Soundcore Motion+ im Test: Der Dauerbrenner, der erst mit der Bass-Taste aufwacht
Symbolbild SoundGuys hat den Akku des Soundcore Motion+ 16 Stunden und 13 Minuten laufen lassen. TechRadar war nach fünf bis sechs Stunden am Ende. Beide haben richtig gemessen, nur eben bei völlig unterschiedlicher Lautstärke. Solche Widersprüche ziehen sich durch die Testberichte zu Ankers Bluetooth-Lautsprecher, der seit 2019 auf dem Markt ist und sich bis heute als Verkaufsschlager hält. Wir haben 15 Tests aus Deutschland, Großbritannien und den USA ausgewertet und klären, ob sich die Box sieben Jahre nach dem Start noch lohnt.
Auf einen Blick
Der Motion+ klingt für seine Preisklasse detailreich und kräftig, aber nur mit aktiviertem BassUp-Modus oder angepasstem Equalizer. Ohne Bass-Boost finden ihn mehrere Tester dünn. Verarbeitung, Wasserschutz und Akkulaufzeit überzeugen fast durchgehend. Weil die Box ihren Klang nach vorne abstrahlt und nicht rundum, eignet sie sich besser für den Schreibtisch oder die Küche als für die Grillparty im Kreis.
Gebaut wie ein Ziegelstein, im guten Sinne
Bei der Verarbeitung gibt es keinen einzigen kritischen Test. Hifi.de beschreibt den Lautsprecher als äußerst solide, Techtest.org nennt das Gehäuse über jeden Zweifel erhaben, Caschys Blog spricht von sauberer Verarbeitung. Das hat seinen Preis: Mit 1,05 Kilogramm ist der Motion+ schwerer, als man es bei der Größe erwarten würde. SoundGuys hält ihn deshalb eher für den Einsatz zuhause, TechRadar rät davon ab, ihn auf Reisen mit Gewichtslimit mitzunehmen.
Die gummierte Oberfläche fühlt sich hochwertig an, zieht aber Fingerabdrücke an. Das bemängeln Techtest.org, Caschys Blog, hifi.de und der Langzeittester von elomymelo übereinstimmend. Der Wasserschutz nach IPX7 erlaubt kurzes Untertauchen, gegen Staub ist die Box laut SoundGuys aber nicht zertifiziert. Für den Strand ist das ein Argument gegen sie.
Ein Detail, das Caschys Blog anspricht: Der Metallgrill auf der Vorderseite ist die einzige ungepolsterte Fläche. Fällt die Box darauf, dürfte sie Beulen davontragen.

Der Klang: Ohne BassUp fehlt etwas
Hier liegt der eigentliche Streitpunkt, und er dreht sich fast immer um eine Taste. Im Auslieferungszustand ist der BassUp-Modus laut Techtest.org bereits aktiv, und das hat einen Grund. Schaltet man ihn ab, klingt der Motion+ nach Einschätzung von hifi.de dünn und etwas fade, Techtest.org findet den Bass dann für einen so großen Lautsprecher recht schwach. SoundGuys bestätigt das mit Messungen: Der Bassbereich ist ohne Boost leicht unterbetont, Tiefbass unter 50 Hertz praktisch nicht vorhanden. Mit BassUp liegen die Frequenzen zwischen 55 und 100 Hertz dann 10 bis 15 Dezibel über den Mitten, was SoundGuys für den Außeneinsatz ausdrücklich empfiehlt.
Ganz anders sieht das TechHive. Der Tester fand den BassUp-Modus für die meisten Songs übertrieben dröhnend und schätzte stattdessen die soliden Mitten. Caschys Blog geht noch weiter und nennt BassUp einen Marketing-Gag. Besser sei es, sich in der App einen eigenen Equalizer zu bauen. Beide Positionen lassen sich versöhnen: Wer BassUp nicht mag, kommt um die Soundcore-App nicht herum, denn der Grundklang ohne Hilfe überzeugt kaum jemanden.
Mit der richtigen Einstellung loben fast alle den Klang. Heise kürte den Motion+ zum Preis-Leistungs-Sieger und hebt hervor, dass er auch bei hoher Lautstärke verzerrungsfrei bleibt. TechRadar hörte auch bei hohen Pegeln eine klare Wiedergabe ohne Verzerrung, hifi.de von einem detailreichen, runden und kräftigen Sound. Der Langzeittester von elomymelo nennt ihn den detailreichsten Lautsprecher, den er in diesem Budget gehört hat.
Kleinere Kritik gibt es an den Höhen. Techtest.org hält sie für den Schwachpunkt und hätte von zwei separaten Hochtönern mehr erwartet, TechHive wünscht sich mehr Feinzeichnung im oberen Bereich. RTINGS misst bei maximaler Lautstärke Kompressionsartefakte, hifi.de hört kurz vor der Leistungsgrenze unangenehme Verzerrungen. Das widerspricht nicht zwingend heise und TechRadar, denn es geht um den allerletzten Teil des Lautstärkereglers.
Beim Vergleich mit der Konkurrenz ist das Bild uneinheitlich. TechRadar bescheinigt der damaligen JBL Charge 4 mehr Bass. Caschys Blog stellte fest, dass der Ultimate Ears Megablast und sogar der kleinere Blast den Motion+ bei Lautstärke und Bass übertreffen, der Megablast war allerdings auch spürbar teurer.
