Dreame X60 Pro Ultra Complete im Test: 98 von 100 Punkten – und trotzdem nur Platz zwei
Zwei deutsche Redaktionen, dasselbe Gerät, derselbe Testzeitraum – und zwei ziemlich verschiedene Urteile. home&smart gibt dem Dreame X60 Pro Ultra Complete 98 von 100 Punkten und nennt ihn das technisch führende Gerät des Jahrgangs. Netzwelt vergibt eine 1,5, lobt Saugen und Wischen in höchsten Tönen – und lässt ihn trotzdem am ersten Platz vorbeischrammen. Der Grund ist in beiden Tests derselbe: die Navigation.
Wir haben 16 Testberichte aus Deutschland, Frankreich, Schweden und dem internationalen Raum durchgearbeitet. Das Bild, das sich daraus ergibt, ist ungewöhnlich klar – und ungewöhnlich zwiespältig.
Das Wichtigste in Kürze
Der X60 Pro Ultra Complete ist seit dem 5. Juni 2026 in Deutschland erhältlich und kostet 1.499 Euro (UVP). Er saugt mit 42.000 Pa so stark wie kein anderer Saug-Wisch-Roboter, fährt Seitenbürste und Wischmopp per Roboterarm bis zu 12 beziehungsweise 18 Zentimeter aus und klettert – zumindest laut Datenblatt – über Doppelschwellen von zehn Zentimetern. Die Hardware ist Spitzenklasse. Die Software war es zum Marktstart nicht.
Der Arm ist der eigentliche Kaufgrund
Fangen wir mit dem an, worüber sich wirklich alle Tester einig sind. Saugroboter versagen seit jeher an Ecken, Fußleisten und zwischen Stuhlbeinen – da kommt ein runder Korpus nun mal nicht hin. Dreame löst das mit dem „Dual UltraExtend“-System: Die Seitenbürste schwenkt bis zu 12 cm zur Seite, der rechte Wischmopp sitzt auf einem doppelt gelenkigen Arm und fährt bis zu 18 cm aus.
Netzwelt beschreibt, dass der Roboter damit besonders bei eng stehenden Tisch- und Stuhlbeinen Bereiche erreicht, die für bisherige Modelle schlicht unerreichbar waren. testit.de formuliert es noch deutlicher und nennt die Eckenreinigung die gründlichste, die die Redaktion bislang gemessen hat. Und home&smart hebt ein Detail hervor, das im Alltag den Unterschied macht: Am ausfahrbaren Mopp sitzt ein eigener Sensor, der prüft, ob der Arm überhaupt in eine Lücke passt, bevor er sich dort verkeilt.
Praktischer Nebeneffekt für Haushalte mit flachen Möbeln: Mit eingezogenem LiDAR-Turm misst der Roboter nur 8,9 Zentimeter. Unter einem zehn Zentimeter hohen Couchtisch fährt er in mehreren Tests problemlos durch. Ein Hinweis, der sich in gleich zwei Testberichten findet: Der optionale Fußleisten-Pinsel muss dafür ab, sonst passt er nicht mehr drunter.

Saugen und Wischen: stark – mit einer Teppich-Delle
42.000 Pascal sind eine Ansage, und auf Hartboden zahlt sie sich aus. Netzwelt schüttete 30 Gramm Testschmutz aus und bekam alle 30 Gramm zurück, und zwar schon im ersten Durchgang. testen-mit-kopf.de misst 99,7 Prozent Aufnahme auf Hartboden und 85,5 Prozent auf schwierigem Sisalteppich.
Bei Teppichen wird das Bild uneinheitlich, und das ist ein Punkt, den man vor dem Kauf kennen sollte. testit.de bescheinigt dem X60 das beste Hochflor-Ergebnis, das die Redaktion je gemessen hat – schwächelte aber ausgerechnet auf einem mittelflorigen Teppich beim Haferflocken-Test. Netzwelt kommt auf einem dichten Badvorleger nur auf 19,9 von 30 Gramm, weil der Roboter beim Auffahren wiederholt die Teppichecken umschlägt und diese Stellen dann nicht mehr sauber absaugt. Unterm Strich: eine glatte Zwei statt der erwarteten Bestnote.
