Samsung The Freestyle 2 im Test: 550 Lumen auf dem Karton, 230 im Datenblatt
Symbolbild Wie hell ist der Samsung The Freestyle 2 eigentlich? Die Frage klingt einfach, ist es aber nicht. Samsung wirbt mit 550 Lumen, im Datenblatt stehen 230 ANSI-Lumen, ein belgisches Verbrauchermagazin listet 205. TechRadar hat auf einer 100-Zoll-Fläche nachgemessen und kam auf gut 7 Nits, ein großer Heimkino-Beamer von BenQ schaffte im selben Test 125. Wer die Zahlen versteht, weiß schon viel über dieses Gerät.
Wir haben 16 Testberichte aus Deutschland, der Schweiz, Belgien, Frankreich, Schweden, Großbritannien, der Ukraine und den USA ausgewertet. Die Spannweite der Urteile ist bei keinem Beamer unserer bisherigen Auswertungen so groß: von „Editors‘ Choice“ bis zur Empfehlung, lieber das ältere Modell zu kaufen.
Kurz zusammengefasst
Der Freestyle 2 ist mit gut 800 Gramm der leichteste Beamer in unserer Auswertung, richtet sich vollautomatisch ein und bringt mit Tizen das komplette Samsung-Smart-TV-System samt Netflix mit. Er ist aber auch der dunkelste. Ohne abgedunkelten Raum geht nichts, einen Akku gibt es nur als teures Zubehör, und der einzige Bildeingang ist Micro-HDMI.

Das Helligkeits-Rätsel
Die 550 Lumen, mit denen Samsung wirbt, sind sogenannte LED-Lumen, eine Messart, die Hersteller gern verwenden, weil sie höhere Zahlen ergibt. Das schwedische Magazin M3 nennt den vergleichbaren ANSI-Wert von 230 Lumen. Test-Aankoop in Belgien führt sogar nur 205 ANSI-Lumen. Imtest gibt dagegen einen Wert von 741 Lumen auf einen Meter an, eine Angabe, die sich mit den anderen kaum in Einklang bringen lässt.
Die einzige echte Messung stammt von TechRadar: 7,3 Nits im dynamischen und 6,6 Nits im Filmmodus auf 100 Zoll. Kleinere Bilder wirken heller, trotzdem nennt TechRadar das Bild dunkel. Im Alltag bestätigen das fast alle Tests. Hifi.de hält den Beamer bei Tageslicht für kaum nutzbar, Expert Reviews und Trusted Reviews raten zu geschlossenen Vorhängen, Business AM fand die Außennutzung am Tag enttäuschend, obwohl Samsung genau damit wirbt. Einzig Home Theater Review sah bei Tageslicht ein noch brauchbares Bild, allerdings nur mit rund 30 Zoll Diagonale.
Samsung selbst hat das Problem offenbar erkannt: Der angekündigte Nachfolger Freestyle+ soll laut Herstellerangabe doppelt so hell werden.
Bild: Gute Farben, graues Schwarz
Im Dunkeln fallen die Urteile deutlich freundlicher aus. Expert Reviews und Trusted Reviews loben ein sauberes, detailreiches Bild und sehr gute Bewegungsdarstellung, Home Cinema Choice hebt das HDR-Tone-Mapping hervor. RTINGS bescheinigt dem Freestyle 2 eine deutlich bessere Farbgenauigkeit ab Werk als dem TCL C1, der sonst in vielem knapp vorn liegt. Hilfreich ist die automatische Kalibrierung per Smartphone-Kamera, mit der Home Theater Review selbst auf einer gelben Wand ordentliche Farben bekam.
Beim Schwarz gibt es einen klaren Widerspruch. Home Theater Review beschreibt tiefe Schwarzwerte und starken Kontrast. PC-WELT, Home Cinema Choice und Expert Reviews sehen dagegen ein dunkelgraues Schwarz und verlorene Details in dunklen Szenen. TechRadar maß im Filmmodus einen Graustufenfehler von Delta-E 14,1, ein schwacher Wert. Mehrere Tests warnen zudem vor dem DLP-typischen Regenbogeneffekt, den empfindliche Zuschauer als bunte Blitzer wahrnehmen. Gagadget störte ein grauer Lichtrahmen um das Bild, der im völlig dunklen Raum sichtbar bleibt.
Aufstellen: Die eigentliche Stärke
Autofokus, Trapezkorrektur und automatische Nivellierung funktionieren laut hifi.de, Imtest und Business AM zuverlässig und schnell, Home Theater Review spricht von rund drei Sekunden. Die drehbare Halterung erlaubt Projektionen an die Decke, ein klarer Vorteil fürs Schlafzimmer. Eine kleine Einschränkung beschreibt Swisscom: Manuelle Korrekturen speichert der Freestyle 2 nicht, nach dem Neustart sind sie weg. Wer ihn fest aufstellt, ärgert sich darüber.
