliches Analysewerkzeug ohne Zusatzkosten.
Software & Preis: Gutes Ökosystem, spürbarer Aufpreis
Die Garmin-Connect-App bündelt Statistiken, Trainingsanalysen und Einstellungen, wird aber in einem Test als „komplex“ beschrieben, gerade für Einsteiger. Musikspeicher für Spotify und YouTube Music, Garmin Pay und Sprachbefehle runden die Software ab, wobei Garmin Pay laut mehreren Tests nur eingeschränkt verfügbar ist und einige Zusatzfunktionen ein optionales Garmin-Connect+-Abo für rund 9 Euro im Monat voraussetzen. Preislich liegt die Venu 4 bei rund 549 Euro UVP – ein Aufschlag von etwa 100 Euro gegenüber dem Einführungspreis der Venu 3, den mehrere Tester als deutlichen Sprung kritisieren. Damit positioniert sich die Uhr preislich näher an Garmins Sport-Flaggschiffen als an klassischen Lifestyle-Smartwatches.
Die Kompatibilität ist dabei ungewöhnlich breit: Anders als bei Apple funktioniert die Venu 4 vollständig sowohl mit Android- als auch mit iOS-Smartphones, inklusive Benachrichtigungen, Anrufannahme und Nachrichten-Vorschau. Für Nutzer, die zwischen den Betriebssystemen wechseln oder ein Android-Smartphone besitzen, aber trotzdem eine Premium-Smartwatch wollen, ist das ein handfester Vorteil gegenüber der Apple Watch, die vollständig ans iPhone gebunden bleibt.
Unser Fazit
Herzfrequenzmessung auf Referenzniveau, nur die fehlende Kartennavigation und der Preis bremsen die Begeisterung.
Die Garmin Venu 4 ist eine der überzeugendsten Kombinationen aus Alltags-Smartwatch und ernstzunehmender Sportuhr, die aktuell am Markt zu haben ist – mit einer Herzfrequenzmessung, die selbst erfahrene Tester überrascht. Wer regelmäßig läuft oder Kraftsport betreibt und dabei nicht auf ein elegantes Gehäuse verzichten will, bekommt hier ein rundes Gesamtpaket. Wer allerdings auf Kartennavigation für Wanderungen oder Bike-Touren angewiesen ist, sollte eher zur Fenix- oder Forerunner-Reihe greifen – und den happigen Preis im Hinterkopf behalten.
Besonders für Android-Nutzer, die bislang zwischen einer weniger sportlichen Galaxy Watch und einer reinen Sportuhr ohne Smartwatch-Komfort wählen mussten, schließt die Venu 4 eine echte Lücke. Ob der Aufpreis gegenüber der Venu 3 gerechtfertigt ist, hängt am Ende stark davon ab, wie viel einem die neuen Trainingstools und das hellere Display tatsächlich wert sind.
Diskutiert mit
Reicht euch eine Breadcrumb-Navigation ohne Kartenmaterial, oder ist echte Kartennavigation für euch ein Muss? Und: Lohnt sich der Aufpreis gegenüber der Venu 3 für euch persönlich, oder witzelt ihr bei 549 Euro schon über den Namen „Lifestyle-Uhr“?