Beim Wischen gibt es dagegen kaum Widerspruch. Die beiden rotierenden Pads drücken mit 15 Newton auf den Boden, werden im Dock auf rund 40 Grad vorgewärmt und lösen laut Netzwelt eingetrocknete Quark-, Kaffee- und Ketchupflecken rückstandslos. Interessant: In diesem Test schlug die Fleckenerkennung gar nicht an – der Roboter wurde trotzdem fertig, weil die drei regulären Wischdurchgänge ausreichten.
Zehn Zentimeter klettern? Kommt drauf an
Hier lohnt sich ein genauer Blick, weil die Marketingzahl in der Praxis eine andere Bedeutung hat als auf dem Karton. Die zehn Zentimeter beziehen sich auf eine Doppelschwelle, also zwei direkt aufeinanderfolgende Stufen von je etwa fünf Zentimetern, wie man sie an Terrassentüren findet. Für eine einzelne Schwelle gibt Dreame rund 5,2 Zentimeter an.
Und die Tests? home&smart kam im eigenen Testaufbau auf knapp vier Zentimeter, mehr gab die Wohnung nicht her. Netzwelt schaffte im Test sogar 6,8 Zentimeter am Stück – deutlich über der Herstellerangabe. testit.de dagegen berichtet, dass Türschwellen ab fünf Zentimetern nur mit Rampe zuverlässig genommen wurden. Drei Redaktionen, drei Ergebnisse. Das spricht dafür, dass Anlauf, Bodenbelag und Kantenform hier mehr ausmachen als der Datenblattwert. Wer eine konkrete Schwelle im Kopf hat, sollte also lieber mit fünf Zentimetern kalkulieren als mit zehn.
Ein cleveres Detail nennt Netzwelt noch: Es gibt einen asynchronen Klettermodus, bei dem der Roboter Schienen von Schiebetüren erst mit einem, dann mit dem anderen Rad überwindet, statt sich mittig aufzusetzen.
Die Schwachstelle: Navigation und Firmware
Das ist der Punkt, an dem sich die Tests reiben – und der einzige, der die Kaufentscheidung wirklich kippen kann.
Netzwelt kritisiert eine übervorsichtige Wegplanung: Enge Passagen fährt der X60 gar nicht erst an, obwohl er problemlos durchpassen würde. Entlang gerader Kanten korrigiert er den Kurs so oft, dass bis zu zwei Zentimeter breite ungereinigte Streifen zurückbleiben. Die Fleckenerkennung sprang im Test überhaupt nicht an – ausgerechnet eine Disziplin, in der Dreame bisher glänzte.
Noch drastischer liest sich der Befund von smarthomeassistent.de: Im ersten Durchlauf ließ der Roboter einen kompletten Bereich des Testraums aus. Die Redaktion hat später mit aktualisierter Firmware nachgetestet – und kommt zu einem deutlich besseren Urteil. Saugen, Wischen und Fleckenerkennung legten spürbar zu, die Navigation wurde besser, aber nicht perfekt. Als bleibenden Hauptkritikpunkt nennt die Redaktion die Zuverlässigkeit.
Das ist eine wichtige Information für Käufer: Wer das Gerät auspackt, sollte als Erstes ein Firmware-Update ziehen. Ohne läuft der X60 spürbar unter seinen Möglichkeiten. Auch home&smart, das freundlichste Urteil im Feld, notiert, dass der Roboter sich unter niedrigen Möbeln langsamer orientiert und gelegentlich Gegenstände anstupst.
Station, Akku und das 100-Grad-Versprechen
Die Basisstation nimmt einem fast alles ab: absaugen, Mopps waschen, mit Warmluft trocknen, Reinigungsmittel selbstständig dosieren. Nur Frisch- und Schmutzwassertank muss man selbst befüllen und leeren. Der Lieferumfang ist bemerkenswert – „Complete“ bedeutet hier Verschleißteile für etwa ein Jahr, inklusive einer Literflasche Bodenreiniger, Ersatzbürsten, Filtern und mehreren Staubbeuteln.
Beim beworbenen 100-Grad-Waschgang lohnt sich Skepsis. testit.de hat nachgemessen und kam auf 30 Grad an den Wischpads und bis zu 56 Grad in der Station selbst. Die Redaktion ordnet das fair ein: Bislang hat kein Saugroboter mit dieser Werbeangabe die 100 Grad im Test tatsächlich erreicht. Auch der französische Test von lavelab.com kommt zum Ergebnis, dass die Mopps nach dem Waschgang nicht restlos sauber waren. Die Funktion hilft, sie ist nur nicht das Sterilisationswunder aus dem Prospekt.
