XGIMI Halo+ im Test: Das Netflix-Problem ist gelöst, das Akku-Problem bleibt
Symbolbild Drei Jahre lang endete fast jeder Test des XGIMI Halo+ mit derselben Einschränkung: Netflix läuft nicht, jedenfalls nicht ohne Bastelei. Erstaunlich viele Redaktionen haben dem kleinen Akku-Beamer das trotzdem verziehen, weil der Rest so gut funktionierte. Inzwischen verkauft XGIMI das Gerät als Halo+ GTV, mit Google TV und offiziell lizenziertem Netflix. Der meistgenannte Kritikpunkt ist damit erledigt. Ein anderer, über den deutlich seltener gesprochen wird, ist geblieben.
Für diese Auswertung haben wir 20 Testberichte aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Großbritannien und den USA gelesen. 17 davon beziehen sich auf die ursprüngliche Version mit Android TV 10, drei auf die aktuelle GTV-Ausgabe. Maße, Gewicht, Akku, DLP-Optik und Lautsprecher sind laut den Datenblättern beider Versionen gleich geblieben, deshalb lassen sich die älteren Messungen zu Bild, Klang und Laufzeit weiter verwenden. Bei der Software gilt das ausdrücklich nicht, dort zählen nur die neuen Tests.
Auf einen Blick
Der Halo+ GTV gehört zu den hellsten Akku-Beamern seiner Klasse, klingt für seine Größe erstaunlich erwachsen und richtet sich praktisch selbst ein. Mit Google TV und Netflix fällt das größte Ärgernis der ersten Version weg. Wer ihn vom Netz trennt, bekommt allerdings automatisch ein deutlich dunkleres Bild, und der Prozessor gehört zur gemächlichen Sorte.

Alt gegen neu: Was die GTV-Version wirklich ändert
Die Netflix-Geschichte zieht sich durch die älteren Tests wie ein roter Faden. Netzwelt, nextpit, Expert Reviews und ProjectorCentral bemängeln alle, dass die App zwar im Play Store auftaucht, Inhalte aber nicht abspielt. Cord Cutting Report beschreibt genau diesen Effekt: Installation klappt, Wiedergabe nicht. Expert Reviews erwähnt einen Beipackzettel mit einem Umweg, hält ihn aber nicht für alltagstauglich. Kurios ist ausgerechnet TechRadar, das im Herbst 2021 meldete, Netflix sei nun nativ an Bord. Kein anderer Test aus dieser Zeit bestätigt das, wir werten diese Aussage deshalb als Irrtum.
Dustin Abbott erklärt in seinem Test der Neuauflage, warum es überhaupt eine zweite Version gibt: Netflix hat 2024 seine Zertifizierungsregeln verschärft, XGIMI musste das Gerät überarbeiten. Rotek und hifi.de bestätigen für die GTV-Version, dass Netflix, YouTube und Prime Video regulär laufen. Die Einrichtung erfolgt wie bei jedem Google-TV-Gerät über die Google-Home-App und dauert laut Rotek etwa zehn Minuten.
Was Google TV nicht ändert, ist die Rechenleistung. Rotek nennt einen Vierkern-Prozessor mit 1,35 GHz und 2 GB Arbeitsspeicher und beschreibt Verzögerungen von ein bis zwei Sekunden, vor allem direkt nach dem Einschalten, wenn Apps starten oder die Quelle gewechselt wird. Die Videowiedergabe selbst bleibt flüssig. Nextpit hatte schon bei der alten Version über Ruckler und lange Ladezeiten geklagt, besonders bei der Sprachsteuerung. Von den 16 GB Speicher bleiben nach Angaben von Rotek und ProjectorCentral nur rund 8 GB für eigene Apps übrig.
Bild: Hell für einen Akku-Beamer, aber kein Tageslichtgerät
Bei der Helligkeit liegen die Messungen erstaunlich weit auseinander. ProjectorCentral kam am Netzteil auf 753 ANSI-Lumen im Office-Modus und gut 720 im Filmmodus, im Spielmodus sank der Wert auf 446. Projector Reviews maß an einem Vorserienmodell nur 555 ANSI-Lumen und fragte deshalb beim Hersteller nach. Hifi.de ermittelte für die GTV-Version über 50 Nits und zählt den Halo+ damit zu den hellsten mobilen Projektoren, die die Redaktion bisher getestet hat. Den Kontrast beziffert hifi.de auf rund 370:1, für ein tragbares Gerät ein guter Wert, echtes Schwarz gibt es trotzdem nicht.
