ThermoPro TempSpike TP960 im Test: 150 Meter auf der Packung, 30 Meter im Garten
Symbolbild Bei der Temperatur sind sich die Tester einig, bei der Reichweite überhaupt nicht. Ein deutscher Grillblog verlor die Verbindung zum ThermoPro TempSpike schon nach 30 Metern, eine US-Grillseite stand rund 76 Meter entfernt in der Küche und hatte während des gesamten Garvorgangs keinen einzigen Abbruch. Beworben werden 150 Meter. Wir haben elf Tests und Einschätzungen aus Deutschland und den USA ausgewertet und erklären, woher diese Spanne kommt, was der Fühler wirklich gut kann und warum es mit dem TP961 eine fast baugleiche Variante ohne Booster gibt.
Kurz gesagt
Der TempSpike misst so genau, dass ihn AmazingRibs mit einer Goldmedaille ausgezeichnet hat, und er kostet einen Bruchteil eines Meater Pro. Die Schwachstelle ist die Funkstrecke: Wer den Booster falsch platziert, verliert die Verbindung deutlich früher als versprochen. Für einen Braten im Ofen oder ein Stück Fleisch im Smoker ist er eine sehr gute Wahl, für mehrere Stücke gleichzeitig braucht man mehrere Fühler.
Das Prinzip: Ein Fühler, zwei Sensoren, ein Booster
Der TempSpike TP960 besteht aus zwei Teilen. Da ist zum einen der kabellose Edelstahlfühler, rund 13 Zentimeter lang und 6,5 Millimeter dick, mit einem Sensor in der Spitze für die Kerntemperatur und einem zweiten im Keramikende für die Garraumtemperatur. Zum anderen gibt es den Booster, eine handliche Ladeschale, die das schwache Signal des Fühlers auffängt und per Bluetooth ans Smartphone weiterreicht. Ein Display hat das System nicht, alles läuft über die TempSpike-App.
Wichtig für das Verständnis aller späteren Reichweitenprobleme: Die beworbenen 150 Meter gelten nur für die Strecke vom Booster zum Handy. Für die Strecke vom Fühler zum Booster nennt ThermoPro laut den Datenblattangaben, die AngryBBQ abdruckt, nur 2 bis 10 Meter, abhängig vom Grill. Ein geschlossener Metalldeckel schluckt eben viel. Genau deshalb rät der Hersteller, den Booster nah am Grill oder Ofen abzulegen und nicht neben dem Sofa.

Messgenauigkeit: Hier gibt es kaum Streit
Bei der Kernfrage sind sich die Quellen bemerkenswert einig. AmazingRibs hat den Fühler im Wasserbad gegen ein Referenzthermometer gemessen und kam bei rund 56 Grad auf exakt denselben Wert, bei höheren Temperaturen lagen die Abweichungen bei ein bis zwei Grad Fahrenheit, also unter einem Grad Celsius. Der Garraumsensor wurde in einem Ofen mit einem nassen Baumwollsocken als Ersatzsteak geprüft und lag zwischen etwa 120 und 220 Grad Celsius um höchstens drei Grad daneben. Der Tester schreibt, der TempSpike sei erst der zweite kabellose Fühler gewesen, der in seinen Tests verlässliche Ergebnisse geliefert habe.
Smoke Chops verglich die Kerntemperatur eines Steaks mit einem kalibrierten Einstichthermometer und fand eine Abweichung von höchstens einem Grad Fahrenheit. Auch kochenbackengrillen.de konnte keine Abweichungen feststellen, Grillfürst bezeichnet die Messwerte als vergleichbar mit Referenzthermometern. Einzig rouuo weist darauf hin, dass die vom Hersteller angegebene Toleranz von rund einem Grad Celsius die größte in seinem Vergleich ist. In der Praxis hat sich das in keinem der ausgewerteten Tests bemerkbar gemacht.