Beim Akku gibt es wenig zu meckern: testen-mit-kopf.de misst 2 Stunden 23 Minuten Laufzeit und rund 210 Quadratmeter mit einer Ladung, bei einer vollen Ladezeit von 1 Stunde 38 Minuten. Dazu kommt eine 11-Ampere-Schnellladung, die den Akku in gut fünf Minuten um rund ein Viertel auffüllt – bei größeren Wohnungen verkürzt das die Gesamtreinigungszeit spürbar.
Preis, Varianten und der Modellname-Dschungel
1.499 Euro UVP, im Handel inzwischen ab etwa 1.480 Euro, in Aktionen laut testit.de teilweise zwischen 1.200 und 1.300 Euro. Das ist Premium ohne Wenn und Aber.
Aufpassen sollte man beim Namen, denn Dreame hat das Portfolio 2026 reichlich unübersichtlich gestaltet. Neben dem hier besprochenen X60 Pro Ultra Complete gibt es den X60 Pro Master mit Festwasseranschluss sowie den X60 Pro Ultra Matrix und Matrix Vision mit Moppwechselstation. Alle vier sind laut Hersteller mit dem optionalen Cyber-X-Modul kompatibel, das den Roboter Treppen hinauftransportieren soll. Verwechslungsgefahr besteht außerdem mit dem X60 Max Ultra Complete und dem X60 Ultra, die vor allem in den USA vertrieben werden und mit 35.000 Pa arbeiten – also nicht dasselbe Gerät sind.
Eine Randnotiz, die eher amüsant als kaufentscheidend ist: Auch bei einer Zahl sind sich die Tests nicht einig. Fast alle Quellen nennen 42.000 Pa, Netzwelt schreibt von einer Steigerung auf 45.000 Pascal. Wir gehen von 42.000 Pa aus, weil das die überwiegend genannte Herstellerangabe ist.
Unser Fazit
Der Dreame X60 Pro Ultra Complete ist ein Gerät, bei dem die Hardware der Software um mindestens ein Update voraus ist. Der ausfahrbare Wischarm ist keine Spielerei, sondern löst ein Problem, an dem Saugroboter seit einem Jahrzehnt scheitern – und er tut das laut den ausgewerteten Tests besser als alles andere auf dem Markt. Saugleistung, Wischergebnis, Ausstattung und Station spielen ebenfalls ganz oben mit.
Der Haken ist genauso deutlich. Die Navigation war zum Marktstart nicht auf Flaggschiff-Niveau: übervorsichtige Wegplanung, unsaubere Kantenfahrten, in einem Test sogar ein komplett ausgelassener Raumbereich. Dass ein Nachtest mit aktueller Firmware deutlich besser ausfällt, ist die gute Nachricht – aber es zeigt eben auch, dass man hier ein Gerät kauft, das sich noch entwickelt. Bei 1.499 Euro darf man das kritisch sehen.
Wer sich den X60 holen sollte: Haushalte mit vielen Ecken und Möbelbeinen, Altbauwohnungen mit hohen Schwellen, Familien mit Haustieren oder langen Haaren. Wer die Finger davon lassen sollte: alle, die einfach nur einen zuverlässigen Boden-Sauber-Macher wollen und dafür keine 1.500 Euro ausgeben möchten. Der Vorgänger X50 Ultra Complete oder das Schwestermodell MOVA V70 Ultra Complete leisten in vielen Wohnungen praktisch dasselbe – für spürbar weniger Geld.
Wie seht ihr das?
Jetzt interessiert uns eure Sicht. Würdet ihr für gründlich gereinigte Ecken und Kanten wirklich 1.500 Euro ausgeben – oder ist das der Punkt, an dem ein Saugroboter für euch schlicht zu teuer wird? Und falls ihr den X60 Pro Ultra Complete schon zu Hause habt: Hat das Firmware-Update die Navigationsprobleme bei euch tatsächlich behoben, oder lässt er immer noch Bereiche aus? Schreibt es in die Kommentare – gerade bei diesem Gerät sind Praxiserfahrungen aus dem echten Wohnzimmer besonders wertvoll.
