Zendure SolarFlow 2400 Pro im Test: Wenn das Balkonkraftwerk erwachsen wird
28 Kilogramm. So viel wiegt allein die Basiseinheit des Zendure SolarFlow 2400 Pro – und das ist eigentlich schon die ganze Geschichte. Was Hersteller noch immer als „Balkonkraftwerk-Speicher“ verkaufen, ist hier längst ein kleiner Heimspeicher geworden, der bloß zufällig noch in eine Schuko-Steckdose passt. Wir haben acht deutsche Testberichte durchgearbeitet und geschaut, ob das Konzept aufgeht oder ob Zendure hier am Bedarf vorbei baut.
Vorweg: Die Tester sind sich beim Gerät selbst erstaunlich einig. Uneinig sind sie beim Drumherum – und genau da wird es interessant.
Das Wichtigste in Kürze
Der SolarFlow 2400 Pro bringt 2,4 kWh LiFePO4-Speicher mit, lässt sich über AB3000L-Module auf bis zu 16,8 kWh ausbauen und nimmt über vier MPPT-Eingänge bis zu 3.000 Watt PV-Leistung auf. Preis: rund 1.099 bis 1.199 Euro für die Basis, jede Zusatzbatterie kostet nochmal 500 bis 700 Euro. Die UVP liegt bei 1.199 Euro, Aktionspreise gehen runter bis etwa 999 Euro.
Vier MPPT statt zwei: der eigentliche Grund für „Pro“
Der Unterschied zum baugleichen Schwestermodell SolarFlow 2400 AC+ ist überschaubar, aber entscheidend: Nur die Pro-Version hat DC-Eingänge für Solarmodule. Der AC+ kann ausschließlich über die Steckdose geladen werden und ist damit eine reine Nachrüstlösung für bestehende Dach-PV-Anlagen – für rund 200 bis 300 Euro weniger.
Vier separate MPPT-Tracker sind in dieser Geräteklasse Luxus. Der praktische Nutzen zeigt sich bei Teilverschattung: Ein Modul im Schatten zieht nicht die anderen mit runter. Notebookcheck hebt außerdem die niedrige Startspannung von 14 Volt hervor, die in der Dämmerung noch ein paar Prozent Ertrag herausholt. Rechnerisch lassen sich je nach Modulleistung rund acht Panels anschließen.
Einen Dämpfer liefert wattmoves: Pro MPPT-Eingang seien in der Praxis nur etwa 660 Watt nutzbar. Wer ein größeres, in Reihe geschaltetes Modulfeld direkt anklemmen will, stößt damit schneller an Grenzen, als die 3.000-Watt-Angabe vermuten lässt.
800 oder 2.400 Watt? Hier widersprechen sich die Tests
Das ist der Punkt, an dem man genau hinschauen muss. HouseControllers formuliert es kategorisch: Die Einspeisung ins Hausnetz sei in Deutschland auf 800 Watt begrenzt, für Laden wie Entladen, und das betreffe alle Balkonspeicher.
home&smart und Notebookcheck sehen das differenzierter – und wir halten diese Darstellung für die genauere. Im Auslieferungszustand liefert das Gerät tatsächlich nur 800 Watt und muss dann lediglich im Marktstammdatenregister angemeldet werden. Wer die vollen 2.400 Watt will, verlässt aber das Plug-and-Play-Regime: Nötig sind ein Festanschluss durch eine Elektrofachkraft an einen eigenen Leitungsschutzschalter und eine Anmeldung als Speicherwechselrichter. Die Freischaltung selbst passiert in der App.
Praktisch heißt das: Wer das Gerät nur in die Steckdose steckt, bezahlt einen Premium-Preis für Leistung, die er nie abruft. Das sollte man vor dem Kauf wissen.

Effizienz: gut, aber nicht überall gleich gut
Hier gehen die Messwerte weiter auseinander, als man erwarten würde. Notebookcheck maß im AC-Rundlauf knapp 90 Prozent – also das, was von netzgeladener Energie wieder herauskommt. heise online kommt bei 800 Watt Einspeiseleistung auf rund 98 Prozent, misst beim Laden über die Steckdose aber etwa 18 Prozent Umwandlungsverluste.
Das ist kein echter Widerspruch, sondern eine Frage dessen, was gemessen wird: Die Entladeseite arbeitet sehr sauber, die AC-Ladeseite kostet spürbar. Relevant wird das ausgerechnet beim Thema, mit dem Zendure am lautesten wirbt – dynamische Stromtarife. home&smart rechnet vor, dass sich Netzladen erst lohnt, wenn der Preisunterschied zwischen günstigster und teuerster Stunde deutlich über 20 Prozent liegt. Darunter frisst die Umwandlung den Gewinn.
Für die klassische Eigenverbrauchsoptimierung mit eigener PV ist das unkritisch, weil dort kaum aus dem Netz geladen wird. Der Standby-Verbrauch fällt laut Notebookcheck mit wenigen Watt gering aus.
App, ZENKI und die Sache mit dem Smart Meter
Die Zendure-App bekommt durchweg gute Noten: aufgeräumte Energiefluss-Darstellung, Erklärtexte zu fast jeder Einstellung, Setup in unter zehn Minuten. Sechs Betriebsmodi stehen zur Wahl, aufgeteilt in eine Einsteiger- und eine Expertenebene – vom KI-Autopiloten ZENKI über Smart-Meter- und Grundlastmodus bis zum reinen Stromtarifmodus. Immer nur einer davon ist aktiv.