In der Praxis sind sich die Tester einig: Ein abgedunkelter Raum ist Pflicht. Nextpit kam an einem sonnigen Tag mit hellen Vorhängen noch zurecht, TechRadar sah bei Restlicht vor allem dunkle Szenen absaufen. Futurezone rät davon ab, den Halo+ als Ersatz für den Fernseher zu kaufen, weil die Helligkeit dafür nicht reicht.
Die Schärfe loben fast alle. Expert Reviews kennt in dieser Klasse keinen Beamer mit klarerem Bild, PCGamesN hält ihn für einen der besten 1080p-Projektoren überhaupt. Bei den Farben gibt es dagegen Abzüge. Rotek und Expert Reviews beschreiben die Werkseinstellung als leicht kühl, RTINGS bewertet die Farbtreue ab Werk als schwach. Hifi.de und Expert Reviews kommen unabhängig voneinander zum selben Tipp: Farbtemperatur auf „Warm“ stellen.
Einen echten Widerspruch gibt es bei der Bewegungsglättung. Expert Reviews fand die Zwischenbildberechnung so aggressiv, dass Filme wie Seifenopern wirkten, ProjectorCentral führt sie als Neuerung des Halo+ auf. Hifi.de wiederum vermisste beim GTV-Modell genau diese Funktion und sah Laufschriften ruckeln. Ob XGIMI die Funktion mit der neuen Software gestrichen hat, lässt sich aus den Tests nicht klären.
Der Haken am Akku: Wer ohne Kabel schaut, schaut im Sparmodus
Der 59-Wh-Akku soll laut XGIMI zweieinhalb Stunden halten. Die gemessenen Laufzeiten reichen von gut anderthalb bis über drei Stunden, und das hat einen Grund. ProjectorCentral kam im Filmmodus auf 1 Stunde 31 Minuten, nach einer Stunde schaltete das Gerät von selbst in den Energiesparmodus. Expert Reviews und nextpit landeten bei etwa zwei Stunden, PCGamesN schaffte fast einen kompletten „Dune: Part Two“. Rotek dagegen spielte mit der GTV-Version fünf Netflix-Folgen am Stück ab und kam auf 3 Stunden 11 Minuten.
Die Erklärung liefert hifi.de: Sobald das Netzkabel fehlt, wechselt der Halo+ GTV zwangsweise in den Eco-Modus, und heller stellen lässt sich das Bild dann nicht mehr. Gerade bei dunklen Filmen gehen dadurch feine Abstufungen verloren. Rotek schätzt, dass im Standardmodus eher eine bis anderthalb Stunden drin wären. Lange Laufzeit und volles Bild schließen sich beim Halo+ also gegenseitig aus.
Dazu kommt ein proprietäres Netzteil. Laden über USB-C geht nicht, eine Powerbank als Notreserve fällt damit weg, was Rotek und nextpit beide kritisieren. Eine volle Ladung dauert laut nextpit rund zwei Stunden.
Klang und Lüfter: Hier widersprechen sich die Tests am deutlichsten
Die zwei 5-Watt-Lautsprecher mit Harman-Kardon-Abstimmung bekommen viel Lob. TechRadar berichtet, dass sie einen Raum problemlos füllen, Expert Reviews kennt nur ein vergleichbar gut klingendes Mobilgerät und hörte erst bei maximaler Lautstärke leichte Verzerrungen. Nextpit ist kritischer: Für Musik fehle der Bass, die Höhen klängen etwas spitz, und einen Equalizer gibt es nicht. Hifi.de ordnet die Lautstärke im Mittelfeld ein, lobt aber die klare Sprachwiedergabe.