Strom bekommt der Beamer über USB-C. Laut Swisscom und Trusted Reviews reicht eine ausreichend starke Powerbank mit mindestens 50 Watt, Samsungs offizielle Akkubasis kostet extra und hält rund drei Stunden. Das macht ihn trotzdem zum flexibelsten Gerät in unserer Auswertung, denn eine passende Powerbank liegt in vielen Haushalten ohnehin herum.
Tizen: Das beste Smart-System, mit Einschränkungen
Bei der Software spielt Samsung seine Erfahrung aus. Tizen ist dasselbe System wie auf den Samsung-Fernsehern, mit Netflix, Prime Video, Disney+, Apple TV+ und laut Imtest auch den Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender. AirPlay 2, Alexa und Bixby sind ebenfalls an Bord. Expert Reviews, Business AM und Gagadget loben die übersichtliche Oberfläche. Swisscom fand sie dagegen gelegentlich träge, auch die Fernbedienung reagierte nicht immer sofort.
Zwei beworbene Extras überzeugen kaum. Das Gaming Hub streamt Spiele von Xbox oder GeForce Now ohne Konsole, braucht aber jeweils ein Abo. M3 fand die Steuerung über Wi-Fi 5 verzögert, TechRadar maß im Spielmodus 62 Millisekunden Eingabeverzögerung. Smart Edge Blending verbindet zwei Freestyle zu einem breiten Bild, funktioniert laut PC-WELT aber nur mit einigen YouTube-Clips und eigenen Fotos und setzt den Kauf eines zweiten Geräts voraus.
Klang und Lüfter
Der 5-Watt-Lautsprecher mit Rundumklang teilt die Tester wie kein anderes Merkmal. Expert Reviews, Trusted Reviews und Home Cinema Choice sind von dem großen Klang aus dem kleinen Gehäuse überrascht, PC-WELT lobt die breite Bühne. Für das schwedische M3 ist der Ton dagegen schwach, der Tester musste stark aufdrehen, um den Lüfter zu übertönen. Hifi.de bemängelt die begrenzte Maximallautstärke, Business AM und MDS Cinéson halten den Ton nur für kleine, ruhige Räume geeignet.
Auch beim Lüfter gehen die Eindrücke auseinander. PC-WELT gibt rund 30 Dezibel an, die der Lautsprecher weitgehend überdeckt. Business AM fand das Betriebsgeräusch dagegen in ruhigen Filmszenen störend, M3 spricht von einem ständigen Brummen.
Preis
Zum Start verlangte Samsung laut PC-WELT 699,99 Euro. Inzwischen ist der Freestyle 2 deutlich günstiger, die Preisübersicht von test.de nennt einen durchschnittlichen Onlinepreis von 565 Euro (Stand: 27. Oktober 2026). In Aktionen fällt er regelmäßig darunter. Mit dem angekündigten Freestyle+ dürfte der Preis weiter sinken.
Unsere Einordnung
Die Bewertungen reichen von begeistert bis abwinkend, und beides ist nachvollziehbar. Home Theater Review und PC-WELT vergeben eine Redaktionsempfehlung, Home Cinema Choice 4,5 von 5, Gagadget 4,6 von 5 und hifi.de die Note 1,8. Imtest kommt dagegen nur auf „befriedigend“, und M3 nennt das Gerät ein „Generation-1,5-Update“, bei dem man ebenso gut das günstigere Vorgängermodell kaufen könne. Auch Stiftung Warentest und Test-Aankoop haben den Freestyle 2 geprüft, ihre Noten sind allerdings nur gegen Bezahlung einsehbar und fließen deshalb nicht in unsere Bewertung ein.
Unser Eindruck: Der Freestyle 2 ist kein guter Beamer im klassischen Sinn, aber ein sehr gutes Gadget. Kaum ein anderes Gerät ist so schnell aus der Schublade geholt, an die Schlafzimmerdecke gerichtet und mit Netflix bespielt. Für spontane Filmabende im Dunkeln, für Kinderzimmer oder als Reisebegleiter mit Powerbank ist das ideal. Wer dagegen ein großes, helles Bild für das Wohnzimmer sucht, bekommt beim Halo+, beim Mars 3 oder beim Dangbei N3 Max zum ähnlichen Preis ein Vielfaches an Licht. Kaufen würden wir ihn deshalb nur deutlich unter der ursprünglichen UVP, und erst nachdem klar ist, was der Nachfolger kostet.
Eure Meinung
Ist euch die Größe eines Beamers wichtiger als die Helligkeit, oder würdet ihr nie unter 500 Lumen kaufen? Und wer den Freestyle besitzt: Wie oft steht er tatsächlich auf dem Nachttisch, und wie oft bleibt er in der Schublade?
