Baseus Blade 100W im Test: Flach wie ein Notebook, aber nicht immer so schnell wie versprochen
100 Watt auf der Verpackung, aber im Labor eines Tests kam am Ende nur ein Spitzenwert von 88 Watt an, im Alltag pendelte die Leistung meist zwischen 50 und 60 Watt. Ein anderer, unabhängiger Test ging noch einen Schritt weiter und maß bei einer eng verwandten Variante der Blade-Serie eine reale Energieausbeute von gerade einmal 50 Prozent der beworbenen Kapazität, deutlich unter dem, was für eine Powerbank dieser Preisklasse üblich wäre. Gleichzeitig loben fast alle anderen ausgewerteten Tests die Baseus Blade für ihre Alltagstauglichkeit und den ungewöhnlich flachen Formfaktor, ohne diese beiden kritischen Messungen überhaupt zu erwähnen. Zwischen Marketingversprechen und Messlabor liegt bei dieser Powerbank offenbar eine spürbare Lücke, die sich lohnt, genauer zu betrachten.
Die Kurzfassung für Eilige: Die Baseus Blade 100W ist eine der wenigen Powerbanks, die mit einer Dicke von nur rund 18 Millimetern tatsächlich in ein Laptopfach passt, und liefert damit einen Formfaktor, den kaum ein Konkurrenzprodukt bietet. Bei der tatsächlichen Ladeleistung und der nutzbaren Kapazität zeigen unabhängige Messungen aber deutliche Abweichungen von der Werbeaussage „100 Watt“, die man vor dem Kauf kennen sollte. Für alle, die primär Wert auf den schlanken Formfaktor und ein gutes Display legen, bleibt sie trotzdem eine der interessantesten Optionen am Markt.
Verarbeitung: der flachste Riegel im Testfeld
Das auffälligste Merkmal der Baseus Blade ist ihr Formfaktor: Mit einer Höhe von nur rund 18 Millimetern und Abmessungen von etwa 13,5 mal 16 Zentimetern gleicht sie eher einem Tablet als einer klassischen Powerbank. Ein Test beschreibt sie treffend als so flach, dass sie mühelos in ein Laptopfach oder eine dünne Notebooktasche passt, ein Formfaktor, für den es kaum eine echte Alternative mit vergleichbarer Kapazität gibt. Das Gewicht liegt je nach Ausführung zwischen rund 445 und 506 Gramm. Vier Gummifüße an der Unterseite verhindern laut mehreren Tests ein Verrutschen auf glatten Oberflächen. Ein Test bemängelt allerdings, dass die mitgelieferte Stofftasche beim ersten Gebrauch sichtbar fusselt, ein kleiner, aber nerviger Makel für ein sonst hochwertig wirkendes Zubehörteil.

Das Display: informativ, aber mit Einschränkungen
Auf der Oberseite sitzt ein LCD-Display, das Akkustand, aktuelle Wattzahl und teils auch eine Zeitschätzung anzeigt. Ein Test kritisiert zwei praktische Schwächen: Zum einen lässt sich das Display nicht abschalten, was bei nächtlicher Nutzung stören kann, zum anderen sind die kleinen Beschriftungen auf dem Display teils schwer lesbar. Ein zweiter Test stößt auf ein funktionales Problem, das bei gleichzeitiger Nutzung mehrerer Geräte auffällt: Sind mehrere Ports gleichzeitig belegt, zeigt das Display nur die Werte eines einzelnen, scheinbar zufällig ausgewählten Anschlusses an, nicht die Summe aller aktiven Ladevorgänge. Wer also genau wissen will, wie viel Leistung insgesamt gerade fließt, muss mit dieser Unschärfe leben.
Ladeleistung: 100 Watt auf dem Papier, weniger im Labor
Hier zeigt sich die größte Diskrepanz zwischen Werbeversprechen und Messergebnis. Ein unabhängiger Test mit einem leistungshungrigen Testlaptop kam auf einen Spitzenwert von rund 88 Watt, der Großteil der Ladezeit bewegte sich die Leistung eher im Bereich von 50 bis 60 Watt, abhängig vom jeweils angeschlossenen Gerät. Das ist für die meisten schlanken Notebooks weiterhin ausreichend schnell, bleibt aber unter der prominent beworbenen Zahl 100. Andere Tests bestätigen zumindest die grobe Größenordnung mit konkreten Prozentangaben: Innerhalb von 30 Minuten Ladezeit gewann ein MacBook Air M1 37 Prozent, ein iPhone 15 57 Prozent und ein iPad Pro 30 Prozent hinzu, Werte, die ein Test für die Geräteklasse als beachtlich einordnet. Ein weiterer Test bestätigte mit einem MacBook Pro 14 Zoll einen Ladefortschritt von rund 47 Prozent in einer halben Stunde.