Etwas kritischer sieht es beim Garraumsensor aus. AngryBBQ hält dessen Werte für unzuverlässig und rät davon ab, einen Holzkohlegrill oder Offset-Smoker danach zu steuern. GearDiary stellte fest, dass der Sensor erst ab 50 Grad überhaupt etwas anzeigt. Für die Kerntemperatur ist der TempSpike also ein präzises Werkzeug, die Garraumanzeige ist eher ein Anhaltspunkt.
Die Reichweite: 150 Meter, 76 Meter oder 30 Meter?
Hier gehen die Erfahrungen am weitesten auseinander, und genau hier entscheidet sich, ob man mit dem Gerät glücklich wird. SmokedBBQSource ließ den Booster auf der Küchenarbeitsplatte liegen, rund 76 Meter vom Grill im Garten entfernt, und hatte keine einzige Unterbrechung. Bemerkenswert: Dieselbe Testerin schreibt, sie benutze ihren Meater+ wegen ständiger Verbindungsprobleme gar nicht mehr. Smoke Chops kam mit Hindernissen und Wänden auf etwa 73 Meter stabile Verbindung, GearDiary arbeitete während eines kompletten Smoker-Durchgangs im Haus, ohne die Verbindung zu verlieren.
Dem gegenüber steht kochenbackengrillen.de, wo nach 30 Metern Schluss war. Hey Grill Hey geht noch weiter: Die US-Grillseite führt den TempSpike in ihrer Thermometer-Übersicht ausdrücklich nicht als Empfehlung und schreibt, er eigne sich wegen Verbindungsproblemen nicht für lange Garvorgänge. Allerdings handelt es sich dabei nach eigener Aussage um eine recherchierte Einschätzung und keinen eigenen Praxistest.
Unsere Einordnung: Die Widersprüche lassen sich größtenteils mit der Platzierung erklären. Wer den Booster mitten in die Küche legt, während der Fühler unter einem geschlossenen Grilldeckel steckt, überfordert die kurze erste Funkstrecke. GearDiary legte den Booster etwa 30 Zentimeter neben den Smoker und hatte keine Probleme, AngryBBQ empfiehlt, ihn dank Magnet direkt an den Pelletgrill zu heften. Verlassen sollte man sich auf die 150 Meter trotzdem nicht. Realistisch sind nach den ausgewerteten Tests eher 30 bis 75 Meter, je nach Wänden und Grill.
Positiv für unterwegs: Weil kein WLAN nötig ist, funktioniert das System auch beim Camping. AngryBBQ hat es genau so auf einer Reise genutzt.
App und Garstufen: Die Vorgaben sind zu vorsichtig
Die TempSpike-App bekommt durchwachsene Noten. GearDiary lobt die übersichtliche Darstellung, die Restzeitschätzung und die Temperaturkurve. SmokedBBQSource findet die App funktional, aber optisch altbacken, und ärgert sich, dass ThermoPro für den TempSpike eine eigene App verlangt statt der bestehenden für die kabelgebundenen Thermometer. AmazingRibs vermisst eine Verlaufskurve für die Garraumtemperatur.
Einen konkreten Kritikpunkt nennen gleich zwei Tests unabhängig voneinander: Die voreingestellten Garstufen sind zu hoch. Grillfürst fand für ein Steak „Medium“ einen Zielwert von 66 Grad in der App, was in der Praxis schon recht durchgegart ist. SmokedBBQSource konnte Schweinefleisch in den Voreinstellungen nicht unter 71 Grad setzen, obwohl die US-Lebensmittelbehörde 63 Grad als sicher angibt. Inzwischen lassen sich die Werte allerdings manuell anpassen und eigene Profile anlegen. Unser Rat: Die Voreinstellungen einmal durchgehen und an den eigenen Geschmack anpassen, sonst wird das Steak trockener als gewollt.
Praktisch für größere Runden ist, dass die App laut AngryBBQ bis zu drei TempSpikes gleichzeitig verwalten kann. Einen Zweitfühler muss man dann aber separat kaufen oder gleich zur Twin-Variante greifen.