Achtung, Richtungsabhängig
Ein Punkt, den viele Käufer laut Caschys Blog unterschätzen: Alle Treiber zeigen nach vorne, leicht um 15 Grad nach oben geneigt. Direkt vor der Box ergibt sich ein echter Stereoeffekt, seitlich oder dahinter leidet der Klang laut hifi.de deutlich. Caschys Blog beschreibt, wie derselbe Song im Bett großartig klang und am nächsten Tag auf dem Schreibtisch plötzlich flach. Der Grund war allein die Aufstellung.
Techtest.org macht eine interessante Beobachtung in die andere Richtung: Zwei Schritte zurück klingt der Motion+ voller und tiefer. Für die Grillparty, bei der Leute rund um die Box stehen, halten Caschys Blog und hifi.de trotzdem einen 360-Grad-Lautsprecher für den besseren Kompromiss. Wer zwei Motion+ besitzt, kann sie als Stereopaar koppeln, was laut TechRadar und SoundGuys deutlich mehr Volumen bringt.
Akku: Zwischen 5 und 16 Stunden ist alles drin
Anker verspricht bis zu zwölf Stunden. Die Messwerte der Tests liegen weit auseinander, lassen sich aber gut erklären. SoundGuys kam bei moderater Lautstärke auf 16 Stunden und 13 Minuten, RTINGS auf 15,5 Stunden. Caschys Blog und Techtest.org halten die zwölf Stunden für realistisch, smartzone.de lobt eine starke Akkuleistung. Am anderen Ende stehen TechRadar mit fünf bis sechs Stunden bei maximaler Lautstärke und The Technology Man mit etwa sechs Stunden, gemessen überwiegend nahe am Maximum. Heise bewertet die Laufzeit nur als durchschnittlich.
Langsam ist das Aufladen. Die Angaben reichen von drei bis vier Stunden bei TechRadar über 3,4 Stunden bei RTINGS bis zu fünf bis sechs Stunden bei hifi.de. Ein Netzteil liegt laut china-gadgets.de nicht bei, nur ein USB-C-Kabel.
Was die Box kann und was nicht
Bei der Ausstattung widersprechen sich die Tests erstaunlich oft, und das betrifft ganz handfeste Funktionen. TechRadar schreibt, der Motion+ könne mit seinem 6700-mAh-Akku als Powerbank fürs Handy dienen. SoundGuys und der Langzeittester von elomymelo sagen das Gegenteil: Eine Ladefunktion für andere Geräte gibt es nicht. Nach unserem Stand haben SoundGuys und elomymelo recht.
Ähnlich beim Mikrofon. SoundGuys beschreibt ein eingebautes Mikrofon für Telefonate und Sprachassistenten, die Tonqualität fürs Gegenüber sei aber mäßig. Hifi.de listet in den technischen Daten dagegen kein Mikrofon, Caschys Blog vermisst eine Sprachsteuerung. Auch beim Codec gibt es Uneinigkeit: Heise nennt aptX und AAC, SoundGuys verneint AAC ausdrücklich. Unstrittig ist aptX für Android-Geräte, iPhones nutzen den Standard-Codec SBC.
Beim Hi-Res-Siegel wird hifi.de deutlich und spricht von Etikettenschwindel. Der Frequenzgang bis 40 Kilohertz erfülle zwar auf dem Papier die Anforderungen, über Bluetooth mit aptX komme aber nur CD-Qualität an. Für eine Box dieser Größe sei das ohnehin egal.
Unstrittig sind dagegen der 3,5-mm-Klinkeneingang, USB-C, die Stereokopplung und laut SoundGuys Bluetooth-Multipoint für zwei Geräte. Die Verbindung hielt bei china-gadgets.de stabil über etwa 20 Meter. Die App beschränkt sich auf Equalizer, Updates und Grundfunktionen, was Heise als Schwäche und hifi.de als angenehm schnörkellos wertet.
Einordnung
Klingt erst mit Bass-Taste richtig gut, hält dann aber locker einen ganzen Tag durch.
Der Motion+ ist eine dieser Boxen, die man nach sieben Jahren immer noch empfehlen kann, wenn man weiß, worauf man sich einlässt. Klang, Verarbeitung und Akku stimmen, sofern man BassUp nutzt oder einmal den Equalizer einstellt. Die Box ist schwer, strahlt nach vorne ab und hat keine Powerbank-Funktion, egal was manche Testberichte behaupten.
Das Alter merkt man an anderer Stelle. Soundcore hat inzwischen Nachfolger wie die Motion 300 oder die Motion X500 und X600 im Programm, die etwa den hochauflösenden LDAC-Codec beherrschen. SoundGuys empfiehlt Klangliebhabern deshalb, zu einem der neueren Modelle zu greifen. Für den Motion+ spricht vor allem der Preis: Zum Start kostete er 99,99 Euro, im Handel ist er regelmäßig deutlich günstiger zu finden (Preise schwanken, Stand Oktober 2026).
Unser Fazit: Für Küche, Schreibtisch, Balkon und Dusche ist der Motion+ ein sehr guter Kauf, wenn der Preis stimmt. Für Partys im Freien mit vielen Leuten rundherum gibt es geeignetere Lautsprecher.
Deine Erfahrung?
Hast du den Motion+ schon länger im Einsatz, und wie lange hält dein Akku wirklich? Nutzt du BassUp oder hast du dir einen eigenen Equalizer gebaut? Schreib es uns in die Kommentare.