Ein Punkt zieht sich durch praktisch alle Tests: Ohne Smart Meter bleibt das halbe System ungenutzt. Erst mit einem Shelly Pro 3EM oder dem Zendure-eigenen D0-Auslesekopf (rund 80 Euro) kann der Speicher auf den tatsächlichen Hausverbrauch reagieren und Nulleinspeisung fahren. energienerds hat beides gegeneinander gemessen und fand den D0-Zähler minimal präziser an der Nulllinie. Das Tibber-Smart-Meter wird laut HouseControllers derzeit nicht unterstützt.
Zendures KI-Steuerung ZENKI konnte im Übrigen keine der ausgewerteten Redaktionen abschließend bewerten – meist fehlte schlicht der dynamische Stromtarif im Testhaushalt. Wir würden dieses Feature deshalb beim Kauf nicht einpreisen.
Offen fürs Smart Home – mit einem Haken
Für Bastler ist der MQTT-Support das stärkste Argument: Home Assistant und ioBroker binden das System lokal ein, ganz ohne Cloud. Dazu kommt ein LAN-Port, was bei Balkonspeichern eine echte Seltenheit ist. 5-GHz-WLAN unterstützt das Gerät allerdings nicht, es braucht ein 2,4-GHz-Netz oder eben Kabel.
Der Haken: Solange MQTT aktiv ist, funktioniert die Steuerung über die Zendure-App nicht mehr. Entweder-oder. Wer Homey nutzt, ist zusätzlich auf die Community-App „Zendure Local“ angewiesen, weil die offizielle Integration bislang nur die Hyper-2000-Serie abdeckt.
Verarbeitung, Notstrom, Lautstärke
Solide bis sehr gut, sagen alle. IP65, passive Kühlung, ein Aerosol-Brandschutzsystem, das bei Übertemperatur auslöst – Letzteres ist in dieser Preisklasse nicht selbstverständlich und für den Betrieb im Keller oder in der Garage durchaus relevant. Zendure gibt zehn Jahre Garantie auf den Akku und fünf auf den Wechselrichter.
Bei der Notstromfunktion lohnt eine Präzisierung, die HouseControllers sauber herausarbeitet: Die Off-Grid-Schuko-Steckdose liefert bis zu 2.400 VA, versorgt aber ausschließlich die direkt daran angeschlossenen Geräte. Das ist Ersatzstrom für Router, Kühlschrank und Lampe – keine automatische Absicherung des Hausnetzes.
Und noch ein kleiner Widerspruch zum Schluss: HouseControllers und home&smart beschreiben den Betrieb als lautlos. wattmoves hörte bei häufigen Lastwechseln ein deutliches Relais-Klacken. Im Hauswirtschaftsraum egal, im Wohnzimmer nicht. home&smart bemängelte außerdem an einem einzelnen MC4-Stecker eine zu kurze Ummantelung, ordnet das aber selbst als Einzelfall ein.
Unser Fazit
Der SolarFlow 2400 Pro ist ein technisch ausgereiftes Gerät ohne echte Schwachstelle – und trotzdem nicht für jeden die richtige Wahl. Er entfaltet sein Potenzial erst, wenn mehrere Dinge zusammenkommen: viel PV-Leistung, ein Smart Meter, hoher Haushaltsverbrauch und idealerweise ein Festanschluss durch eine Elektrofachkraft. Wer nur zwei Module am Balkon hat und die 800-Watt-Grenze nie ausreizt, zahlt hier für Reserven, die er nicht anfasst. Für diesen Fall verweist selbst home&smart auf den deutlich günstigeren SolarFlow 800 Pro.
Der Preis ist der wunde Punkt. heise rechnet rund 360 Euro pro Kilowattstunde vor, und Zusatzbatterien mit 500 bis 700 Euro pro 2,88 kWh drücken diesen Wert kaum. Amortisation ist hier eine sehr individuelle Rechnung – die Herstellerangabe von bis zu 2.121 Euro jährlicher Ersparnis dürfte in keinem realen Haushalt erreichbar sein.
Was uns überzeugt, ist die Offenheit. LAN-Port, MQTT, lokale Steuerung ohne Cloud, Kompatibilität mit Fremd-Smart-Metern: Das ist in einem Markt, der zunehmend auf geschlossene Ökosysteme setzt, mehr wert als jede KI-Funktion. Wer sein Energiemanagement selbst in der Hand haben will und langfristig ausbauen möchte, bekommt hier eine Basis, die nicht nach zwei Jahren zur Sackgasse wird.
Wie seht ihr das?
Uns interessiert vor allem eine Frage: Habt ihr eure Anlage tatsächlich per Elektriker auf 2.400 Watt hochgestuft – oder läuft sie bei euch im 800-Watt-Plug-and-Play-Modus? Und für alle, die schon einen dynamischen Stromtarif nutzen: Rechnet sich das Netzladen bei euch trotz der Umwandlungsverluste? Schreibt es in die Kommentare, wir sind gespannt auf eure Zahlen aus der Praxis.