Beim Lüfter gehen die Urteile komplett auseinander, sogar zwischen den beiden GTV-Tests. Hifi.de empfand ihn je nach Modus als ziemlich laut und lauter als bei anderen getesteten Mini-Beamern. Rotek maß dagegen mit einem Schallpegelmesser im Schnitt 33 dB aus einem Meter Abstand und nennt den Halo+ sehr leise. ProjectorCentral lag mit 37,1 dBA kaum über dem Grundrauschen des Raumes, nextpit beschreibt den Betrieb als flüsterleise. Wer geräuschempfindlich ist, sollte das Rückgaberecht im Hinterkopf behalten.
Aufbau und Alltag: Die Automatik überzeugt, der Standfuß nicht
Die automatische Bildeinrichtung ist der Punkt, bei dem sich alle Tests einig sind. Autofokus, Trapezkorrektur, Leinwanderkennung und das Ausweichen vor Hindernissen wie Bilderrahmen funktionieren laut hifi.de, Rotek und PCGamesN zuverlässig. Rotek stand mit dem Beamer 2,10 Meter vor der Wand und hatte nach wenigen Sekunden ein gerades Bild mit rund 180 Zentimetern Diagonale. TechRadar fand den Autofokus allerdings zu empfindlich, schon ein leichter Stoß löst die Neujustierung aus.
Jede digitale Korrektur kostet etwas. Home&Smart sah den Rand der Trapezkorrektur immer, nextpit beschreibt einen hellen Schein rund ums Bild, und ProjectorCentral verlor bei nur zehn Grad Neigung fast die Hälfte der Helligkeit. Ein Problem dabei ist der kleine Klappfuß unter dem Gerät. Nextpit nennt ihn unzureichend und empfiehlt ein Stativ, hifi.de findet die Ausrichtung umständlicher als bei der MoGo-Serie oder Samsungs Freestyle. Ein Stativgewinde ist vorhanden, eine Tasche oder ein Linsenschutz liegt laut nextpit nicht bei.
Wer spielen will, bekommt ein gemischtes Bild. ProjectorCentral nennt für den Spielmodus eine Verzögerung von rund 26 Millisekunden, die Trapezkorrektur ist dabei aber abgeschaltet. Expert Reviews fand Spiele über eine Xbox flüssig und gut spielbar, PCGamesN spürte am Laptop dagegen eine deutliche Verzögerung, weil sich der Spielmodus nur bei erkannten Konsolen aktiviert.
Preis: Deutlich unter der UVP zu haben
Hifi.de nennt für die GTV-Version eine UVP von 799 Euro. Im Handel lag der Preis zuletzt meist zwischen rund 580 und 700 Euro (Stand: Oktober 2026). Wichtig beim Kauf: Darauf achten, dass ausdrücklich die GTV-Version mit Google TV angeboten wird, denn Restbestände der alten Android-TV-Variante ohne Netflix tauchen noch auf.
Was bleibt hängen
Endlich mit Netflix, aber wer ohne Kabel schaut, schaut im Sparmodus.
Der Halo+ GTV ist das, was die erste Version immer sein wollte: ein Beamer, den man auspackt, auf den Tisch stellt und benutzt, ohne vorher einen Streaming-Stick zu kaufen. Bildschärfe, Klang und die Einrichtungsautomatik gehören in dieser Größe zum Besten, was die Tests beschreiben.
Das Wort „Akku-Beamer“ sollte man aber nicht zu wörtlich nehmen. Ohne Kabel läuft er im Sparmodus, und genau dann, wenn man ihn im Garten oder auf dem Balkon braucht, ist das Bild am schwächsten. Wer ihn überwiegend in der Wohnung von Raum zu Raum trägt, wird damit glücklich. Wer wirklich ohne Steckdose Filme schauen will, sollte die Erwartungen an Helligkeit deutlich herunterschrauben. Dazu kommt ein Prozessor, der nach dem Einschalten erst warm werden muss. Für den aufgerufenen Preis ist das verschmerzbar, ein Schnäppchen ist der Halo+ GTV aber nicht.
Deine Erfahrung?
Nutzt du deinen Beamer wirklich unterwegs mit Akku, oder steht er am Ende doch meistens an der Steckdose? Und falls du einen Halo+ besitzt: Empfindest du den Lüfter als störend oder hörst du ihn kaum? Schreib es uns in die Kommentare.