Akku, Reinigung und Alltag
Der Fühler lädt in der Booster-Schale, der Booster selbst per USB-C. ThermoPro nennt bis zu 48 Stunden Laufzeit für den Fühler, AngryBBQ nennt aus dem Datenblatt über 36 Stunden. Grillfürst kam im Test auf 24 bis 30 Stunden, was für jeden normalen Longjob reicht. Ein Widerspruch fällt auf: Grillfürst führt in seiner Übersicht zwei AAA-Batterien im Booster auf, während AmazingRibs, AngryBBQ und SmokedBBQSource übereinstimmend einen fest eingebauten, per USB geladenen Akku beschreiben. Wir halten die Akku-Angabe der drei US-Tests für die richtige.
Bei der Robustheit überzeugt der TempSpike. Der Fühler ist nach IP67 wasserdicht, Grillfürst hat ihn testweise in der Spülmaschine gereinigt und sogar in 180 Grad heißem Frittierfett eingesetzt, beides ohne Schaden. AngryBBQ lobt den stabilen, dicken Edelstahl, bei dem man keine Angst vor dem Abbrechen haben muss.
Die Kehrseite der Dicke: Der Fühler muss bis zu einer Markierung im Fleisch stecken, damit die Elektronik nicht überhitzt. Für dünne Steaks, Burger oder Hähnchenteile ist der TempSpike deshalb ungeeignet, AngryBBQ rät ohnehin dazu, zusätzlich ein schnelles Einstichthermometer zu besitzen. Welt.de bemängelte laut homeandsmart zudem einen fehlenden Magneten zwischen Station und Fühler.
Die Lite-Variante TP961: Gleicher Fühler, kein Booster
Neben dem TP960 verkauft ThermoPro, inzwischen teils unter dem Markennamen TempPro, den TempSpike TP961. In den USA heißt er TempSpike Lite. Nach Herstellerangaben steckt darin ein praktisch identischer Fühler mit denselben Messbereichen und derselben Genauigkeit, die Ladeschale verzichtet aber auf die Booster-Funktion. Der Fühler funkt direkt ans Smartphone.
Unabhängige Tests gibt es zum TP961 bislang praktisch nicht, deshalb bekommt er keinen eigenen Artikel. Eine Überlegung drängt sich aber auf: Wenn ThermoPro beim TP960 für die Strecke vom Fühler zum Booster selbst nur 2 bis 10 Meter angibt, dann ist fraglich, ob der TP961 ohne Booster auch nur annähernd die beworbenen 150 Meter erreicht. Wer das Thermometer vor allem im Backofen nutzt und das Handy in der Küche liegen hat, dürfte damit gut auskommen und spart Geld. Wer am Grill im Garten steht und ins Haus gehen will, sollte zum TP960 greifen.
Was bleibt hängen
Misst so genau wie die Großen, verliert aber den Faden, wenn der Booster zu weit weg liegt.
Der TempSpike TP960 macht das Wichtigste richtig: Er misst die Kerntemperatur so genau wie deutlich teurere Konkurrenten, ist robust und lässt sich in der Spülmaschine reinigen. Die Reichweitenversprechen des Herstellers sind dagegen optimistisch, und wer den Booster nicht in die Nähe des Grills legt, wird enttäuscht. Das ist kein Konstruktionsfehler, sondern ein Bedienungsdetail, das ThermoPro deutlicher kommunizieren müsste.
Für wen lohnt er sich? Für alle, die regelmäßig einen Braten, ein Roastbeef oder ein Stück Pulled Pork auf den Punkt garen wollen und nicht 100 Euro und mehr für ein Meater-System ausgeben möchten. Laut Preisvergleichen liegt der TP960 hierzulande derzeit meist zwischen 35 und 55 Euro (Stand Oktober 2026). Für dünnes Grillgut und für die Steuerung der Grilltemperatur ist er dagegen das falsche Werkzeug.
Diskutiert mit
Nutzt ihr einen kabellosen Fühler, und wie weit kommt ihr damit wirklich? Und legt ihr den Booster an den Grill oder lieber ins Haus? Schreibt uns eure Erfahrungen in die Kommentare.