Bei der gleichzeitigen Nutzung mehrerer USB-C-Geräte fand ein Test zudem gelegentliche Aussetzer: Beim parallelen Laden eines Galaxy S22 und eines Surface Laptop kam es im Test mitunter zu Kommunikationsproblemen zwischen den Geräten und der Powerbank, ein Verhalten, das nicht bei jedem Testdurchlauf reproduzierbar war, aber immerhin dokumentiert wurde.
Die Kapazitätsfrage: eine kritische deutsche Messung sticht heraus
Der auffälligste Einzelbefund stammt von einem deutschen Test, der eine eng verwandte, kompaktere Variante der Blade-Serie mit identischen technischen Eckdaten unter die Lupe nahm. Das Ergebnis: Von den beworbenen 20.000 mAh kamen bei den angeschlossenen Geräten real nur etwa 50 Prozent an, ein für die Geräteklasse ausgesprochen schwacher Wert. Zum Vergleich: Bei guten Powerbanks gelten Werte um 80 Prozent als solide, alles darüber als überdurchschnittlich. Der Test bewertet diesen Befund als so gravierend, dass er den ansonsten einzigartigen, besonders flachen Formfaktor und die ordentliche Ausgangsleistung nicht aufwiegen kann, und stuft den Preis von rund 77 Euro angesichts dieser Effizienz als klar zu hoch ein. Ergänzend bemängelt derselbe Test die Verarbeitungsqualität: Das verwendete Plastikgehäuse sei anfällig für Kratzer.
Interessant ist der Kontrast zu einem neueren Test einer weiterentwickelten Blade-Variante desselben Herstellers, der dort ausdrücklich eine „exzellente Effizienz“ attestiert. Das deutet darauf hin, dass Baseus das Effizienzproblem bei neueren Modellgenerationen zumindest teilweise in den Griff bekommen haben könnte, für die hier getestete Blade 100W beziehungsweise ihre kompakte HD-Variante gilt der schwache Wert aber offenbar weiterhin.
Wiederaufladen und Alltagstauglichkeit
Das Wiederaufladen der Powerbank selbst dauert laut mehreren Tests rund anderthalb Stunden bei voller Eingangsleistung von 65 Watt über USB-C. Ein Test, der die Blade mit einem Gaming-Handheld kombinierte, das im Betrieb zwischen 30 und 65 Watt zieht, kam auf gut zwei zusätzliche Betriebsstunden, bei einem durchgehend mit vollen 100 Watt geladenen Notebook war die Powerbank hingegen laut demselben Test bereits nach rund 40 Minuten leer, ein Hinweis darauf, wie schnell die hohe Ausgangsleistung die Kapazität aufzehrt.
Unser Fazit
Die Baseus Blade 100W bleibt in erster Linie ein Formfaktor-Champion: Kein anderes Produkt in dieser Kapazitätsklasse passt so unauffällig in ein Laptopfach. Wer diesen Vorteil zu schätzen weiß und mit einer Ladeleistung leben kann, die im Alltag eher bei 50 bis 90 statt durchgehend bei 100 Watt liegt, bekommt ein solides, wenn auch nicht perfektes Produkt. Der von einem Test gemessene, ausgesprochen niedrige Effizienzwert von nur 50 Prozent bei der kompakteren HD-Variante ist dagegen ein ernstzunehmendes Warnsignal, das in der sonst überwiegend positiven Berichterstattung praktisch untergeht. Wer maximale Energieausbeute pro eingesetztem Euro sucht, findet bei anderen Herstellern derzeit die verlässlicheren Werte, wer dagegen den flachen Formfaktor unbedingt braucht, muss diesen Kompromiss bewusst eingehen.
Wie seht ihr das?
Ist euch der schlanke Formfaktor eine schwächere Energieausbeute wert, oder würdet ihr lieber eine dickere, aber effizientere Powerbank kaufen? Und habt ihr selbst schon Erfahrungen mit der Diskrepanz zwischen beworbener und tatsächlicher Ladeleistung gemacht? Schreibt es uns in die Kommentare.
